Darum wurde in vielen ORF eins-Fanarenen das ...
 

Darum wurde in vielen ORF eins-Fanarenen das Deutschland-Spiel von ATV gezeigt

ORF/Roman Zach-Kiesling
Public-Viewing wird nicht mit in die offizielle Teletest-Reichweitenerhebung einbezogen.
Public-Viewing wird nicht mit in die offizielle Teletest-Reichweitenerhebung einbezogen.

Viele Menschen, die sich am Dienstag an offiziellen Public-Viewing-Orten aufhielten, dürften sich verwundert die Augen gerieben haben: Ein ATV-Spiel in der ORF eins-Fanarena?

Die Fußball-EM ist in vollem Gange und am heutigen Mittwochabend steht das entscheidende Spiel für Österreich auf dem Programm - gegen Island muss unbedingt ein Sieg her. Am Dienstag haben sich bereits die Deutschen für das Achtelfinale in Frankreich qualifiziert. Die Partie war allerdings nicht im ORF zu sehen, sondern bei ATV. Zur Erinnerung: Weil die letzten Spiele der Gruppenphase immer zeitgleich ausgetragen werden, hat der ORF die Spiele an den Privatsender sublizenziert

ATV hatte damit das auf dem Papier interessantere Match zu bieten: Auch hierzulande schauen sich viele Menschen gerne die deutsche Elf an. So war das Spiel Deutschland gegen Ukraine auch das erste Match im ORF, das es auf mehr als eine Million Zuschauer während dieser EM brachte (HORIZONT berichtete). Das Problem am Dienstag: Der ORF hat insgesamt 370 Public-Viewing-Lizenzen vergeben - und sie alle müssen eigentlich das ORF-Programm ausstrahlen. Die Herrmann Strandbar in Wien etwa kommt sogar als "ORF eins Fanarena" daher. 

Da nun allerdings ATV das attraktivere Match zeigte und die Wirte leere Stühle fürchteten, baten sie den ORF um eine Ausnahme. Und dort gab man dem Anliegen sogar statt: "Wir sind der Bitte vieler Wirte nachgekommen, die lieber das Deutschland-Spiel zeigen wollten", heißt es aus der Pressestelle auf HORIZONT-Nachfrage. Und so kam es dann dazu, dass in den ORF eins-Fanarenen Österreichs das Spiel von ATV zu sehen war. 

ATV erwischt es deutlich besser als Sat.1 in Deutschland

Beim ORF betont man die faire und partnerschaftliche Zusammenarbeit mit den Wirten - aber auch mit ATV. Anders als Sat.1 in Deutschland kann der österreichische Privatsender nämlich wirklich attraktive Parallelspiele zeigen, so etwa das Deutschland-Match oder die Partie Frankreich gegen die Schweiz am vergangenen Sonntag. Man habe die Spiele so verteilt, dass beide Sender etwas von dem Deal gehabt hätten, sagt der ORF-Sprecher weiter. In Deutschland konnten sich ARD und ZDF die jeweiligen Spiele aussuchen - die zeitgleich ausgetragenen Partien sind in Sat.1 zu sehen. Wirklich glücklich wird der Sender damit nicht, die Quoten liegen auf einem sehr überschaubaren Niveau

Das Erste mit mehr Zuschauern als ATV

Doch zurück nach Österreich: Trotz der vermeintlich attraktiveren Partie zog ATV am Dienstag erneut den Kürzeren gegen den ORF - aber auch gegen die Übertragung im Ersten. 149.000 Zuschauer sahen sich das Deutschland-Spiel während der ersten Hälfte bei ATV an, in den zweiten 45 Minuten waren es 164.000 Menschen. Mit den Marktanteilen von 16,1 und 13,1 Prozent in der Zielgruppe der 12- bis 49-Jährigen kann ATV zufrieden sein. Wie immer muss dazu gesagt werden, dass Menschen, die das Spiel an Public-Viewing-Orten gesehen haben, nicht mit in die Berechnung der Zuschauerzahlen fließen. Das Erste lockte zur gleichen Zeit allerdings 219.000 Österreicher vor die TV-Bildschirme. Bei ORF eins sahen zur gleichen Zeit 184.000 (Halbzeit eins) bzw. 234.000 Menschen (Halbzeit zwei) die Partie Polen gegen Ukraine. 

Am Abend gewann ORF eins dann deutlich die Oberhand: 664.000 und 674.000 Zuschauer während der Partie Kroatien gegen Spanien sorgten für 28 und 35 Prozent Marktanteil bei den Zuschauern ab zwölf Jahren. ATV musste sich hier mit dem Match zwischen Tschechien und der Türkei mit nur 83.000 bzw. 68.000 Zusehern begnügen. 
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