Das war der Mediengipfel beim Europäischen Fo...
 

Das war der Mediengipfel beim Europäischen Forum Alpbach

Auf Einladung von Wien Holding, Manstein Verlag und echo medienhaus diskutierten Medienmacher und –experten über die Spaltung der Gesellschaft durch die Medien - Stimmiger Ausklang auf der Bischofer Alm, wo Wiener Wein auf Tiroler Schmankerln traf

Ob Medien die Gesellschaft spalten, wollte HORIZONT-Herausgeber Sebastian Loudon von Medienmachern und -experten beim dritten Mediengipfel auf der Bischofer Alm wissen, zu dem er gemeinsam mit Wien Holding-Boss Peter Hanke und echo medienhaus-Geschäftsführer Christian Pöttler am 27. August lud.

Für "Wiener Zeitung"-Chefredakteur Reinhard Göweil am aktuellen Beispiel der Flüchtlingsabschiebung ein durchaus brisantes Thema: "Wenn der Boulevard gemeinsam mit der Politik kampagnisiert, kommt es zu einer gesellschaftlichen Spaltung. Es ist wie bei den Politikern: Die Gesellschaft verdient die Medien, die sie konsumiert." Die Lösung sieht der Chefredakteur im besseren Zugang zu öffentlichen Informationen der Behörden für die Bevölkerung durch den Gesetzgeber.

Von einer Beeinflussung der Medien und Journalisten durch andere Massenmedien sprach hingegen "Die Presse"-Chefredakteur Rainer Nowak: "Ein eigener Standpunkt wird immer schwieriger." Deutlich positiver sieht Lounge FM-Geschäftsführer Florian Novak die Situation: "Durch Social Media werden Rezipienten selbst zu Medienmachern. Twitter und Co. sind ein Befreiungsschlag: Die Vielfalt und Freiheit ist so groß wie noch nie."

"Medien sind Leuchttürme in der rauen gesellschaftlichen See"

Davon, dass die digitale Revolution kein Schlaraffenland ist, in dem Bertold Brechts Vorstellungen wahr werden, ist echo medienhaus-Boss Christian Pöttler überzeugt und schreibt den traditionellen Medien eine bedeutende Rolle für die Gesellschaft zu. "Medien sind Leuchttürme in der rauen gesellschaftlichen See", so Pöttler. Ihre Wichtigkeit behalten sie durch die Gatekeeper-Funktion und das Agenda Setting, durch das sie die Tagesordnung in der Kommunikation der Gesellschaft bestimmen. "Medien sind der Kitt der Gesellschaft", unterstrich Pöttler.

Einig waren sich die Medienmacher, dass Medienbildung als eigenes Fach Einzug in den Unterricht halten müsse, um künftige Medienkonsumenten auf das Web mit seiner ungefilterten Information besser vorbereiten zu können.

Die aktuelle Lage der Medien fasste Loudon treffend zusammen und zielte damit auch auf Personaleinsparungen und Kostenkürzungen in den Medienunternehmen ab: "Früher haben die Medien Politiker und Unternehmer gesteuert. Heute hetzen die Medien den Themen hinterher und multiplizieren Themen; dabei werden sie von der Politik und den Unternehmen gesteuert."

Weniger kritisch, aber umso gemütlicher ging es beim anschließenden traditionellen Hüttenabend auf der Bischofer Alm zu, wo Wiener Wein auf Tiroler Schmankerln traf. Bei erlesenen Tropfen der Weingüter Cobenzl von Thomas Podsednik und Rotes Haus von Hans Schmid genossen die Gäste den urigen Charme der Hütte.

(red)
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