Das Geschäft mit den Eigenproduktionen
 

Das Geschäft mit den Eigenproduktionen

ORF/Thomas Ramstorfer
Ende 2017 kommt bereits die dritte Staffel der ORF-Eigenproduktion „Vorstadtweiber“ ins TV.
Ende 2017 kommt bereits die dritte Staffel der ORF-Eigenproduktion „Vorstadtweiber“ ins TV.

Heimische Sender investieren kräftig in die Produktion eigener Sendungen – die bereichern nicht nur das Programm, sondern werden auch international verkauft.

Eigenproduzierte Formate stehen bei TV-Sendern hoch im Kurs. Vorbilder für Erfolgsgeschichten aus den USA – von Game of Thrones von HBO bis House of Cards von Netflix – untermauern das Potenzial. So wird auch hierzulande kräftig in eigene Formate – sowohl im fiktionalen, als auch im Non-Fiction-Bereich – investiert. Eigenproduktionen stellen dabei aber nicht nur einen gewichtigen Anteil im Programm dar, sondern bieten den Sendern auch Potenzial als zusätzliche Einnahmequelle. Jährlich investiert der ORF 100 Millionen Euro in den Film- und Produktionsstandort Österreich.

2015 sendete das ORF-Fernsehen 13.574 Stunden eigenproduziertes Programm. Für heuer erstellte Generaldirektor Alexander Wrabetz die Vorgabe, weniger US-Kaufserien und Filme zu senden – eigenproduzierte Formate könnten diese ersetzen. Bei PULS 4 beträgt der Anteil an Eigenproduktionen zurzeit 25 bis 30 Prozent, beim finanzkräftigen Red-Bull-Sender Servus TV sollen es im Jahr 2017 sogar satte 70 Prozent sein. In Kürze möchte auch Abo-TV-Anbieter Sky Deutschland mit eigenen Produktionen bei den Zuschauern punkten. Auch bei ATV spielen Eigenproduktionen eine gewichtige Rolle im Programmschema.

Weltweiter Lizenzhandel

Neben dem Mehrwert für die Seher wird aber in solche Formate nicht nur Geld investiert, sondern auch Geld damit gemacht. Jährlich treffen sich die wichtigsten Unternehmen der Branche auf der globalen Fernsehmesse MIPCOM, die im Oktober in Cannes stattfindet, um sich die spannendsten TV-Lizenzen des weltweiten Marktes zu sichern sowie eigene Produktionen weiterzuverkaufen. Vertreten sind dort alle großen Namen und Rechteinhaber wie Fox, HBO, BBC, CBS oder Netflix, aber auch das ZDF und der ORF.

Der Öffentlich-Rechtliche verkauft seine Eigen- und Coproduktionen erfolgreich ins Ausland weiter – ein kurzer Auszug, wobei dabei keine Lizenz-Verkaufssummen und damit keine Erlöse genannt werden: Die ORF-Serie „Braunschlag“ erfährt demnächst ein Remake vom US-Sender ABC, die beiden Serien „Schnell Ermittelt“ und „Soko Kitzbühel“ erwiesen sich als Exporterfolge in zahlreichen Länder, darunter Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Slowakei und Tschechien.

Bei der MIPCOM 2016 verkaufte der ORF mehr als 30 Produktionen an Amazon Prime für die Ausstrahlung in den USA, Japan und Großbritannien, wobei neben zahlreichen Universum-Produktionen auch Titel zu Wissenschaft, Technologie, Weltpolitik und aktuellem Geschehen im Paket inkludiert sind. Zudem feiert das Porträt „Maximilian von Mexiko“ seine US-Premiere im Smithsonian Channel. Demnächst wird RTL Deutschland die Serie „GartenKULT“ ausstrahlen und sicherte sich „Vier Frauen und ein Todesfall“. Wie zuvor schon die ORF-Serie „Altes Geld“, ist seit kurzem auch die ORF-Erfolgsserie „Vorstadtweiber“ an Netflix lizenziert worden.

PULS 4 will Verkäufe

forcierenBei PULS 4 war der Verkauf von Lizenzen auf Nachfrage von HORIZONT bisher noch kein großes Thema, das könnte sich jedoch bald ändern: „Es geht uns nicht primär darum, Inhalte zu schaffen, um sie zu verkaufen. Künftig wollen wir uns da aber, aufgrund des Erfolges, mehr einbringen“, meint Senderchef Johannes Kampel. Beim heimischen Privat-TV-Sender sorgen circa hundert Mitarbeiter dafür, dass eigene Inhalte kreiert werden. „Eigenproduktionen sind ein absoluter Fokus von uns.

Als lokaler Sender wollen wir österreichische Inhalte am besten über eigene Sendungen sichtbar machen“, erklärt Kampel und verweist auch auf den Erfolg der Formate: „Es passt natürlich auch quotentechnisch. Erst letztes Jahr konnten zum Beispiel bei der Sendung ‚Wer wird Präsident‘ in der Spitze bis zu 500.000 Zuschauer erreicht werden.“

Drei eigene Serien von Sky

Sky Deutschland – früher im Bereich Fiction vorrangig für Lizenzeinkäufe bekannt, investiert mittlerweile ebenfalls in eigene TV-Produktionen, genauer gesagt in drei Serien-Formate: „Babylon Berlin“ entsteht in gemeinsamer Produktion von X Filme Creative Pool, ARD, Sky und Beta Film und wird am 13. Oktober 2017 anlaufen. Gedreht wurde die Serie, die zwei Staffeln mit je acht Folgen umfasst, von Mai bis Dezember 2016 in Berlin.Für das zweite Serien-Projekt „Das Boot“ arbeitet Sky mit Bavaria Film zusammen.

Die Serie knüpft an die Ereignisse des gleichnamigen Kinofilms von 1981 an und blickt auf den U-Boot-Krieg der 1940er-Jahre. Es geht um blinden Fanatismus, der junge Männer in einen sinnlosen Krieg treibt. 2018 sollen acht Folgen ausgestrahlt werden. Gemeinsam mit der Münchner Produktionsfirma Neuesuper entwickelt Sky aktuell noch eine neue Eigenproduktion: Mit „Acht Tage“ entsteht eine Drama­serie, die von den vermeintlich letzten acht Tagen der Menschheit erzählt. Die Produktion ist für Mitte 2017 angedacht, die Erstausstrahlung in Österreich und Deutschland für 2018.

Österreichische Identität

Servus TV legt seinen Programm­fokus ganz klar auf österreichische Eigenproduktionen: Knapp 70 Prozent aller Erstausstrahlungen im Jahr 2017 werden diese ausmachen, heißt es auf HORIZONT-Anfrage. Formate wie „Heimatleuchten“, „Bergwelten“ oder im Unterhaltungsbereich das tägliche Format „Quizmaster“ (das übrigens ab 9. März mit Andi Moravec als neuem Moderator durchstartet), sowie auch die tägliche Nachrichtenschiene mit dem „Servus Journal“ sind nur einige Beispiele.

Neu ab 6. März ist die Sendung „Abenteuer Österreich“, ebenfalls eine österreichische Eigenproduktion, die mit Abenteurern aus dem echten Leben aufwartet – nämlich Bergführern, Gebirgsjägern, Höhlenforschern, Waldarbeitern oder auch Piloten.

Neue ATV-Formate

Bei ATV standen schon seit der Zeit des jetzigen Geschäftsführers Martin Gastinger als Programmchef Eigenproduktionen hoch im Kurs. Das will der Sender auch 2017 forcieren. Bei „Der Speck muss weg“ werden Übergewichtige beim Abnehmen begleitet und in „Manieren statt Blamieren“ zeigen Christoph Fälbl und Andi Moravec, was passiert, wenn die Benimmschule im Alltag versagt. Einstimmung auf die Vorweihnachtszeit gibt es bei „Kekserlzeit – Backen mit den Stars“ und Günther Nussbaum ist in seinem neuen Magazin „Kein Pfusch am Bau“ zu sehen.

„Wirt sucht Frau“ läutet die zweite Staffel ein – in Deutschland hat RTL2 schon lizenziert, aktuell gibt es auch Interessenten aus Schweden, Finnland, Norwegen und der Slowakei. Für Action sollen die neuen Formate „Die Flugretter“, „Die Kriminalpolizei“ und „Bereitschaftspolizei“ sorgen. Welche Formate davon international Anklang finden, wird unter anderem die nächste MIPCOM im Oktober zeigen. Auch der Öffentlich-Rechtliche plant neue Sendungen sowie Fortsetzungen seiner Eigenproduktionen.

Neue Highlights sind zum Beispiel der Event-Dreiteiler „Maximilian“, neue Universum-Premieren wie der Zweiteiler „Wildes Österreich – Unter Wasser“; aber auch die bereits dritte Staffel von „Vorstadtweiber“, die regelmäßig für starke Quoten sorgt. Auch „DOKeins“ als Teil der eigenproduzierten Infoschiene plant für 2017 acht Reportagen mit Frontmann Hanno Settele.
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