Der Journalist als Bergbauer des 3. Jahrtause...
 

Der Journalist als Bergbauer des 3. Jahrtausends

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Armin Wolf diskutiert zu "Medien in der gesellschaftlichen Verantwortung".(c)P.Svec
Armin Wolf diskutiert zu "Medien in der gesellschaftlichen Verantwortung".(c)P.Svec

"Medien in der gesellschaftlichen Verantwortung" bei den Medientagen.

Der Vortrag von Kommunikationswissenschaftlerin Miriam Meckel legte die Latte für die folgende Podiumsdiskussion zum Thema "Medien in der gesellschaftlichen Verantwortung" hoch. Etwas zu hoch, denn bemühte sich Meckel um eine Definition des unscharefn Begriffs "Qualität im Journalismus", so blieb genau darin die von ORF-Moderatorin Ingrid Thurnher geleitete Diskussion über weite Teile strecken.

Einige Highlights aus der Diskussion:

Markus Breitenecker (Puls4) stellte fest, dass der Staat im Fernsehen einem Marktteilnehmer, dem ORF, einen gesetzlichen Funktionsauftrag im Sinne der gesellschaftlichen Verantwortung übertragen habe, den dieser aber nicht erfülle. Anders die Printmedien: Sie erfüllen ihren Anspruch freiwillig und es funktioniert.


Das kann Armin Wolf, ZiB2-Moderator im ORF, natürlich nicht so stehen lassen und schießt zurück: "Was Puls4 und der ORF machen, ist so unterschiedlich, dass man nicht einmal von einem Wettkampf in der gleichen Sport  sprechen kann."

Presse-Chefredakteur Michael Fleischhacker gibt sich betrübt: "Ich habe im Vortrag von Professor Meckel irgendwann begonnen das Wort Journalist geistig mit dem Wort Bergbauer auszutauschen und es hat perfekt funktioniert. Der Journalist ist der Bergbauer des dritten Jahrtausend." Also quasi ein Anachronismus, den man nur aufgrund einer romantsiche Vorstellung bewahrt sehen möchte, dessen Existenz aber nicht wirtschaftlich darstellbar ist." Die schlechteste Lösung sei, so Fleischhacker aber  der zunehmende Ruf nach der öffentlichen Förderung von Qualitätsjournalismus. "Das wäre die größtmögliche Katastrophe und käme einer Selbstaufgabe gleich." 

Etwas, das Falter-Chefredakteur Armin Thunrher nicht so sehen kann. "Ich habe kein Problem mit der öffentlichen Hand", er richtet seine Kritik an die Medienpolitik der Europäischen Union, die Medienpolitik stets nur unter dem Gesichspunkt von Wettbewerbsrecht sehe. 

News-Chefredakteur Peter Pelinka richtet sich ganz massiv gegen die anonyme Posting-Kultur im Internet: "Das ist Vernaderung und Verleumdung auf tiefstem Niveau." Ines Pohl (taz) wirft ein: "Verleumdung gibt es aber auch in alten Medien." Darauf Pelinka: "Schon aber wenigstens nicht anonym."

Hermann Petz (Moser Holding) bricht eine Lanze für Qualitätsjournalismus abseits so genannter "Elitemedien" in den Regionalmedien. "Wenn wir über eine neue Moschee in Telfs in der Tiroler Tageszeitung berichten, dann tun wir das lösungsorientiert und nicht polemisch." Darauf aufbauend dreht sich ein Großteil der Diskussion über das Thema Integration in den Medien.

News-Chefredakteur Pelinka erzählt stolz von einem eigenen Integrationspreis, den das Nachrichtenmagazin innerhalb weniger Wochen als Antwort auf die Sarazzin-Diskussion in Deutschland auf die Beine gestellt habe. Dort seien Beispiele gezeigt, wie Integratiuon funktionieren kann.


Dazu kann Fleischhacker nur sagen: "Das ist der Ersatz des Denkens durch Moralinsäure - aber noch lange kein Qualitätsjournalismus." 

Schließlich wundert sich Armin Thurnher: "Ich verstehe gar nicht, warum hier alle plötzlich unbedingt Qualitätsmedien sein wollen? Ich kann Ihnen sagen, das ist weder einfach noch lustig. Man wirtd nicht ernstgenommen und von der Elite verachtet."

Breitenecker: "Gerade das Thema Integration ist ein Beispiel dafür, dass nicht nur Elitemedien gesellschaftliche Verantwortung wahrnehmen. Wenn bei Austrias Next Top Model hat zuletzt ein Mädchen mit Migrationshintegrund gewonnen und wurde zur Heldin einer ganzen Generation. Das bringt mehr als Diskussionen in Elitemedien."

Nocheinmal Armin Wolf zum Wechselverhältnis Qualität-Quote: "Ziel muss es doch sein, mit Qualitätsjournalismus ein möglichst großes Publikum zu erreichen. Das ist Aufklärung. Aber Aufklärung braucht Publikum, denn ohne Publikum ist es Onanie."
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