dapd-Insolvenz: Geschäftsführer prüft Restruk...
 

dapd-Insolvenz: Geschäftsführer prüft Restrukturierung

Fecht will möglichst viele Arbeitsplätze erhalten - Eine Million Euro Gewinn im abgelaufenen Jahr

Nach Bekanntwerden der Zahlungsunfähigkeit der deutschen Nachrichtenagentur dapd prüft der neue Geschäftsführer Wolf von der Fecht die Grundlagen einer Restrukturierung. Damit sollen "möglichst viele Arbeitsplätze erhalten" werden, sagte ein Sprecher Fechts. Vom finanziellen Kollaps seien rund 300 der gut 500 Beschäftigten der dapd-Gruppe betroffen. "Das neue Insolvenzrecht bietet Chancen, die wir gemeinsam nutzen werden, um für die Unternehmen und ihre Mitarbeiter zukunftsfähige Lösungen zu finden", erklärte Martin Vorderwülbecke, einer der Eigentümer.

Der Düsseldorfer Anwalt und Insolvenzexperte hat nun bis Ende November Zeit, um die Perspektiven für die dapd Nachrichtenagentur und dapd Nachrichten als Allein-Geschäftsführer auszuloten. Das Tagesgeschäft soll fortgeführt werden. Miteigentümer Vorderwülbecke werde an der Spitze der Muttergesellschaft dapd media holding bleiben, Cord Dreyer scheidet als Geschäftsführer aus, soll aber als Chefredakteur "beratend" tätig bleiben.

Die Insolvenz kommt überraschend. In letzter Zeit hatte der Konkurrent des deutschen Marktführers Deutsche Presse-Agentur (dpa) sein Angebot stark ausgeweitet und Mitarbeiter eingestellt. Erst im vergangenen Jahr startete dapd einen kostspieligen Sport-Dienst. Zuletzt hatte dapd das Frankreich-Geschäft ausgebaut. Die Eigentümer Vorderwülbecke und Peter Löw hatten vor rund zwei Jahren angekündigt, dass die Expansion noch auf Jahre hinaus hohe Beträge erfordern werde. Für das abgelaufene Jahr gibt der Sanierer den Umsatz der Gruppe mit 32 Millionen und deren Gewinn mit einer Million Euro an.

Die dapd blickt auf eine wechselvolle Geschichte zurück. Die Agentur wurde als Überbleibsel des deutschen Ablegers der US-Nachrichtenagentur UPI Anfang der 70er Jahre unter dem Namen Deutscher Depeschendienst (ddp) gegründet. Später kam sie zur ProSieben-Gruppe und fusionierte mit der ehemaligen DDR-Agentur ADN. 1983 und 2004 war ddp schon zweimal in Insolvenz gegangen. 2004 wurde die Agentur von der Beteiligungsgesellschaft Arques übernommen, die damals unter der Führung der heutigen Privatgesellschafter Vorderwülbecke und Löw stand. Ende 2009 übernahm sie den deutschen Dienst der amerikanischen Associated Press (AP) und benannte sich daraufhin in dapd um.

(APA/Reuters)
stats