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DAB+: Internationale Branchenvertreter fordern europaweiten Ausbau

WorldDAB Forum/Christandl
Helwin Lesch (Bayrischer Rundfunk), Patrick Hannon (WorldDAB-Präsident), Graham Dixon (Head of Radio in der EBU) und Wolfgang Struber (stellvertretender Obmann des Vereins Digitalradio Österreich).
Helwin Lesch (Bayrischer Rundfunk), Patrick Hannon (WorldDAB-Präsident), Graham Dixon (Head of Radio in der EBU) und Wolfgang Struber (stellvertretender Obmann des Vereins Digitalradio Österreich).

In Österreich läuft seit dem Frühjahr 2015 ein DAB+-Pilotbetrieb. Einige europäische Länder zeigen bereits vor, dass der digitale Radiostandard reüssieren kann.

Dieser Tage versammelte sich die internationale Radiobranche in Wien, um im Rahmen der Generalversammlung des "WorldDAB Forum" die Einführung des digitalen Radiostandard DAB+ in Europa zu diskutieren und forcieren. "Rund um Österreich ist Europa auf dem Weg zu Digitalradio DAB+, daran führt kein Weg mehr vorbei", sagt Wolfgang Struber, stellvertretender Obmann des Vereins Digitalradio Österreich.

In Österreich läuft seit dem Frühjahr 2015 ein DAB+-Pilotbetrieb. Dieser wird mit Mitteln aus dem Digitalisierungsfonds der Medienbehörde KommAustria gefördert. Struber fordert eine Aufstockung des Digitalisierungsfonds von derzeit 500.000 auf 1,2 Millionen Euro pro Jahr. Dem Digitalisierungskonzept folgend, sollen im ersten Halbjahr 2017 eine oder mehrere Bedeckungen im DAB+-Standard ausgeschrieben werden, damit 2018 der Regelbetrieb anlaufen kann.

Die Entscheidung des ORF gegen DAB+ könne er nicht nachvollziehen. Generaldirektor Alexander Wrabetz hatte gestern den Publikumsrat darüber informiert, dass sich der ORF nicht am Digitalradio-Standard DAB+ beteiligen werde (HORIZONT berichtete). Struber kritisierte, dass der ORF zukünftig "offensichtlich auf disruptive Silicon-Valley-Technologien" setzen werde und bezeichnete dies als "eine brandgefährliche Überlegung".

EBU für DAB+


Auch die European Broadcasting Union (EBU) befürwortet ein starkes DAB+-Angebot in ganz Europa - nur dieses würde Innovationen am Radiosektor erlauben. Die drei größten Vorteile von DAB+ seien mehr Vielfalt, mehr Dienste und mehr Innovation. "DAB+ ist wie eine halbfertige Autobahnbaustelle. Nun ist es Zeit, die Straßen europaweit fertigzubauen", sagt Graham Dixon, Head of Radio in der EBU.

WorldDAB-Präsident Patrick Hannon schlägt in dieselbe Kerbe: "UKW ist voll. Wenn wir Innovationen möchten, müssen wir etwas Neues machen", sagt Hannon und fordert eine Zusammenarbeit von öffentlich-rechtlichen und privaten Rundfunksendern.

Erfolgsbeispiel Deutschland

In Deutschland ist die Anzahl der DAB+-Empfangsgeräte innerhalb eines Jahres um 29 Prozent auf 8,24 Millionen angestiegen - damit verfügt ein Siebtel der deutschen Bevölkerung bereits über Digitalradio. Das ist das Ergebnis des Anfang September vorgelegten Digitalisierungsberichts, aus dem zum dritten Mal in Folge ein starkes Wachstum für Digitalradio hervorgeht. Helwin Lesch vom Bayrischen Rundfunk kann den Erfolg von DAB+ nur bestätigen. "In Deutschland sind 19 Prozent der verkauften Geräte bereits DAB+ fähig, in Bayern sogar 40 Prozent. Digitalradio ist auf dem Markt angekommen", sagt er. Derzeit arbeitet Deutschland an einer Roadmap für den Übergang von UKW zu DAB+.
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