,Das Lebenselixier für Free TV‘
 

,Das Lebenselixier für Free TV‘

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TV- und Online-Bewegtbild-Vermarkter IP Österreich präsentierte ‚Season 2013/2014‘

Seit April 2013 ist Walter Zinggl Geschäftsführer des TV-, Online- (Bewegtbild) und Kino-Vermarkters IP-­Österreich; bereits vor Jahresfrist im Juni bat der damals noch frischgebackene IP-Geschäftsführer in die Wiener Stallburg zum Sommerfest. 17 Monate später findet das Event „IP Österreich Programmpräsentation und Sommerfest“ in Hofburg und Stallburg statt, und Zinggl lässt es sich nicht nehmen, bei der Begrüßung den klassischen „Zweispitz“ des Lipizzaner-Bereiters selbst in die Hand zu nehmen: Zinggl hat eine Vergangenheit als Dressur­reiter (und auch, das sei ergänzt, als ­Kapellmeister und Arrangeur). Dieser einen leidenschaftlichen Vergangenheit erweist Zinggl vor gut 700 Gästen – und huldvollem Winken von Hausherrin Elisabeth Gürtler – in der Hofreitschule kurz und innig seine Reverenz.

An diesem 2. September stellt der Vermarktungsschef der Sender der RTL Group in Österreich (und des Pay-Angebots von Sky) sowie deren Online-Bewegtbildangeboten und Mandanten wie oe.24.at oder krone.at gemeinsam mit den Programmchefs der vier Sender aus der RTL Group ganz speziell für die österreichische Marketing- und Werbeszene die Programmhighlights für die Season 2013/2014 vor: Und die steht – in Variationen – im Zeichen von „Unverwechselbarkeit“ mit Eigenproduktionen, „Exklusivität“ von Serien und Spielfilmen und „Eventisierung“ mit Shows und (im Falle RTL) der Triade Formel1, Klitschko-Boxen und neuerdings der EM-Qualifikation des deutschen Fußballweltmeisters (erstes Spiel am 7. September – siehe dazu das RTL-Programm und auch HORIZONT 30/2014).

Credo: Lineares TV

Ein Erfolgsfaktor für TV sei die Verbreitung über alle Kanäle, und ja, auch in Österreich komme das Wachstum an Sehern/Nutzern wie Werbeeinnahmen aus der Multiscreen-Welt. Aber, erläutert Zinggl die „Pyramide der Bewegtbildkonfiguration“: Gut zwei Drittel machten der Empfang des linear ausgestrahlten TV-Bildes aus – auch, unterstreicht er, bei jungen Zielgruppen, die zeitgleich zum linearen TV auch einen Second Screen nutzen. Das restliche Pyramidendrittel teilen sich Video on Demand als zeitversetzte Abrufe von Senderinhalten via Plattformen wie RTLnow und sonstige Bewegtbildplattformen –, die jedoch überwiegend wiederum mit TV-Content gespeist seien. „Wir glauben an die unge­brochene Kraft und Attraktivität des ­linearen Fernsehens“, gibt Zinggl zu Protokoll – und an dessen „Multiscreen-Ausspielung wie Vermarktung über alle Plattformen, stationär wie mobil“.

Im HORIZONT-Gespräch wird Zinggl das seit Öffnung der Werbefenster durch RTL/IP am 1. April 1994 geübte Credo „Eigenes Österreich-Programm rechnet sich – noch – nicht“ wiederholen: Mit RTL, RTL II, Vox, Super RTL und dem Pay-Angebot von Sky hat IP Österreich laut Focus einen Brutto-Werbeumsatz von rund 210 Millionen Euro im Jahr 2013 eingefahren; 2014 erwartet Zinggl über zehn Prozent Plus im linearen Fernsehen, Online-Bewegtbildvermarktung soll dann knapp zehn Prozent des Netto-Volumens ausmachen. (Damit dürfte der Nettoumsatz der IP zwar hinter SevenOneMedia, aber „auf Augenhöhe“ mit dem ORF-TV von knapp über 110 Millionen Euro netto liegen, Anm.) Werbefenster für weitere Sender aus der RTL-Familie – beispielsweise n-tv oder RTL Nitro – will Zinggl in absehbarer Zukunft nicht ausschließen: „Wenn es sich rechnet!“

Freudiger Blick gen Süden

Claude Schmit ist Chef des definierten Kindersenders Super RTL für Drei- bis Elfjährige, und der Blick auf Österreich stimmt Schmit richtig gut gelaunt: 26,6 Prozent Marktanteil in der Zielgruppe überragt KiKa, Nickelodeon und den neuen Disney Channel „Toggolino“; das Programm für die Kleinsten erzielt in Österreich eine wöchentliche kumulierte Nettoreichweite von 68 Prozent. Dreamworks ist nach Disney der neue Content-Lieferant, das Animations-Angebot wird erweitert und die Eigenproduktionen am Vorabend differenziert. Und am Wochenend-Abend gehört das Programm mit Comedy und Drama einem weiblichen Zielpublikum.

Neidig auf RTL II?

Andreas Bartl war zwölf Jahre lang bei ProSiebenSat.1 und heuerte erst im Mai 2014 bei RTL II in München an – „Ich habe da immer mit einem gewissen Neid auf RTL II geschaut, das war immer ein sehr unangenehmer Gegner“, erinnert sich Bartl an seine Zeit als Programmverantwortlicher beim Konkurrenten aus der dritten TV-Generation, kabel eins. RTL II (Claim: „It’s fun“) steht vor allem, unterstreicht Bartl, für Programminnovationen und Experimente – „Big Brother“ wurde von RTL II ins deutschsprachige TV gebracht, die Doku-Soaps „Berlin Tag & Nacht“ und „Köln 50667“ seien weitere Beispiele. „Uns ist wichtig, dass unsere Formate echte Menschen zeigen und emotional berühren“ sagt Bartl. Highlight in der kommenden Season: die neue Staffel von „Game of Thrones“, der gegenwärtig weltweit erfolgreichsten TV-Serie.

,Eine wunderschöne Zeit‘

Andreas Gabalier sagt in einer Einspielung artig „Danke“ – denn seinen Durchbruch im deutschen Markt verdankt der „Volks-Rock’n’Roller“ wohl nicht zuletzt seinem Auftritt bei „Sing my Song“ auf Vox. Bernd Reichart ist an Jahren der jüngste Programmchef in der RTL-Gruppe, seine Programme sind die „frischesten“: „70 Prozent unserer Sendungen sind Eigenproduktionen.“ Ein eigenwilliges Highlight: Daniela Katzenberger (Reichart: „Spricht schneller als sie denkt“) geht weltweit auf „die Suche nach Schönheit“.

,Schaut euch Niki Lauda an!‘

RTL-Senderchef Frank Hoffmann konzentriert sich auf die Themen Sport („Schaut euch doch in Österreich Formel-1-Experte Niki Lauda auf RTL an!“), Journalistisches („Wir wollen Themen setzen“), subversive Comedy-Formate von Andreas Barth oder Kaya, die neue „Daytime“ mit Live-Formaten wie „Bei Anruf Liebe“, schließlich Event-Movies wie „Götz von Berli­chingen“, oder „Deutschland!“ und schließlich die erst letzte Woche gestartete interaktive Live-Show „Rising Star“ (bis zu zwei Millionen Menschen voteten im deutschsprachigen Raum via App mit). „Eventisierung“ des (linearen) Fernsehens ist, sagt Hoffmann, „das Lebenselixier für Free TV in der Zukunft“. Applaus, und Party mit Riesenrad.

Dieser Artikel erschien bereits am 5. September in der HORIZONT-Printausgabe 36/2014. Hier geht's zur Abo-Bestellung.
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