"Das Leitprinzip heißt Kooperation"
 

"Das Leitprinzip heißt Kooperation"

Wolfgang Bretschko, Vorstand Styria Media Group, im HORIZONT-Interview.

HORIZONT: Herr Bretschko, wie ist das Jahr 2012 angelaufen?

Wolfgang Bretschko: Das Jahr ist verhalten angelaufen. Der März war aber gut, sodass wir das erste Quartal schön abschließen konnten. Man sieht, dass der klassische Anzeigenumsatz eher stagniert. Online aber zeigt ein deutliches Wachstum - sowohl bei den News- als auch bei den Classified Portalen konnten wir um 20 Prozent steigern.

HORIZONT:
Wie hoch ist der Anteil von Digital am Konzernumsatz?

Bretschko:
Noch viel zu gering. Er liegt unter zehn Prozent, aber wir haben uns ein Ziel von 100 Millionen Euro Digitalumsatz in der Gruppe bis 2015 gesteckt. Das wären dann knapp über 20 Prozent.

HORIZONT: Auf welchen Füßen soll diese Offensive ruhen?

Bretschko: Die eine Säule sind Marktplätze, also transaktionsorientiertes Geschäft wie willhaben.at oder njuskalo.hr in Zagreb und Slowenien. Wir wollen investieren und neue Portale launchen. Für September steht ein neues Portal in einem ähnlichen Umfeld für Österreich am Plan. Der zweite Bereich sind Content- und Communityservices, also Newsportale oder ichkoche.at - alles was stark contentorientiert ist. Hier wollen wir rund um die Kernangebote zusätzliche analoge Ideen umsetzen.

HORIZONT: Diese Portale sind ausschließlich werbefinanziert? Oder gibt es Versuche in Richtung Paid Content?

Bretschko: Diese Services sind schwerpunktmäßig über Werbung finanziert, aber es wird Versuche geben in Richtung Paid Content. Es sollen auch über das klassische Mediengeschäft hinaus Angebote gestrickt werden. Um ein Beispiel zu geben: Wir planen mit ichkoche.at Kochkurse anzubieten, von diesen sollen Videoinhalte produziert oder Bücher herausgegeben werden. Das heißt es gibt einen zentralen digitalen Hub und um das Leitmedium herum bauen wir interaktive Angebote im E-Commerce-Bereich auf.

HORIZONT: Glauben Sie, dass mit Journalismus im Netz jemals zu refinanzieren sein wird?

Bretschko: Ja. Wir vergebühren schon jetzt Die-Presse-App, machen mit dem Wirtschaftsblatt Umsätze und auch die iPad-App der Kleinen Zeitung wird  in ein Bezahlmodell umgewandelt. Wir gehen davon aus, dass man mit intelligenten Pricing-Modellen auch im Netz Geld verdienen kann. Wir sind  sehr optimistisch.

HORIZONT: Beim Wirtschaftblatt gibt es konkrete Erfahrungen mit Paid Content für eine klar definierte Zielgruppe, aber ich höre heraus, dass Sie auch bei General Interest Medien den Zug noch nicht abgefahren sehen?

Bretschko: Wir sind erst am Beginn. Ich glaube auch, dass Tablets noch viele Chancen bieten. Man braucht starke Marken, wie das Wirtschaftsblatt, die Presse, die Kleine Zeitung. Rund um starke Marke lässt sich ein ordentliches Produktangebot aufbauen.

HORIZONT: Gibt es internationale Vorbilder bei Verlagen?

Bretschko: Im Digitalbereich stark aufgestellt ist bestimmt unser Partner Schibsted mit dem wir gemeinsam Willhaben besitzen. Ein großer Anteil des Konzerngeschäftes kommt bei Schibsted aus dem Digitalgeschäft. In dieser Hinsicht ist der norwegische Medienhonzern ein Role Model. Beim Thema Pricing und Paid Content ist die NY Times auch ganz gut unterwegs ist. Sie hat sehr viele digitale Abonnenten und intelligente Pricing-Konzepte.. Der Wandel der Medienbranche eröffnet viele Chancen. Wir haben als Mediengruppe im Jahr 2011 eines der besten Ergebnisse geschrieben.

HORIZONT: Sie haben in den letzten Jahren trotzdem intensiv in Print investiert: 2010 entstand G7, die Gratisstadtzeitung, die Kleine Kinderzeitung kam im Vorjahr, gerade ist das Wirtschaftsmagazin Primus gestartet …

Bretschko: Wir setzen auf unsere starken Marken. Und wir bieten unseren Abonnenten mit zusätzlichen Produkten neue Angebote mit der Zielsetzung, dass wir den durchschnittlichen Umsatz pro Abonnent erhöhen. Mit der Kinderzeitung haben wir mit minimalem Marketingaufwand schon innerhalb drei Wochen rund 11.000 Abonnenten gewonnen, das bringt monatlich zusätzlich 4,90 Euro pro Abonnent. Auch hier sind wir interaktiv unterwegs, gehen in Schulen und halten Redaktionskonferenzen ab oder bieten Reportercamps für Kids im Sommer. So lassen sich Zusatzangebote schnüren.

HORIZONT: Als regionales Medium gehen sie zu den Menschen.

Bretschko: Genau und das Konzept der Kinderzeitung haben wir auch anderen österreichischen Medien angeboten. So gibt es eine Kooperation mit den OÖN. Dort läuft das Produkt unter der Marke Kindernachrichten – von uns produziert und mit denselben Inhalten. Wir sind weiterhin auf der Suche nach neuen Ideen dieser Art. Bei zehn Zusatzprodukten gibt es einen schönen Zusatzumsatz.

HORIZONT: Wie sehen die internationalen Expansionsbestrebungen der Styria Gruppe aus? Es gibt derzeit wohl einiges günstig zu kaufen?

Bretschko: Nein, eigentlich gibt es nicht viel günstig zu kaufen. Wir sind aktuell an zwei internationalen Targets dran, eines ist in Slowenien, eines in Serbien, beides würde unser Printportfolio erweitern. Wir sind nach wie vor sehr aktiv in Kroatien mit einer sehr guten Marktposition, weil wir dort mit unseren Tageszeitungen fast eine Reichweite von 60 Prozent insgesamt erreichen. Das sind Vecernji list, Poslovni dnevnik und 24 Sata. Da sind wir Print und Online sehr gut aufgestellt. In Slowenien sind wir mit 25 Prozent an Dnevnik beteiligt und haben die eigene Gratistageszeitung Zurnal24. Auch in Montenegro sind wir vertreten. Aber das ist ein sehr kleines Engagement. Serbien sollte, wenn es realisierbar ist bis zum Jahresende über die Bühne gehen.

HORIZONT: Wieviel trägt das Auslandsgeschäft zum Gesamtergebnis bei?

Bretschko: Es macht ein Drittel aus - das hat sich schön entwickelt.

HORIZONT: Die Regionalmedien Austria sind eine weitere erfolgreiche Kooperation, ein Joint Venture zwischen Moser-Holding und Styria. Da gab es in der Vergangenheit eine große Liebe, dann gab es Knatsch? Wie ist das psychologische Beziehungsgeflecht jetzt?

Bretschko: Das Verhältnis ist ein sehr gutes und sehr partnerschaftliches. Ich selbst hatte immer das Vergnügen, dass ich 50:50-Joint-Ventures zu verantworten hatte. Ich war für das JV mit der holländischen Post Red Mail verantwortlich und das funktionierte sehr gut bis zum Ausstieg der holländischen Post. Ich bin mittelbar verantwortlich für das JV von Willhaben mit Schibsted. Bei dieser Form von JVs muss man gemeinsam Dinge entwickeln und entscheiden und zwar partnerschaftlich. Wenn einem diese 50:50-Sache bewusst ist, dann funktioniert es auch sehr gut.

HORIZONT: Wird es einen neuen Anlauf für ein näheres Zusammenrücken geben?

Bretschko: Wir sind schon näher zusammengerückt mit der Kartellrechtsgenehmigung für die regionalen Monatsmagazine.

HORIZONT: Der nächste Schritt wäre?

Bretschko: Es ist gut, dass wir die Vergangenheit gut und gemeinsam bewältigt haben, und dass wir in den aktuell gemeinsamen Bereichen gut kooperieren. Es gibt sicher viele gemeinsame Interessen und wenn daraus neue Dinge entstehen, sind wir offen.

HORIZONT: Stichwort Kooperationen zwischen österreichischen Verlagshäusern. Gibt es da weitere Vorstöße?

Bretschko: Ich glaube, dass man in Zukunft im Mediengeschäft und insbesondere in einem so kleinen Markt wie Österreich viel stärker kooperieren wird müssen. In der Steiermark und in Kärnten haben wir ein Hauszustellungsnetz, das die Haushalte doppelt beliefert – mit Mediaprintprodukten und unseren. Es gibt in der Steiermark und in Kärnten drei Druckereien – zwei von uns, eine von der Mediaprint. Da bieten sich verstärkt Kooperationen an. In manchen Bereichen wird bereits zusammengearbeitet. Wir haben ein 50:50 Joint Venture mit dem Standard in Wien und Niederösterreich, wo Standard, Presse und Wirtschaftsblatt gemeinsam zugestellt werden, die Selbstbedienungsständer am Sonntag werden gemeinsam bestückt. Das macht Sinn.

HORIZONT: Kürzlich starteten Sie die Initiative Premiumnet im Onlinebereich …

Bretschko: Ja, es ist erstmalig gelungen, dass alle Verlage inklusive Mediaprint und News Verlag, ausgenommen Der Standard, gemeinsam Performance Marketing Produkte auf unseren Premiumportalen verkaufen. Es hat sich einfach gezeigt, dass jeder für sich alleine gegen Google und anderen internationale Player nicht konkurrenzfähig ist. Diese Form der Zusammenarbeit wäre im klassischen Anzeigengeschäft noch undenkbar.

HORIZONT: Es gibt auch von Mediaagenturen Bestrebungen, ähnliches bei Zeitungsanzeigen umzusetzen. Wie stehen sie dem gegenüber, dass Agenturen Inventar vorab kaufen, zu günstigeren Konditionen und die Verleger ein Stück ihrer Preishoheit abgeben? Stichwort Trading.

Bretschko: Wenn die primäre Motivation darin besteht, dem Kunden ein besseres Angebot zu schnüren, dann ist es zu begrüßen. Wenn es zu einem Preiswettbewerb kommt, der eine Spirale nach unten auslöst, muss man dem ganzen kritisch gegenüberstehen.

HORIZONT: Wie passiert es tatsächlich?

Bretschko: Ich befürchte, dass dies eher zu einem Preisverfall führen wird

HORIZONT: In welchen Bereichen wären noch Synergien möglich – intern wir extern?

Bretschko: Intern arbeiten wir stark an mehr Effizienz. Das beginnt damit, dass wir bei Presse, WirtschaftsBlatt und SMM gerade ein gemeinsames CRM-System einführen. Weiters überlegen wir die Callcenteraktivitäten zusammenzulegen. Durch intelligente Zusammenarbeit sind bestimmt weitere Synergien möglich.

HORIZONT: Die Pirker-Ära stand ja eher unter dem Motto der Konkurrenz der einzelnen Geschäftsbereiche untereinander. Hat sich das verändert?

Bretschko: Das hat sich klar verändert. Das Mediengeschäft heute muss man anders betreiben als vor zehn Jahren. Die Styria Media Group ist durch Zukäufe und Launches in den letzen zehn Jahren sehr stark gewachsen und nun geht es darum auf gemeinsame Strukturen und Prozesse zu setzen. Wir setzen auf Kooperation. Im Vorjahr haben wir viele  Initiativen dahingehend forciert. Ein Beispiel: In der ÖWA weisen wir all unsere Medien als Styria Interactive gemeinsam aus.. Im Digitalbereich haben wir ein Traffic-Eco-System gegründet, wo wir uns viel stärker in der Gruppe vernetzen und Know-How austauschen. Auch diese Entwicklung wird von Zusammenarbeit geprägt sein. Das heißt, wenn das Leitprinzip der letzten zehn Jahre, und das war ein gutes Leitprinzip in dieser Ära, auf Konkurrenz ausgerichtet war, dann ist für uns jetzt Kooperation das Handlungsmotiv.

HORIZONT: Fehlt Pirker?

Bretschko: Das müssen andere beantworten.

HORIZONT: Aber Ihr Zeitbudget ist wohl deutlich umfangreicher?

Bretschko: Die Aufgabenstellung ist anspruchsvoller und umfangreicher. Wir sind zu dritt im Vorstand. Klaus Schweighofer kümmert sich um das internationale Geschäft und die Medien in Wien, Presse, Wirtschaftsblatt und Furche, die SMM. Malte von Trotha ist für die finanziellen Belange verantwortlich und ich kümmere mich um die regionalen Aktivitäten, sprich die Kleine Zeitung, die Antenneradios, die RMA und die gesamten Digitalaktivitäten der Gruppe.

HORIZONT: Jedenfalls gilt nun nicht teilen und herrschen, sondern Kuschelkurs. Oder geht es schlicht  darum Geld zu sparen?

Bretschko: Das ist nur eine Komponente. Dem liegen Effizienzüberlegungen zugrunde, das hat aber auch mit dem Ausbau der Schlagkraft am Markt zu tun. Wir investieren auch in eine stärkere digitale Kultur konzernintern. Wenn wir erfolgreich sind durch die Kooperation mit unseren Mitbewerbern, so gilt der Kooperationsgedanke, gemeinsam auftreten und agieren, umso mehr intern.

HORIZONT: Kurz zum Flaggschiff, der Kleinen Zeitung. In der letzten Media-Analyse gab es signifikante Verluste …

Bretschko: Das sehe ich entspannt, denn man muss die Entwicklungen über mehrere Jahre beobachten und da zählt die kleine Zeitung zu den stabilsten Tageszeitungen neben den OÖN. Daher ist so eine singuläre Veränderung eines Wertes weniger dramatisch zu bewerten, noch dazu gab es im Vorjahr einen Peak. Die Hysterie der Veränderungen in der Media-Analyse sollte man etwas gelassener sehen.

HORIZONT: Haben Sie das Herrn Fleischhacker oder Herrn Gasser auch schon mitgeteilt?

Bretschko: Das ist kein Plädoyer, MA-Veränderungen nicht ernst zu nehmen, sondern die Entwicklungen in längeren Zeitperioden zu beobachten. Alles in allem ist die Kleine Zeitung die Cashcow und wir gehen davon aus, dass dies in den nächsten Jahren so bleiben wird.

HORIZONT: Wir sprechen von einem Drittel des Umsatzes?

Bretschko: Nein, weniger – es ist rund ein Viertel.

HORIZONT: Der ostösterreichische Markt ist dicht besetzt – Österreich, Heute, Kurier, Krone, da tut sich etwas. Immer wieder wird gemutmaßt, ob die Kleine Zeitung eine Wien-Offensive wagen könnte. Was meinen Sie dazu?

Bretschko: Ich glaube der Wiener Markt ist vielfach belegt. Ich halte das was in Wien passiert für demokratiepolitisch nicht sehr wünschenswert, aber ob es deshalb wirtschaftlich Sinn machen würde sich hier zu engagieren, wage ich zu bezweifeln.

HORIZONT: Mit demokratiepolitisch meinen Sie die Anzeigen?

Bretschko: Mit Heute und Krone ist ein großer Block im Wesentlichen in Händen von einer Familie, ob das die Medienvielfalt fördert …

HORIZONT: Von diesem Punkt ist es nicht mehr weit zum Medientransparenzgesetz. Sind Sie ein Freund dessen, schließlich hat die Kleine Zeitung auch im Hauptgebiet viele Kunden der öffentlichen Hand? Die öffentliche Hand wird wohl etwas zurückhaltender agieren mit Werbeausgaben …

Bretschko: Das Gesetz  wird vielleicht nicht der Weisheit letzter Schluss sein, aber es ist doch ein erster Schritt in Richtung mehr Transparenz und einer sauberen Vergabe öffentlicher Gelder. Im Wesentlichen ist das öffentliche Geld unser aller Steuergeld und das sollte nicht nach Gutsherrenart unter der Hand vergeben werden. Dafür muss man als Medienunternehmen sein, auch wenn man möglicherweise als Medienunternehmen in der einen oder anderen Art negativ betroffen sein wird. Die andere Dimension ist: Man sollte als Medienunternehmen sowieso nie von der Politik abhängig sein.

HORIZONT: .. sondern umgekehrt …

Bretschko: … weder noch. Die Unsitten, die in Österreich um sich gegriffen haben halte ich für schlecht. Eine entwickelte Demokratie braucht eine gesunde Distanz zwischen Medien und Politik und sie braucht Medien- und Meinungsvielfalt. Der Kuschelkurs und die Verhaberung, die es da teilweise gibt, ist schlecht.

HORIZONT: Sie stehen also voll hinter dem Gesetz und zählen nicht zu jenen, die hinter vorgehaltener Hand dann doch meinen, so ein Schwachsinn.

Bretschko: Genau. Auch bei uns im Haus gab es unterschiedliche Meinungen und mancher meinte, das könnte uns etwas kosten, aber wenn es so ist, dann werden wir das aushalten. . Nun könnte man meinen wir hätten es leichter, weil wir einen Eigentümer haben, der nicht  Shareholder Value getrieben ist, aber man muss zu Grundwerten stehen und damit zu einem transparenten Umgang mit Fördergeldern.

HORIZONT: Über die Presse haben wir noch nicht gesprochen …

Bretschko: Ich halte die Entwicklung der Presse für sehr gut. Lange haben wir nichts verdient, aber jetzt verdienen wir mit der gesamten Gruppe Geld: Die Presse ist wirtschaftlich erfolgreich und das sollte ein Medium sein. Die Gruppe generiert  Gewinne und das nun im zweiten Jahr. Die Presse am Sonntag war eine mutige Entscheidung im Jahr der Krise 2009. Die PamS war und ist der richtige strategische Zug und davon hat das Medium sehr profitiert. Das hat die Presse in eine neue Position gebracht.

HORIZONT: Wie zufrieden sind Sie mit der Magazingruppe Styria Multi Media?

Bretschko: Sie entwickelt sich sehr gut, hat ein sehr gutes Jahr 2011 hingelegt und hat es geschafft die  Positionen am Lesermarkt deutlich auszubauen. In der Media-Analyse sieht man, dass sich alle Titel gut gehalten oder zugelegt haben. Auch die abonnierte Auflage wurde gesteigert, was sich in einer positiven Umsatzentwicklung bemerkbar macht.

HORIZONT: Der Verlag galt eine zeitlang als tickende Zeitbombe …

Bretschko: Bei der Styria Multi Media entstand aus einem hässlichen Entlein, eine schöne Magazingeschichte. 2009 schaffte die SMM den Turnaround, 2010 war ein gutes Jahr und 2011 war wieder sehr gut, auch jetzt das erste Quartal. Es gibt ein schönes Umsatzwachstum.

HORIZONT: Der große Mitbewerber der SMM musste einen empfindlichen Imageverlust hinnehmen, wie haben sie diese Affäre wahrgenommen?

Bretschko: Erstens muss ich dazu sagen, dass ich die Entscheidung die Affäre transparent zu machen, bewundert habe.

HORIZONT: Allerdings wurde zum Beispiel nicht offen gelegt wer die Zuständigen sind …

Bretschko:  Die andere Dimension ist, wie diese Thematik in der ÖAK behandelt wird. . Die Diskussion in der ÖAK ist interessant verlaufen,  die Verlagsgruppe News hat  über Jahre falsche Zahlen gemeldet, und nun sollen die Spielregeln für alle, die sich daran gehalten haben verändert werden. Und die Verlagsgruppe News hat mit keinen Konsequenzen zu rechnen.

HORIZONT: Wird die ÖAK das überstehen?

Bretschko: Ja, wird Sie sicher. Sie ist ein wichtiges Instrument und es braucht transparente Zahlen. Die Zeiten, wo man mit getürkten Auflagen agieren kann, sollten schon lange der Vergangenheit angehören. Die ÖAK ist ein lebendes System, ihre Grenzen werden immer wieder neu ausgelotet, es gibt immer wieder neue Spielregeln. Nur weil einer sich über Jahre nicht an Regeln gehalten hat über das Bestehen der ÖAK zu diskutieren erscheint mir seltsam.

HORIZONT: Wie sieht es mit ihren Plänen für das Styria-Haus in Graz aus?

Bretschko: Das neue Headquarter in Graz beschäftigt uns schon länger. Nach unserer aktuellen Planung werden wir im Herbst zu bauen beginnen und dann soll es noch einmal 18 Monate dauern, also bis Ende 2014. Der Standort ist nahe der Grazer Messe, also nahe der Innenstadt, aber auch nahe der Autobahnauffahrt. Das ist optimal.

HORIZONT: Abschließend, wie wird 2012 weitergehen?

Bretschko: Das ist immer schwierig, weil die Entwicklungen immer kurzfristiger werden und sich alles dementsprechend von Monat zu Monat drehen kann. Aber wir hatten ein sehr starkes erstes Halbjahr 2011 und ein schwächeres zweites Halbjahr 2011. Insofern glaube ich, nachdem das erste Quartal zufrieden stellend verlaufen ist, dass das zweite Halbjahr 2012 besser werden könnte als das 2. Halbjahr 2011. Die Stimmung ist ja … (überlegt) Wie ist die Stimmung? … Ja, nicht so schlecht. Es gab einen hohen Grad an Unsicherheit im November. Nach der 47. Rettung des Euro ist man draufgekommen, dass es ihn immer noch gibt und Griechenland ist bereits 15 Mal Bankrott gegangen und die Welt ist nicht untergegangen. Eine gewisse Ruhe und Zuversicht, dass man alles wirtschaftlich wieder in den Griff bekommen wird ist wieder eingekehrt. Insofern bin ich nicht sehr pessimistisch … oder drehen wir es um, sehr optimistisch, weil ich glaube, dass es ein ganz gutes Jahr werden kann.
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