DAB+: Radio-Zukunft soll bunt sein
 

DAB+: Radio-Zukunft soll bunt sein

Verein Digitalradio Österreich
Im zweiten Testjahr sind vorbehaltlich behördlicher Genehmigung 16 Radiosender mit an Bord.
Im zweiten Testjahr sind vorbehaltlich behördlicher Genehmigung 16 Radiosender mit an Bord.

Nach einem Jahr Digitalradio-Testbetrieb ziehen die Betreiber zufrieden Bilanz und wollen die technische Weiterentwicklung vorantreiben. Auch ohne den ORF und Kronehit soll der Regelbetrieb 2018 starten.

Dieser Artikel erschien bereits in der HORIZONT-Ausgabe Nr. 22/2016 vom 3. Juni. Hier geht's zum Abo


Vor einem Jahr startete im Großraum Wien ein Digitalradio-Testbetrieb mit dem Übertragungsstandard DAB+. Der Anlauf sorgte für Diskussionen: Im Vergleich zur terrestrischen Digitalisierung der TV-Signale ist die terrestrische Digitalisierung von Radiosignalen in Österreich ein vielfältiges markt-, medien- und strukturpolitisches Thema. Vor dem Start in das zweite Pilotjahr zogen die Digitalradio-Betreiber Bilanz und gaben Einblick in zukünftige Vorhaben.


„Die Resonanz aus der Bevölkerung auf die Empfangsqualität und die neuen Programme sind überwältigend positiv, weshalb die DAB+-Hörer auch nicht mehr auf das neue, vielfältige Angebot verzichten wollen“, sagt Gernot Fischer, Geschäftsführer des Vereins Digitalradio Österreich. Auch der Handel habe inzwischen auf die gesteigerte Nachfrage nach DAB+-fähigen Radiogeräten reagiert. Im zweiten Testjahr sind vorbehaltlich behördlicher Genehmigung 16, teils neue Hörfunkprogramme mit an Bord. Darunter auch Radio Arabella, LoungeFM und Welle 1. „Das zweite Jahr wird vor allem im Zeichen der technischen Weiterentwicklung von teils interaktiven Datendiensten stehen“, sagt Fischer. DAB+ bietet einen effizienten Weg, digitales Antennenradio störungsfrei auszustrahlen und kann im Gegensatz zu UKW nicht nur Audiosignale übertragen, sondern auch Texte, Bilder und interaktive Elemente.


Bundesweiter Ausbau geplant


Der Testbetrieb wird mit Mitteln aus dem Digitalisierungsfonds der Medienbehörde KommAustria gefördert. Kronehit-Geschäftsführer Ernst Swoboda übt Kritik: „Ich weiß nicht, was es hier zu testen gibt. Die Technologie gibt es seit zwei Jahrzehnten.“ Tatsächlich ist DAB+ bereits in vielen europäischen Ländern im Einsatz. Andreas Kunigk, Medienbehörde-Pressesprecher, entgegnet: „Wir würden da kein Geld reinstecken, wenn das alles irgendwie Schnee von gestern wäre.“


Dem Digitalisierungskonzept folgend, sollen im ersten Halbjahr 2017 eine oder mehrere Bedeckungen im DAB+-Standard ausgeschrieben werden, damit 2018 der Regelbetrieb anlaufen kann. Neben Wien sollten weitere Hörfunkcluster im Osten Österreichs sowie in den Landeshauptstädten entstehen – im Endausbau wären 24 bis 30 bundesweite Radioprogramme denkbar. „Ab dann sollte sich Österreich vom weißen Fleck auf der DAB+-Landkarte zur bunten und vielfältigen Hörfunklandschaft entwickeln“, sagt Wolfgang Struber, stellvertretender Obmann des Vereins Digitalradio Österreich. 


Widerstand der großen Player


Mit der Abschaltung von UKW ist aufgrund des Widerstands etlicher Marktteilnehmer nicht vor 2024 zu rechnen. Dazu zählen auch Kronehit und der ORF, die nicht am Digitalradio-Testbetrieb teilnehmen. „Die Bewerbung des Testbetriebs von Digitalradio mit einer Abwertung von UKW zu verbinden, war letztlich ausschlaggebend für die Entscheidung, nicht am Testbetrieb teilzunehmen“, sagt Kronehit-Geschäftsführer Ernst Swoboda. ORF-Radiodirektor Karl Amon meint: „Die Kunden sind mit ihren jetzigen Radios sehr zufrieden und wissen wahrscheinlich im überwiegenden Maße noch gar nicht, dass es auch andere Empfangsmöglichkeiten gibt.“ Weil der Umstieg von UKW auf DAB+ Marktanteile unter den Radioanbietern verschieben könnte, würden Kronehit und der ORF zurückhaltend agieren – das jedenfalls vermutet man beim Verein Digitalradio Österreich. Dieser hält es allerdings für „wünschenswert“, dass der ORF mit an Bord wäre: „Die Türen stehen weiter offen“, sagt Struber. Bei Kronehit will man definitiv nicht an einem Testbetrieb teilnehmen. Und an einem Regelbetrieb? „Diese Frage stelle ich mir dann, wenn es soweit ist“, sagt Swoboda.
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