dapd stutzt Sport- und Videodienst zusammen
 

dapd stutzt Sport- und Videodienst zusammen

98 Mitarbeiter bekommen Kündigung ausgesprochen

Die insolvente deutsche Nachrichtenagentur dapd fährt ihren Sport- und Videodienst deutlich zurück und strukturiert die regionale Berichterstattung aus den Bundesländern um. Wie die mit der Öffentlichkeitsarbeit betraute Consulting-Firma Hering Schuppener am Mittwoch in Berlin mitteilte, sollte im Verlaufe des Tages für 98 der 299 Mitarbeiter in den von der Insolvenz betroffenen Unternehmensteilen die Kündigung ausgesprochen werden.

Neben einer Verkleinerung der Führungsebene gebe es "wesentliche Einschnitte" in der Sport- und Videoredaktion, hieß es in der Mitteilung. Die Sportberichterstattung soll demnach nur noch einen deutlich verminderten Umfang haben. Konkrete Zahlen zu den Stellenstreichungen in den einzelnen Ressorts wollte das Unternehmen nicht nennen.

Die Landesdienste sollen demnach "eine wichtige Säule der Agentur" bleiben, allerdings sollen die derzeit nach 14 Bundesländern gegliederten Dienste künftig in drei sogenannten Clustern - Nord/West, Süd und Ost - zusammenarbeiten. Nähere Angaben zur möglichen Schließung von Landesbüros wollte die Beratungsfirma nicht machen. "Die konkrete Struktur wird sich jetzt erst zeigen", hieß es. Gleichzeitig wolle dapd sein Nachrichtenangebot stärker als bisher an den digitalisierten Nachrichtenmarkt anpassen.

Der Betriebsrat und der alleinige Geschäftsführer und Insolvenzverwalter Wolf von der Fecht erstellten den Angaben zufolge einen Sozialplan. "Wir haben alles daran gesetzt, den Personalabbau so gering wie möglich zu halten und konnten zwei Drittel aller Stellen erhalten", erklärte von der Fecht. Mit der Restrukturierung solle eine Basis für die langfristige Stabilisierung der Nachrichtenagentur geschaffen werden.

Die Auslandsberichterstattung werde ein "integraler Bestandteil" der dapd-Nachrichtengruppe bleiben, hieß es weiter. Dieser Teil der Berichterstattung beruht allerdings im Wesentlichen auf der Zusammenarbeit mit der US-Nachrichtenagentur Associated Press (AP), die die Kooperation aufgekündigt und eine neue Vereinbarung mit dem dapd-Konkurrenten Deutsche Presse-Agentur (dpa) geschlossen hatte.

Gegen die Kündigung durch AP geht von der Fecht gerichtlich vor. "Wir halten an unserer Rechtsauffassung fest, dass die Kündigung von AP unwirksam ist", sagte ein Sprecher der Beratungsfirma. Ein Gericht in New York hatte am Dienstag eine einstweilige Verfügung erlassen, die der dapd bis zu einer endgültigen Entscheidung der Justiz Zugriff auf das AP-Material gewährt.

AP hat bis zum 18. Dezember Zeit, sich schriftlich zu dem Beschluss des Gerichtes zu äußern. Die US-Agentur hatte am Dienstag erklärt, dass der Gerichtsbeschluss auf einer freiwilligen Vereinbarung beruhe, die dapd im Gegenzug zu Zahlungen von Lizenzgebühren verpflichte. Als Grund für die Kündigung hatte AP Mitte November den Insolvenzantrag der dapd Anfang Oktober sowie ausstehende Zahlungen genannt. AP plant, ab dem 1. Jänner im deutschsprachigen Raum mit dpa zu kooperieren.

(APA/AFP)
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