,Das schadet allen Medien'
 

,Das schadet allen Medien'

Raiffeisen-Generalanwalt Christian Konrad im HORIZONT-Interview

HORIZONT: Wie erleben Sie denn die Selbstzerfleischung von Kurier und Österreich beziehungsweise Heute und der Kronen Zeitung zum Thema Inserate der öffentlichen Hand?

Christian Konrad: Der Kurier hat die Vergabepolitik bei Inseraten – meiner Meinung nach zu Recht – thematisiert und damit einiges ausgelöst. Jetzt ist der Gesetzgeber beziehungsweise in manchen Fällen die Justiz an der Reihe. Damit ist die Aufgabe des ­Kurier erledigt. Dass das bei Österreich, Heute und auch der Kronen Zeitung etwas ausgelöst hat, ist offensichtlich. Der Herr Fellner hat mich im Laufe dieser Geschichte auch zwei Mal angerufen, und gemeint, ich solle das abstellen. Ich habe ihm nur gesagt: Ich denke nicht daran, ich mache die Zeitung schließlich nicht, das soll er mit seinem Kollegen ausmachen. Dann sind die Angriffe immer schlimmer geworden – das wurde mir erzählt, weil ich Österreich nicht lese. Mein Interesse ist, dass man sich einigermaßen verträgt. Fakten muss man aushalten, aber sich wechselseitig zu beschimpfen, geht zu weit. Zu behaupten, ­jemand sei ein Bettnässer, ist schon ­außerhalb der Norm. Im Moment ist Ruhe eingekehrt, aber ich habe beiden Teilen gesagt, dass das aus meiner Einschätzung ein Thema ist, das genau die zwei Betroffenen interessiert und vielleicht ein bisschen die Branche – insgesamt aber schadet das allen ­Medien.

HORIZONT: Was halten Sie denn vom geplanten Medientransparenzgesetz, das ab 2012 alle Werbeausgaben der sogenannten öffentlichen Hand transparent machen soll?

Konrad: Ich halte nicht sehr viel davon. Wozu braucht man da ein Verfassungsgesetz? Es würde doch reichen, wenn die Regierung einer Mediaagentur den Auftrag gibt, sie soll die Inserate der öffentlichen Hand beobachten und alle zwei Monate einen Bericht legen. Das kostet kaum Geld, und man braucht auch kein Gesetz dafür. Ganz anders sehe ich die Transparenz bei Medieneigentümern …

HORIZONT: Das wäre unsere nächste Frage gewesen …

Konrad: Ich bin x-mal in meiner Laufbahn gefragt worden, ob ich mich dort oder da hinter einem Treuhänder versteckt beteiligen möchte. Ich habe das immer abgelehnt. Wenn ich mich wo beteilige, dann stehe ich auch dazu. Deswegen haben mich auch die Verdächtigungen des Hans Dichand, Raiffeisen sei bei Österreich beteiligt, immer sehr geärgert. Das war das einzige Mal, dass ich bei Dichand laut wurde. Wir sind zwar gemeinsam mit anderen großen österreichischen Banken auch Kreditgeber von Österreich, haben denen aber nichts geschenkt. Der Hans Peter Haselsteiner würde auch nie auf die Idee kommen, mir zu sagen, ich darf der Porr keinen Kredit geben, weil ich bei der Strabag beteiligt bin.

HORIZONT: Bei unserem letzten Interview haben Sie gemeint, die Mediaprint sei ein Zebra, viel zu zahm. Wie ist Ihr zoologischer Befund heute?

Konrad: Sie ist ein bisschen in die Gänge gekommen, aber nach wie vor nicht dort, wo sie eigentlich hingehört. Es gibt einige gravierende Themen, die offen sind – etwa die Abo-Preiserhöhung bei der Kronen Zeitung – und die davon zeugen, wie schlecht die Gesellschafter teilweise mit ­diesem Unternehmen umgehen. Sie könnte mit Sicherheit viel effizienter sein. Um in der Zoologie zu bleiben: Manches Mal wird das Zebra im Sprung gehemmt.

HORIZONT: Was würde sich für Sie durch einen möglichen Einstieg eines neuen Partners bei der Kronen Zeitung ändern?

Konrad: Die Antwort ist einfach. Ich glaube nicht an den Einstieg eines neuen Partners bei der Krone. Es gibt dort zwei Eigentümer – die Familie Dichand, die glaubhaft und deutlich erklärt hat, dass sie nicht daran denkt, das Erbe zu verkaufen, und die WAZ, bei der eine Verschiebung der Anteile bevorsteht. Ich erwarte aber keine Änderung der Beteiligung der WAZ an der Kronen Zeitung. Alles, was Herr Döpfner hier öffentlich lanciert, hat keinen materiellen Inhalt.

HORIZONT: Könnte Christoph Dichand, eine Einigung mit der WAZ vorausgesetzt, die Anteile übernehmen?

Konrad: Warum nicht? Wechselseitig ist das natürlich möglich. Ob er es sich leisten kann, dürfen Sie mich nicht fragen, ich bin schließlich nicht sein Vermögensberater. Es hat bekanntlich Gespräche gegeben, die aus meiner Wahrnehmung schon relativ weit gediehen waren. Ich weiß nicht, ob es wieder dazu kommt, das wird man sehen. In beiden Fällen – sowohl bei der WAZ als auch bei der Kronen Zeitung – ist ein Erbfall eingetreten; dadurch sind natürlich Verschiebungen möglich. Ich habe aber keinen Anlass, zu glauben, dass das kurzfristig der Fall sein wird.

HORIZONT: Wie entwickelt sich die zu Raiffeisen gehörende Epamedia im Wettbewerb zur Gewista? Insbesondere, was die technische Entwicklung und die Zusammenarbeit mit den Kommunen – besonders Wien – betrifft, ist die Epamedia gegenüber der Gewista im Hintertreffen …

Konrad: Na, dass es die Gewista bei der Stadt Wien leichter hat als die Epamedia, überrascht wohl niemanden! Sie wissen, dass die Entwicklung der Epamedia ein offenes und sehr schwieriges Thema ist, zu dem es verschiedenste Überlegungen gibt. Die Epamedia muss jedenfalls nicht immer so aufgestellt bleiben, wie sie es derzeit ist. Sie hat eine Reihe von Beteiligungen in Zentral- und Osteuropa, und da gibt es mögliche Veränderungen. Da­rüber sprechen Sie aber am besten mit Monika Lindner, denn ich bin nicht einmal im Aufsichtsrat der Epamedia.

HORIZONT: Plant Raiffeisen den Einstieg bei einer Mediaagentur? Sagen wir einmal: beispielsweise bei der Omnimedia?

Konrad: Da gibt es seit Langem entsprechende Überlegungen. Das ist aber nicht nur eine Sache von Raiffeisen, sondern der existierenden Gesellschafter dort. Die haben zwar eine gewisse Bereitschaft signalisiert, aber da sind wir noch in einem embryonalen Stadium.

HORIZONT: Immer mehr politische Initiativen außerhalb der Parteien richten sich gegen den Reformstau. „Mein Österreich“, aber auch das Bildungsvolksbegehren – wie erleben Sie diese Bewegungen?

Christian Konrad: Ich hoffe sehr, dass alle diese Dinge dazu führen, dass die etablierten Parteien sich ihrer Aufgabe bewusst werden. Solche Entwicklungen gibt es immer nur dann, wenn die ordentlichen Institutionen nicht funktionieren.

HORIZONT: Die Initiative „Mein Österreich“ von Heinrich Neisser, Erhard Busek und anderen ehemaligen Politikern …

Konrad: Das finde ich putzig, hat aber keine politische Kraft.

HORIZONT: Sie sind mit vielen Politikern in Kontakt. Haben Sie das Gefühl, dass die Signale dieser Initiativen, dass Politiker ihre eigene Verantwortung nicht wahrnehmen, gehört werden?

Konrad: Nein. Jene, die es wirklich angeht, hören es nicht, die ärgern sich nur darüber. Und das ist schlecht. Ich sage ja auch, dass was passieren muss, aber ich sage es nicht der Öffentlichkeit, sondern ich sage es Politikern ­direkt.

Interview: Hans-Jörgen Manstein, ­Sebastian Loudon

Weitere Teile des Interviews mit Raiffeisen-Generalanwalt Christian Konrad lesen Sie in der kommenden Ausgabe des Magazins Cash, das am 29. November erscheint.
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