,Das ist die wahre Sensation!´
 

,Das ist die wahre Sensation!´

Reinhold Gmeinbauer, CEO „Die Presse“ Holding, meldet im HORIZONT-Interview ein EGT „im siebenstelligen Bereich“ für 2010: Ein Rekordergebnis für „Die Presse“.

HORIZONT: Wie erging es der Printausgabe „Die Presse“ im Jahr 2010 – Ende Februar werden ja die von Euch gemeldeten Zahlen in der ÖAK veröffentlicht?  

Reinhold Gmeinbauer: Ohne der ÖAK vorgreifen zu wollen: Der Sonntag ist super! „Die Presse am Sonntag“ hat sich über alle Erwartungen etabliert: Die Zahlen sind in allen Kategorien deutlich besser als im Vorjahr, das ja auch das erste Jahr war. Das betrifft nicht nur die Verkaufszahlen für Abo und im Einzelverkauf, sondern insbesondere auch die Anzeigenumsätze. Wir stehen jetzt bei rund 40.000 bezahlten Abos, inklusive den SB-Ständern setzen wir 100.000 Exemplare jeden Sonntag ab – das ist schon sehr beachtlich.  

HORIZONT: Wie geht es der Samstag-Ausgabe, die seit Start der „Presse am Sonntag“ nicht mehr im SB erhältlich vulgo entnehmbar ist?  

Gmeinbauer: Die Verkaufszahlen der Samstag-Ausgabe sind auch 2010 stabil geblieben. Was nicht stabil geblieben ist im letzten Jahr ist der Einzelverkauf – aber das betrifft nicht nur ,Die Presse´. Es geht eindeutig in Richtung Abonnenten-Akquisition, und da legen wir konstant zu.  

HORIZONT: Stichwort Geld: Medienbeobachter Focus erhebt für die Tageszeitungen im klassischen Bereich ein nominelles Plus von rund neun Prozent – wie hat sich der Anzeigenmarkt für „Die Presse“ 2010 entwickelt?  

Gmeinbauer: Wir liegen 2010 deutlich über den Zahlen von 2009. Vor allem der Automobilsektor und auch der Luxus-Bereich haben wieder angezogen. Der Finanzbereich schwächelt leider noch immer, könnte besser sein – aber das ist ein sehr sensibler, für uns allerdings sehr wichtiger Bereich. Insgesamt haben wir ein Plus von in etwa fünf Prozent verzeichnet.  

HORIZONT: Und im Rubriken-Bereich – Immobilien, Stellenmarkt?  

Gmeinbauer: Beide Bereiche haben sich gut entwickelt und sind gestiegen.  

HORIZONT: Ihre Prognose für 2011?  

Gmeinbauer: Wir haben für 2011 unsere Preise moderat, innerhalb der Inflationsrate von 1,5 Prozent, angepasst. Ich glaube, 2011 wird nach wie vor ein herausforderndes Jahr im Anzeigenbereich sein. Heuer sind keine Wahlen, daher wird das Anzeigenaufkommen insgesamt aus dem öffentlichen Bereich geringer ausfallen. Nichts desto trotz haben wir eine Steigerung von acht Prozent im Budget eingeplant.  

HORIZONT: Wie wird das erste Quartal?
 

Gmeinbauer: Für das erste Quartal ist es noch zu früh valide Prognosen abzugeben. Jänner/Februar liegen etwa auf Niveau 2010, entscheidend wird der März, der eine sehr gute Vorbuchungslage aufweist. Geht man nach den großen Medienagenturen, wird 2011 sicher ein besseres Jahr als 2010. 

HORIZONT: Das gilt auch für Online?  

Gmeinbauer: Der digitale Markt wächst naturgemäß starker, da dieser ja auch kleiner als der Print-Markt ist. Hier haben wir Zuwachsraten im zweistelligen Prozentbereich. Kritisch sehe ich hier nur, dass gerade ORF Digital die Preise massiv senkt und andere Marktbegleiter auch folgen. Keine Ahnung, was damit bezweckt wird. Schuld daran ist sicherlich das neue ORF-Gesetz. Nur wohin führt das, wenn der Marktführer das Signal gibt, dass unsere digitalen Produkte nicht mehr den Wert haben wie früher?  

HORIZONT: Wie verhält sich das Volumen Print zu Online bei der Presse?  

Gmeinbauer: Online wird in etwa acht Prozent Werbeumsatz-Anteil haben.  

HORIZONT: Wer ist nach dem Wechsel von Sylvia Dellantonio, die bis Oktober für DiePresse.com zuständig war, und zu willhaben.at gewechselt hat, für das Newsportal der „Presse“ verantwortlich?  

Gmeinbauer: Nach wie vor der  Hauptgeschäftsführer der „Presse“-Digital ist Peter Krotky und ich wirke als Co-Geschäftsführer. Ich habe nach dem Wechsel von Sylvia Dellantonio sehr gerne diese Verantwortung dazugenommen - auch weil ich in diese digitale Welt selbst noch mehr eintauchen will. Aber auch, um Digital einen Stellenwert zu geben, indem der CEO des Hauses auch der Geschäftsführer der „Presse“ -Digital ist. ,Die Presse´ ist ja nicht nur eine Zeitung, die auf Papier erscheint, sondern ,Die Presse´ ist eine Content-Company, die auf unterschiedlichsten Plattformen ihre generierten Texte in unterschiedlichen Formen bespielt. Auf der Printseite haben wir mit Michael Fleischhacker und Herwig Langanger sehr viel bewegt, die Ausgabe ,Die Presse am Sonntag´ läuft über allen Erwartungen gut. Digital haben wir mit den Umsetzungen für das iPhone, iPod Touch und iPad eine nicht nur von den Usern gelobte Applikation entwickelt – auch der Mitbewerb anerkennt, dass uns da etwas gelungen ist. Da ist uns ein Wurf gelungen. Nach meinem Verständnis steht ,Die Presse´ heute für eine Content-Company, die bei den technischen Neuentwicklungen immer vorne dabei sein will und muss.  

HORIZONT: DiePresse.com bleibt eigenvermarktet oder spielt da die Interactive Agency (die Styria-Online-Vermarktungs-Tochter) eine Rolle?  

Gmeinbauer: DiePresse.com bleibt eigenvermarktet. Alles, was wir in der „Presse“-Holding machen, müssen wir auch selbst vermarkten. Wir sind natürlich bei Produkten wie dem ,Run-over-Styria´ und „Run-over-News-Channel“ Paket der Interactive Agency dabei. Aber die Hauptvermarktung liegt bei uns.  

HORIZONT: DiePresse.com ist auch im Premiummarken-Paket samt orf.at dabei…?  

Gmeinbauer: Ich halte das für ein interessantes Projekt. Und es war klar, dass DiePresse.com, wenn es um Premiummarken geht, auch dabei ist. Was die Vermarktungschancen angeht, bin ich allerdings skeptisch. Das Premium-Marken-Angebot ist natürlich ein sehr hochpreisiges, was den Preis angeht. Daran ändert auch der günstige TKP nichts. Eventuell müssen wir in dieser Hinsicht nachjustieren.  

HORIZONT: Zurück zur mobilen Applikation: DiePresse.com ist ja als Applikation sowohl für iPhone, iPad und iPod Touch – also die Apple-Welt- sowie Smartphones mit der mobilen Version konzipiert. Das ist seit Oktober am Markt wie läuft es?  

Gmeinbauer: Derzeit haben wir über 76.000 Downloads. Das ist schon sehr bemerkenswert. Ich kann unserem Entwickler und dem technischen Support – die Nous Knowledge Company – nur gratulieren! Die Nutzung der App liegt in etwa 50 zu 50 zwischen iPad und iPhone und wir halten derzeit bei knapp 44.000 Unique Visitors und 4,5 Millionen Page Impressions im Monat.  

HORIZONT: Wie sieht die Monetarisierung aus?  

Gmeinbauer: Da sammeln wir Erfahrungswerte, aber eines wollen wir auf jeden Fall: Nach beiden Seiten vermarkten, also sowohl zum Leser beziehungsweise User und zur Werbewirtschaft.  

HORIZONT: Zurück in die reale Welt: Hier in der Hainburger Straße im Foyer bei der Anmeldung steht ein dunkelblauer metallener Zeitungsspender, aus dem man – wie etwa in Deutschland oder den USA – nur gegen den Einwurf von Münzen Zeitungen entnehmen kann. Ein Projekt?  

Gmeinbauer: Die Tragödie ist, dass es leider kein Projekt ist. Was bei uns im Foyer steht, ist ein Prototyp, leider nicht für die österreichische Wirklichkeit bestimmt.  

HORIZONT: Wann kommt die Styria-Schwester „WirtschaftsBlatt“ in die Hainburgerstraße?  

Gmeinbauer: Die Kollegen werden am 1. August hierher in die Hainburgerstraße übersiedeln.  

HORIZONT: Ist noch mehr Kooperation angepeilt?  

Gmeinbauer: Das ,profil´ sitzt auch in diesem Haus und wir machen nichts gemeinsam. Natürlich werden wir prüfen, ob es Kooperationsmöglichkeiten gibt. Wir haben ja heute schon eine gemeinsame Firma – 75 Prozent ,Die Presse´, 25 Prozent ,WirtschaftsBlatt´ – wo wir den Vertrieb und Service Center abwickeln. In redaktioneller Hinsicht ist eine Zusammenarbeit ausgeschlossen.  

HORIZONT: Es gibt auch Anzeigen-Kombis mit dem ,WirtschaftsBlatt´…  

Gmeinbauer: Ja, das funktioniert gut. Wir haben das im Gewerbe-Bereich im Immobilienmarkt und im Executive-Bereich im Stellenmarkt angeboten. Dort also, wo es wirklich Sinn macht, wobei das auf diese beiden Bereiche beschränkt bleibt. Im klassischen Anzeigenbereich würden wir das nicht machen.

HORIZONT: "Die Presse" hat dem Verein Media-Analyse ein umfangreiches Frage- beziehungsweise Lastenheft vor über einem Jahr vorgelegt – da ging es um unterschiedliche Aspekte der Erhebungsmethodik – finden Sie Gehör?  

Gmeinbauer: Dazu will ich weiter nichts sagen – der Verein MA ist sehr konstant, es hat sich nichts verändert. Vielleicht ergibt sich ja rund um das Projekt Media Server die eine oder andere Veränderung. Für uns zählt ja vor allem, wer unsere Leser sind, welche Affinitäten sie haben, in welchen Milieus sie sich bewegen. Die reinen Reichweitenzahlen sind eher für Massenmedien wichtig – weniger für uns. Alles, was uns diese Qualitäten unserer Leser besser darstellen lässt, werden wir natürlich unterstützen beziehungsweise zur Diskussion stellen. Daher ist für uns das Reichweitenthema eigentlich eher zweitrangig.  

HORIZONT: Seit September läuft die neue Werbekampagne…  

Gmeinbauer:
Das ist ein schönes Konzept, das mir immer besser gefällt und sich auch weiterentwickelt. Die Agentur (seso, Anm.) reagiert sehr schnell auf aktuelle Themen (zB: „Nie mehr supernackt. DiePresse.com“) und arbeitet äußerst gut mit unserer Marketingabteilung zusammen.

HORIZONT: Der ,Presse´ geht´s also gut?  

Gmeinbauer: Sogar sehr gut. ,Die Presse´ Holding weist für 2010 ein Plus im siebenstelligen Bereich aus, wobei sämtliche Aktivitäten (Investitionen rund um den Sonntag, digitaler Bereich etc.) miteingenommen sind. Das ist die wahre Sensation.  

HORIZONT: Das ist inklusive der Presseförderung?  

Gmeinbauer: Die ist natürlich im Ergebnis enthalten. „Die Presse“-Gruppe war zum ersten Mal 2007 im Plus und ist durch die Wirtschaftskrise 2008 und durch die Gründung der „Presse am Sonntag“ 2009 wieder ins Minus gerutscht. Auch für 2010 hatten wir noch ein negatives Ergebnis geplant, was sich jedoch ohne Personalabbau in ein ordentliches Plus verkehrt hat. Maßgeblich dafür verantwortlich ist auch „Die Presse am Sonntag“, da es uns immer besser gelingt, sowohl die Leser- als auch die Werbeseite zu monetarisieren.  

HORIZONT: Zum Abschluss: Wie geht es dem Buchautor Reinhold Gmeinbauer ein knappes halbes Jahr nach Veröffentlichung des „Best-Seller“ – wie ist die Resonanz?  

Gmeinbauer:
Es ist eine hochspannende Erfahrung für mich, dass so viele Menschen auf das Buch reagieren. Ich habe eine ganz wunderbare Resonanz, die durchaus sehr offen ist.  Ich selbst habe in meinem Buch ja auch sehr persönliche Erfahrungen  preis gegeben und die Leser reagieren darauf ebenso. Viele wollen mit mir persönlich diskutieren.    

HORIZONT: Gibt´s Verkaufszahlen?  

Gmeinbauer: Die Erstauflage waren 5.000 Exemplare. Meines Wissens gibt es nicht mehr viele davon, was mich natürlich auch sehr freut.  
stats