Der Kurs der VGN
 
Wilfred Gredler-Oxenbauer/picturedesk.com

Nach der Sanierung der Flotte stehen Call-Option, Abomarketing und Digitalisierung auf der Agenda.

Dieser Artikel ist zuerst in HORIZONT 19/2018 erschienen. Noch kein Abo? Hier klicken!

Der einstige Reichweitentanker scheint nach turbulenten Zeiten wieder ruhigere Gewässer erreicht zu haben: Als Horst Pirker die Verlagsgruppe News 2016 als Mehrheitseigentümer von Gruner + Jahr übernommen hatte, befand sich Österreichs größte Magazingruppe inmitten der wirtschaftlich schwierigsten Zeit. Gut neun Millionen Euro Minus EGT weist das Firmenbuch netto für 2016 aus, im Jahr davor waren es fast zehn Millionen Euro Minus, das Jahr davor auch über fünf Millionen. Nach satten Gewinnen kehrten sich innerhalb von fünf Jahren die Ergebniszahlen beinahe ident vom Plus ins Minus, die Umsätze des Medienhauses brachen nach über 130 Millionen Euro in Vorkrisenjahren stetig auf unter 90 Millionen Euro netto im Jahr 2016 laut Firmenbuch ein.

Pirker, seit 2014 als Geschäftsführer am Ruder des angeschlagenen Schiffs, kündigte mit Übernahme der Anteile bereits 2016 schwarze Zahlen für das Folgejahr an. Der Kurs des neuen Kapitäns – der mit Einstieg in die VGN 2014 von vielen auf Grund seiner beruflichen Vergangenheit beim Abfallexperten „Saubermacher“ als ebensolcher angekündigt wurde, was bei Pirker stets auf wenig Wohlgefallen stieß – dürfte stimmen: Ende des letzten Jahres sprach Pirker davon, schwarze Zahlen in 2017 erreicht zu haben; einsehbar sind diese Daten noch nicht.

Neben Neuaufstellung der Vermarktung innerhalb der Verlagsgruppe mit War Room, dem Reduzieren der damals personell ohnehin schon ausgedünnten Räumlichkeiten, Konsolidierungsmaßnahmen im Portfolio mit dem Zusammenführen von Format und trend und Neuaufstellung des davor defizitären Flagschiffs News, setzte Pirker auf der Kommandobrücke auch personell den Sparstift an. Die nicht steigenden Umsätze mussten sinkende Personalkosten kompensieren; 60 Prozent der Einsparungen betrafen Backoffice, die übrigen 40 Prozent die Redaktionen. En d e 2017 meinte Pirker im Rahmen des positiven Geschäftsjahrs: „Wir können uns ganz sicher nicht zurücklehnen. Die Anstrengungen, die wir hinter uns haben, sind kleiner als die, die wir vor uns haben. Wenn wir die Chance nutzen wollen, dieses Unternehmen nachhaltig erfolgreich zu machen, dann liegt der größte Teil der Arbeit noch vor uns.“

Denn noch liegen Herausforderungen vor Pirker. Am 16. Jänner soll Pirker die Option auf jene 25,3 Prozent gezogen haben, die der Kurier am Magazinkonzern hält. „Der Inhalt der Gesellschaftsverträge ist für mich vertraulich“, sagte Pirker dazu gegenüber HORIZONT bereits im Jänner 2017. „Ich werde mich dazu auch weiterhin nicht äußern“, so Pirker damals. Eine Bestätigung, die Option gezogen zu haben, wollte Pirker auch zuletzt nicht kommentieren. Ebenso wenig wie die Frage, wie diese Option im Detail ausgestaltet ist und wie die weitere Vorgehensweise zur Übernahme der Kurier-Anteile aussehen könnte. Auch Kurier- Geschäftsführer Thomas Kralinger schweigt zur Causa, die wohl den einen oder anderen Rechtsanwalt beschäftigt. Ebenso beschäftigen soll dem Vernehmen nach die Abwicklung Pirker selbst operativ.

Der hat sich unterdessen von Managing Director Markus Posset getrennt; und das vorerst ohne Angabe von Gründen. Posset solle versucht haben, Anzeigenverkäufer für die Mediengruppe Österreich abzuwerben, berichtete der Standard, Posset dementierte das, die VGN nannte das als einen der Trennungsgründe. Posset ist mittlerweile neuer Geschäftsführer für den Bereich Magazine in der Mediengruppe Österreich, Minderheitseigentümer der Verlagsgruppe News. In der VGN widmet man sich unterdessen wieder inhaltlichen Manövern und der Stärkung der Printprodukte: Abomaßnahmen sollen Verkauf und Reichweite der Magazine steigern – die sich durch die Gruppe höchst unterschiedlich entwickelten. News verbuchte in der letzten Media-Analyse Rückgänge, profil wiederum konnte laut ÖAK im letzten Jahr seine Abos steigern, Woman, Auto Revue und trend halten ihre Reichweiten stabil.

Stark wachsende E-Paper

Für profil etwa kamen Influencer an Bord, die die junge Zielgruppe der Studenten ansprechen sollen. Einige Hundert E-Paper-Testabos wurden laut Eigenangaben als Resultat der Aktion abgeschlossen. „Dabei war uns klar, dass die Zeiten von Abo- Ständen an den Unis wirklich vorbei sind“, resümierte Chief Sales Officer B2C Markus Fallenböck. Auch hier geht die VGN eben neue Wege – in einem Metier, in dem die Gruppe tonangebend ist: Am Markt der EPaper zeigt sich die Verlagsgruppe führend. News verkaufte zwar im Vergleich zu 2016 im Vorjahr weniger E-Paper laut ÖAK; aber sowohl profil als auch Woman, trend, Auto Revue und E-Media legten – teils beachtlich – zu. Während der Markt der E-Paper offensichtlich beackert wird, lassen Kursänderungen in den Digitalauftritten noch auf sich warten. „Die VGN muss dringend im Digitalbereich etwas tun“, richtete der mit einer reinen Finanzbeteiligung ausgestattete Wolfgang Fellner schon vor eineinhalb Jahren aus. Pirker meinte im Rahmen einer VÖZ-Veranstaltung im September: „Print alleine überlebt nicht“, und ergänzte: „Es wäre verhängnisvoll, sich in der Dualität von Print und Digital zurückzulehnen – wir müssen ganze Ökosysteme rund um unsere Medienmarken erschaffen.“ Die für Digitales zuständige News Networld verbuchte jedenfalls zuletzt deutliche Zuwäsche von knapp 20 Prozent und hatte im vierten Quartal 2017 über 1,7 Millionen Unique User. Wohin der Digitalisierungskompass strategisch ausschlagen soll, steht aber noch in den Sternen.

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