Concordia-Preise sind vergeben
 

Concordia-Preise sind vergeben

"Kleine Zeitung" in Kärnten, Barbara Gansfuß und Engelbert Washietl im Parlament geehrt

Die Redaktion der "Kleinen Zeitung" in Kärnten, Barbara Gansfuß von Ö1 und Engelbert Washietl wurden am Montagabend im österreichischen Parlament mit den renommierten Concordia-Medienpreisen ausgezeichnet. Der ehemalige Chefredakteur der "Salzburger Nachrichten", Washietl, der sich "Zeit seines Lebens für Pressefreiheit, für Ethik und Qualität im Journalismus engagiert" hat, wurde für sein Lebenswerk geehrt. Die "Kleine Zeitung" erhielt die Auszeichnung in der Kategorie Pressefreiheit und Gansfuß wurde in der Kategorie Menschenrechte ausgezeichnet.

Washietl nahm in seiner Rede den Qualitätsverlust bei heimischen Medien ins Visier und kritisierte, dass unter dem Vorwand der Wirtschaftskrise in vielen Verlagen Standards gesetzt werden, die mit Qualität nichts mehr zu tun haben. Es seien oftmals die Journalisten selbst sowie größere und kleinere Institutionen wie der Presserat, die Concordia oder die Initiative Qualität im Journalismus, die Qualität heute weitertragen und fördern.

Washietl prangerte außerdem eine gewisse Bequemlichkeit und "journalistische Gedankenlosigkeit" an, die sich in den letzten Jahren breitgemacht haben und die unser aller Weltbild im Endeffekt beeinflussen. Er kritisierte hier schlechte Recherche, die Verbreitung falscher Behauptungen und warnte davor, dass sich Medien für sogenanntes "dirty campaigning", also das Schlechtmachen des politischen oder ökonomischen Gegners, instrumentalisieren ließen.

Er selbst wurde von seinem Laudator Andreas Koller, stellvertretender Chefredakteur der "Salzburger Nachrichten", als unkorrumpierbar, "unanfütterbar" und für seine "sprichwörtliche Bescheidenheit" gewürdigt. Washietl zeichne sich außerdem durch jene nicht voyeuristische Neugier aus, die hinter die Kulissen blickt und so Politikern und deren Spielchen auf die Schliche kommt.

Der ehemalige "Standard"-Chefredakteur Gerfried Sperl hielt die Laudatio auf die Kärntner "Kleine Zeitung" und erinnerte vor allem an die Ära Jörg Haider und die Methoden, mit denen Journalisten damals mundtot gemacht wurden. Inseraten-Boykott, Klagsfluten, Auskunftsverweigerung, persönliche und pauschale Diffamierungen waren nur einige der Beispiele. Auch wenn es nun einen Machtwechsel in Klagenfurt gegeben hat und sich die journalistischen Möglichkeiten stark verbessert haben, sei die Vorsicht Mutter der Weisheit, mahnte Sperl.

Eva Weissenberger, Chefredakteurin der Kärntner "Kleinen Zeitung", die den Preis stellvertretend für die Redaktion entgegennahm, meinte, die Zeitung habe den Preis schon seit langem verdient. Es sei eine Leistung gewesen, die Widrigkeiten, denen die Journalisten der "Kleinen" in Kärnten ausgesetzt waren, auszuhalten. "Die noch größere Leistung war es aber, nicht unkritisch negativ zu werden beziehungsweise in die unreflektiert kritische Opposition zu kippen". Es gelte: "Was wiegt's das hat's". Man nehme den Preis nun als Auftrag, die neue Regierung ebenso zu kontrollieren wie die frühere und ihr kritisch auf die Finger zu sehen.


"Die Zeit der Verweigerung der Menschenrechte ist mitnichten vorbei - auch in Europa, auch in Österreich nicht", sagte die Autorin Julya Rabinowich in ihrer Laudatio auf Ö1-Redakteurin Gansfuß und erinnerte an die Vorkommnisse rund um das Asylwerberheim auf der Kärntner Saualm. "Hier wurden Menschenrechte mit Füßen getreten und alle, die weggeschaut haben, haben sich mitschuldig gemacht." Gansfuß sei eine Journalistin, die ganz genau hinsieht, dort wo es wehtut, auch wenn es nicht gern gesehen wird. Sie lasse sich aber nie dazu hinreißen, unobjektiv zu werden oder zu instrumentalisieren. Sie sei stets bemüht, in ihrer Berichterstattung möglichst viele Seiten zu Wort kommen zu lassen.

Gansfuß nutzte ihre Dankesrede, um auf die schwierige Situation im ORF-Radio hinzuweisen, das "vom Spardruck, der auf dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk lastet, geschwächt ist". Es sei "für viele schwierig und schlimm, mitzuverfolgen, dass gründliche Recherchen immer weniger kosten dürfen", mahnte sie und dankte um so mehr für die Auszeichnung.

(APA)

APA0518    2013-04-29/18:49

291849 Apr 13


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