Daseinsberechtigung TV
 

Daseinsberechtigung TV

ARD/ZDF-Online-Studie gibt Aufschluss über die zukünftige Rolle des Fernsehens - neben dem Internet.

Wird das Fernsehen auch in Zukunft noch DAS meinungsbildende Medium sein? Mit dieser Frage gab das deutsche öffentlich-rechtliche Fernsehen seine aktuelle ARD/ZDF-Online-Studie 2009 in Auftrag.

Die Ergebnisse hier in Kürze:

-Das Internet wird das All-in-One-Medium der Zukunft werden, das die drei Motive der Mediennutzung vereint: Interaktion, Information und Unterhaltung.

-In der Gesamtbevölkerung ist die durchschnittliche Mediennutzung seit 2005 um 18 Minunte am Tag auf insgesamt 582 Minuten gestiegen.

-Die TV-Nutzungsdauer ist seitem um täglich zwei Minuten auf 228 Minuten pro Tag gestiegen

-Bei den 14- bis 19-Jährigen hatdie Gesamtnutzungsdauer von 419 (2005) auf 462 Minuten pro Tag zugenommen, wohingegen die TV- und Radionutzung abgenommen hat. Bei den Jugendlichen herrscht also ein Verdrängungswettbewerb der Medien.

-Die Webnutzung bei den Jugendlichen kommt der TV-Nutzung der Erwachsenen nahe, nämlich in der Primetime.

-von den 14- bis 19-Jährigen sind 97,5 Prozent im Web aktiv (5,1 Millionen), von den über 60-Jährigen sind es 27,1 Prozent - das entspricht 5,27 Millionen Nutzern, wobei 14,13 Millionen Senioren noch offline sind - ein gewaltiges Potenzial.

-In Summe sind die Deutschen 136 Minuten am Tag online, an 5,4 Tagen in der Woche, vorrangig beschäftigt mit E-Mail, Suchmaschinen, Homebanking und Online-Community.

- 40 Prozent der Deutschen sind Mitglied in einer Community, im Schnitt bei zwei Communities, die 14- bis 19-Jährigen im Schnitt bei 2,4 Communities.

"Die Mediennutzung wird also in Zukunft keine Frage von TV, Print oder Online sein, sondern vielmehr eine Frage von aktiver oder passiver Mediennutzung, von lean back oder lean forward", fasst Birigt van Eimeren, Vorsitzende der ARD/ZDF-Onlinestudie zusammen. Heißt das, das das Fernsehen weitermachen kann wie bisher? "Nein", sagt sie ganz klar, "weil wir es mit einem veränderten Rundfunkbegriff zu tun haben: statt Verbreitung stehen jetzt die Inhalte im Vordergrund". Und in der Qualität derselben - auch im Web - liege, laut Eimeren, der USP des TV der Zukunft. Ungeklärt ist aber nach wie vor die Rechtefrage - denn zusätzliche Onlinerechte kosten zusätzliches Geld, "und die Rundfunkgebühren wachsen nicht im selben Maße in den Himmel", so die Studienbeauftragte. Und schließlich noch die Frage des zukünftigen Berufsstandes des Journalisten, der Radio, TV und Web gleichzeitig bedienen soll, mit verschiedenen Markenwelten im Herzen. Eine Herausforderung.
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