David gegen Goliath
 

David gegen Goliath

Editorial von Birgit Schaller, stellvertretende Chefredakteurin (HORIZONT 35/2013)

Diese Woche bescherte dem „kleinen“ David im TV-Markt ein paar Rekordzahlen und lässt den „großen“ Goliath des Landes ein bissl alt aussehen. Man mag von Puls 4 halten, was man will – jung, manchmal banal, zu viel Glitzer und Glamour –, doch das Engagement stimmt und die Quoten ziehen mit. Geschickt getimt, war Puls 4 Erster im TV-Wahlkampfgetümmel. Die Werbetrommel wurde heftig gerührt, das Interesse geschürt, und so saß auch ich beim Kanzlerduell am Montag in der ersten Reihe fußfrei im Patschenkino. Fazit: Kasperltheater auch hier ob der beiden Protagonisten, begleitet von einer ordentlichen Moderation von Infochefin Corinna Milborn und fundierten Fragen des erfahrenen Politexperten Peter Rabl plus eine saubere Einbindung des Publikums, das rundum die Tribüne bildete und zu Themenblöcken Stellung bezog. ­Abschließend gab es eine OGM-Umfrage und die Darstellung der Details zu „Werner Spindelegger“ vom Körpersprache-Experten. Wien bei Nacht als moderner Hingucker und die blaue ­Tönung des adaptierten Cham­pions-League-Studios strahlten Seriosität aus. Die Millionenshow-ähnliche Fanfare, die die Zuschauerfragen einleitete, dagegen amüsierte.

Für Puls 4 ein guter Start in die heiße Wahlphase, der in Spitzen 351.000 Zuseher anlockte. Nicht vergleichbar mit den rund 900.000, die Wahlkampfduellen des ORF gewöhnlich zusehen, doch Alexander Wrabetz ließ sich immerhin ein „Das ist schon was“ entlocken (Ö1-Mittagsjournal). David greift an. Punkten kann der ORF dagegen mit seiner neuen Wahl-13-App – diese bietet Audio- und Videobeiträge, Blogs von ORF-Journalisten und Daten – kein Design-Highlight, aber eine übersichtliche Zusammenfassung rund um die Wahl. Goliath kontert. Wahlkampfzeiten geben dem ORF Gegelgenheit, dem öffentlich-rechtlichen Auftrag Genüge zu tun. Ab Ende der Woche hat der ORF jede Menge Gelegenheit zu zeigen, wo die Infokompetenz daheim ist. Aber ein Stückchen Public Value ist bereits ins Privat-TV abgewandert – mit Pep und dem erfrischenden Elan des Jüngeren.

Kleiner Nachschlag: emotionale und ­souveräne Live-Berichterstattung von Puls 4-Sportchef Christian Nehiba (Gott sei Dank keine unerträgliche Doppelmoderation wie derzeit beim ORF-Fußball), ein energetischer Christian Baier und Frenkie Schinkels, den ich Herbert Prohaska bei Weitem vorziehe. – Der Einzug der Wiener Austria in die Champions League mit Herzschlagfinale war am Dienstag der zweite Paukenschlag mit 600.000 Zusehern. Ob Fußball oder Politduelle – Konkurrenz tut der österreichischen TV-Landschaft außerordentlich gut.
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