Das Magazin "Reportagen" - Ohne Fotos zum Erf...
 

Das Magazin "Reportagen" - Ohne Fotos zum Erfolg

Reportagen
Das unabhängige, Schweizer Magazin Reportagen feiert den fünften Geburtstag. Und es geht ihm so gut wie nie.
Das unabhängige, Schweizer Magazin Reportagen feiert den fünften Geburtstag. Und es geht ihm so gut wie nie.

Das Schweizer Magazin "Reportagen" verzichtet auf Fotos und versorgt seine Leser mit qualitativen Geschichten. Damit werden "in Zeiten der Print-Krise" Abozahlen kontinuierlich gesteigert. Das Geheimnis dahinter ist ein Bekenntnis zum Journalismus.

Man singt dem gedruckten Journalismus schon lange ein trauriges Totenlied. Vielleicht berechtigt. In Österreich wurde das WirtschaftsBlatt eingestellt. Die Verlagsgruppe News baut etwa 40 journalistische Stellen ab. In Deutschland beklagen sich Der Spiegel und sogar die Süddeutsche Zeitung über schrumpfende Zahlen und/oder Auflagen.

Doch zwischen all diesen negativen Überschriften liest man auch mal was Überraschendes: Das unabhängige, Schweizer Magazin Reportagen feiert den fünften Geburtstag. Und es geht ihm so gut wie nie, denn die Abozahlen steigen kontinuierlich.

Was machen sie richtig? Glaube an Print

Gründer und Chefredakteur Daniel Puntas Bernet hat kein Geheimrezept. Den Erfolg seiner Publikation sieht er in der harten Arbeit, die drin steckt. „Auch wir müssen täglich um unsere Leser kämpfen“, sagt er. Denn Print leidet. Es als sterbend zu bezeichnen, wäre eine Übertreibung, doch es geht dem gedruckten Journalismus gar nicht gut. Daher stellt sich die Frage, warum auf Print setzen?

„Wir glauben ganz altmodisch, dass das Lesen von langen Texten auf Papier in unserer Zeit immer noch besser funktioniert, insbesondere weil mit dem Erzähltbekommen von Geschichten, was beim Lesen von Reportagen der Fall ist, etwas Sinnliches mitschwingt, was wiederum durch die Haptik des Papiers verstärkt wird“, sagt Puntas Bernet dazu. Oktober 2011 kam das erste Heft auf dem Markt. A5 Format, Leineneinband, keine Fotos.

Im Zeitschriftenregal sticht das Heft durch das unverkennbare Design nach wie vor heraus. Das war damals noch die Zeit, als die Digitalisierung des Journalismus schon voll im Gange war, man von verpassten Chancen für Onlinegeldeinnahmen sprach, erste US-Amerikanische Medien über Paywalls sinnierten und in Massenchören der Abgesang auf Print gepredigt wurde. Und doch wagte Daniel Puntas Bernet den großen Schritt, sich 100-prozentig des Risikos bewusst.

Menschen brauchen Geschichten

„Menschen wollen Geschichten, brauchen sie sogar, und wenn sie gut erzählt sind und berühren, dann funktioniert es“, meint er. Warum es bei anderen Medien nicht funktioniert, kann er nicht eindeutig sagen. „Es steht mir nicht an, Kollegen zu kritisieren. Doch generell stelle ich fest, dass durch die wegbrechenden Ertragsmodelle bei Print und die unsicheren Zeiten von Online der wirtschaftliche Überlebenskampf dominiert und der Journalismus dabei vergessen geht“, so Puntas Bernet.

Das Magazin setzte bedingungslos auf den Journalismus. „Unser Credo ist: Ehrlichkeit, Unabhängigkeit, Empathie, Haltung und keine Kompromisse in der Qualität. Leser spüren das“, sagt Puntas  Bernet. Derzeit weist das Magazin eine gedruckte Auflage von 16.200 Stück aus. Die Hälfte davon wird an Abonnenten verschickt. Ihre Zahl steigt, wie das kleine Medienhaus gerne betont.

Weitere 6.500 Stück werden (laut Mediadaten) im Direktverkauf verkauft. Das bedeutet jedoch nicht, dass die Redaktion in Geld schwimmt. Daniel Puntas  Bernet räumt ein, dass sich das Team nur symbolische Pauschalen auszahlen lässt. Lieber investiere man Geld in „Geschichten, die bleiben“, wie es auf dem Back Cover heißt.

Problemfall Österreich

Lediglich in Österreich hat Reportagen wenig Erfolg. „Wir haben zwar ein paar Abonnenten in Wien und Graz, doch die Anzahl ist verschwindend klein“, sagt Puntas Bernet. Österreich ist eine harte Nuss zu knacken. Vielleicht bevorzugt der österreichische Leser heimische Medien, wie das Datum, das vor Kurzem wieder erschien. Daniel Puntas Bernet wagt eine Hypothese.

„Unter Umständen haben sich Österreichs Leser einfach schon länger von den klassischen Medien ab- und andernorts zugewendet.“ Die Zahlen würden das belegen, denn die Web-Auftritte des Standards und des Kuriers verzeichnen starke Zuwächse. Aber das Schweizer Magazin lässt sich nicht davon entmutigen. Auch wenn sie vermehrt den Druck großer Verlagshäuser spüren, zeigen sie sich für die Zukunft optimistisch. Die nächsten vier Hefte, bis Sommer 2017, sind verplant und gefüllt mit langen Reportagen. 

[Muhamed Beganovic]
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