'Datum' ohne Ablauf
 

'Datum' ohne Ablauf

#

'Datum' feiert seine 100. Ausgabe und startet 2014 mit zahlreichen Novitäten: Paid Content und monothematische Sonderhefte namens 'Edition Datum'

Ab Freitag, dem 6. Dezember, liegt die 100er-Ausgabe von "Datum" druckfrisch in den Kiosken. „Erstaunlich, dass es 'Datum' seit zehn Jahren gibt. Viele ­sahen die Idee, hochwertigen Magazinjournalismus in Österreich zu eta­blieren, zum Scheitern verurteilt“, schmunzelt Chefredakteur Stefan ­Kaltenbrunner und zieht Bilanz: „100 Ausgaben von 'Datum' sind insgesamt 9.602 gedruckte Seiten, die mehr als 500 Autorinnen und Autoren in den vergangenen neuneinhalb Jahren zu Papier gebracht haben.“

Das vorliegende Heft ist kein Jubelheft im herkömmlichen Sinn, in dem Wegbereiter, Partner, Leser und Werbekunden zum Überleben gratulieren. Die "Datum"-Mannschaft hat sich vielmehr die Mühe gemacht, 100 Persönlichkeiten je eine Frage zu stellen. „Dabei haben wir uns ab und zu schamlos bei Max Frischs ‚Fragebogen‘ aus dem Jahr 1972 bedient“, ergänzt der "Datum"-Chefredakteur. Dazu gibt’s noch ausführliche Interviews mit Josef Cap und dem designierten Intendanten der Salzburger Festspiele, Markus ­Hinterhäuser, sowie längere Essays von Autoren wie Wolf Lotter, Karl Markovics, Alexander Purger, Isolde Charim und Anna Weidenholzer.

Zur "Überlebensgeschichte" von "Datum":

2004 haben Johannes Weyringer und Klaus Stimeder das zehnmal im Jahr erscheinende Magazin mit der Ambition gegründet, eine Alternative zum bestehenden Printangebot zu bieten. Mit seriösen Hintergrund­informationen, viel Platz für Text und einem volksbildnerischen Anspruch – so wollte man sich von Existierendem abheben. Seit 2009 werkt Stefan ­Kaltenbrunner als Chefredakteur. Im Jahr 2010 verkaufte Klaus Stimeder seine Anteile an "Datum" – schreibt aber weiter für das Magazin. Anfang des heurigen Jahres beteiligte sich ­Medecco mit 50 Prozent an "Datum". ­Medecco ist eine Medienbeteiligungsholding, die der ehemalige Styria-Chef Horst Pirker und der einstige Geschäftsführer der "Presse", Reinhold Gmeinbauer, gegründet haben. Die restlichen Anteile an "Datum" halten Weyringer (37,5 Prozent) und Kaltenbrunner (12,5 Prozent).

Bestes Jahr seit Bestehen

„Der neue Mehrheitseigentümer war bei der Professionalisierung der ­Verlagsstrukturen sicherlich sehr hilfreich“, meint Kaltenbrunner. Man habe zwar zuvor nicht unprofessionell agiert, sei aber eben viel besser geworden – und das hat sich auch auf das geschäftliche Ergebnis ausgewirkt. „2013 ist das beste Jahr in der Geschichte von 'Datum'“, meint Kaltenbrunner. Man werde deshalb auch die Redak­tionsmannschaft aufstocken. Derzeit besteht das Kernteam aus drei Journalisten – "Datum" arbeitet bekanntlich sehr viel mit freien Autoren zusammen.

Dass man mit "Datum" recht gut unterwegs ist, bewies auch eine kürzlich gemeinsam mit Peter Hajek durchgeführte Leserbefragung. 15 Prozent der mit "Datum" versendeten Fragebögen wurden auch retourniert – eine Response-Rate, die sowohl Kaltenbrunner als auch Marktforscher Hajek überraschte. Die Ergebnisse ­bewiesen, dass der von "Datum" eingeschlagene Weg vom Leser durchaus goutiert wird.

Pionier am Tablet

Unter Österreichs Magazinen war "Datum" der Pionier am Tablet. Im Juli 2010 erschien die erste Ausgabe der ­digitalen Version – und diese ist inzwischen erwachsen geworden. Denn das digitale Angebot trägt mittlerweile ­substanziell zum Ergebnis bei, wie ­Kaltenbrunner betont: „Etwa 15 Prozent unseres Umsatzes machen wir mit der Tablet-Version.“ Bis dato ist die Tablet-Version von "Datum" gratis; heuer wurde sie von Mercedes gesponsert. Die iPad-Version generiert je nach Ausgabe zwischen 8.000 und 10.000 ­Downloads.

Zum Vergleich: Die Druck­auflage von Datum beträgt 10.000 Exemplare. „Im nächsten Jahr werden wir für die Tablet-Version allerdings ­etwas verlangen“, verspricht Kaltenbrunner. Ihm schwebt ein Preis von um die 1,50 Euro vor. Die gedruckte Version kostet 5,50 Euro. Vorerst bleibt man Apples App-Store treu, im nächsten Jahr soll es dann auch eine Version für Android-Geräte geben. Ab 2014 neu ist auch "Edition Datum". „Das sind monothematische Sonderhefte, die jeder Abonnent gratis bekommt.“ Die „Seiten der Zeit“ – so der Untertitel des Magazins – werden also auch weiterhin sehr umtriebig sein.
stats