Defekte von Alpha-Männern
 

Defekte von Alpha-Männern

Unter dem Titel "Braucht heute Ethik Mut?" diskutierten Kommunikations- und Wirtschaftsprofis. Das natürliche Umfeld für gierige Manager scheint kleiner zu werden.

Unter dem Titel „Braucht heute Ethik Mut?“ diskutierten unter der Moderation von PRVA Präsidentin Ingrid Vogl, Christian Felber (Autor und Gründungsmitglied Attack Österreich), Othmar Hill (Unternehmensberater, Gründer und Präsident von Hill International), Rudi Kobza (CEO der Werbeagentur Lowe GGK), Renate Skoff (Agenturgründerin Skills und stv. Vorsitzende des PR Ethikrates), Karl Heinz Strauss (Vorstandsvorsitzender der Porr Gruppe) und Feri Thierry (Politikberater und Präsident des ÖPAV) zu dem Thema, das gerade anlässlich der vergangenen Monate und der aktuellen ÖBB Inseraten-Causa noch an Dringlichkeit zugenommen hat. Der Saal war entsprechend gut gefüllt.

Was du nicht willst, dass man dir tut..

Für die Vorsitzende des Ethikrates, Renate Skoff ist eine „PR ohne Ethik nicht vorstellbar“ und für sie ist Ethik nicht nur ein reines Einhalten der Gesetze, sondern sie muss darüber hinausgehen. Skoff: „Wir brauchen ein anderes Klima, das jetzige begünstigt unethisches Verhalten. Wir erleben im Ethikrat viele nicht gekennzeichnete Inserate.“ Sie stellt fest, dass es üblich geworden ist, Meinung zu kaufen und das in den letzten zwei Jahren noch extremer geworden sei. Buchautor Christian Felber betont noch einen weiteren Aspekt. Obwohl die wirtschaftliche Tätigkeit eigentlich dem Gemeinwohl dienen sollte, steht die aktuelle Praxis dazu in einem krassen Wiederspruch. Felber: „ Egoismus wird derzeit bevorrangt und sogar gesellschaftlich belohnt. Solange man nur den finanziellen Zuwachs zählt, werden wir die Folgeerscheinungen haben, die wir jetzt sehen.“ Er schlägt mit seiner Gemeinwohl-Martrix 3.0 ein Modell vor, indem auch soziale Gerechtigkeit und Solidarität wirtschaftlich messbar wäre.

Persönlichkeitsdefekte sichtbar machen

Auch Otmar Hill sieht in der derzeitigen Wirtschaft deutliche Defizite. Er stellt fest, das wir alle so gierig auf unsere Lebenszeit sind, dass viele unter großem Druck und unter Angst stehen. Hill: „Gier ist ein schwerer Persönlichkeitsschaden von den Alpha – Männern. Denn interessanterweise ist in den ganzen Affären bis dato keine Fraue involviert. Wir müssen den Persönlichkeitsdefekt der Machtträger sichtbar machen. Und sie nicht als große Macker stehen lassen.“ Für die Zukunft wünscht er sich viel psychohygienische Arbeit und die Implementierung von Gemeinwohlwerten. Karl Heinz Strauss, als Paradebeispiel der Bauindustrie, zeigt, dass ein Unternehmen auch lernfähig sein kann. Bei einer nichtgekennzeichneten Strecke der Kronen Zeitung war auch die Porr beteiligt - und wurde vom Ehtikrat entsprechend gerügt. Strauss schildert die Folgen: „Wir kennzeichnen heute unsere Themen. Wir haben unsere Verhalten entsprechend angepasst. Aus unserer Sicht war das Medium schuld. Angebote von Advertorials sind hier state of the art.“ Und er stellt für die Wirtschaft fest, dass „ es nicht immer leicht ist, diesen Angeboten nicht zu folgen.“

Ethik braucht Rückrat

Für Werbeagenturchef Rudi Kobza gibt es statt Ethik Anstand. Kobza: „Ethik basiert auf der Vernunft. Und am Ende ist das alles eines. Entweder ich bin anständig oder nicht. Und damit ist der Werber entweder ethisch oder nicht.“ Da sein Feld sich in „abgeschlossenen Werbeblöcken“ bewegt, empfindet er die Einteilung in der Werbung als „relativ einfach“. Feri Thierry, Politikberater und seit 16.September Präsident des ÖPAV (Österreichischen Public Affairs Verband), kommt wieder zur Grundfragestellung der Diskussion „Braucht Ethik Mut?“ zurück, und beantwortet sie so: „Nein. Für uns ist es klar, dass wir damit arbeiten und das sollte auch so sein. Ethik braucht Rückrat, die Konsequenz sie auch zu leben. Nämlich dann, wenn es kritisch wird. Mut braucht es, um das Rückrat zu verteidigen.“
stats