Deniz Yücel zurück in der Redaktion der "Welt...
 

Deniz Yücel zurück in der Redaktion der "Welt"

APA (Archiv)
Deniz Yücel
Deniz Yücel

Sein Arbeitgeber freute sich auf Twitter über die Rückkehr des Journalisten in den Berliner Newsroom.

Der deutsch-türkische Journalist Deniz Yücel (44) ist zurück an seinem Arbeitsplatz in Berlin. Yücel war erst im Februar nach gut einem Jahr in türkischen Gefängnissen freigekommen. Sein Arbeitgeber, die Zeitung "Die Welt", freute sich auf Twitter:

Auf einem Foto in dem Tweet ist der Journalist neben "Welt"-Chefredakteur Ulf Poschardt zu sehen. Der "Welt"-Korrespondent hatte sich Mitte Februar 2017 der türkischen Justiz gestellt und kam anschließend ohne Anklage in Untersuchungshaft. Die Türkei wirft ihm "Propaganda für eine Terrororganisation" und "Aufstachelung des Volkes zu Hass und Feindseligkeit" vor. Sie hat Vorwürfe zurückgewiesen, dass es sich um einen politisch motivierten Fall handelt. Das Verfahren gegen Yücel läuft weiter. Ihm drohen im Fall der Verurteilung zwischen vier und 18 Jahre Haft.

Kritik an deutscher Regierung
Yücel hat der deutsche Bundesregierung für ihre Unterstützung gedankt, sie aber zugleich für ihre zurückliegende Türkei-Politik kritisiert. "Grundsätzlich denke ich, dass die Regierung von Angela Merkel alle progressiven und demokratischen Kräfte in der Türkei zweimal verraten hat", sagte Yücel in einem Interview, das am Sonntag identisch in den Zeitungen "Die Welt" und "taz" erschien.

So habe Merkels Regierung einerseits im Jahr 2005 "den Türken klargemacht: Ihr kommt nicht in die EU, völlig egal, was ihr tut". Damals hätten die Zeichen in der Türkei noch auf Europäisierung gestanden, sagte Yücel. Als zweiten Verrat wertete er Merkels Besuch beim türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan im Zuge der Flüchtlingskrise 2015, kurz vor einer wichtigen Wahl. "Das war eine in der internationalen Diplomatie völlig unübliche Wahlkampfhilfe." Zudem sei die deutsche Regierung bis zu seiner eigenen Verhaftung die türkeifreundlichste innerhalb der EU gewesen - "auch als die Verhaftungen von Oppositionspolitikern und Journalisten begannen".

Darüber hinaus ließ Yücel im Interview offen, ob er sich dem nächsten türkischen Gerichtstermin im Juni stellt. "Ich habe die Türkei nicht mit dem Gefühl verlassen: Bloß weg aus dieser ganzen Scheiße hier, ich will nie wieder etwas damit zu tun haben", sagte er. Er habe auch bei seiner Freilassung keine Eile gehabt, das Land zu verlassen. Im Gegenteil habe er sich geweigert, mit einer Maschine der Bundesregierung "geräuschlos" ausgeflogen zu werden. Erst einen Tag später habe er mit einem von seiner Zeitung gecharterten Flugzeug das Land verlassen.

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