Clemens Pig: „Echte Innovation ist Interpreta...
 

Clemens Pig: „Echte Innovation ist Interpretation des Grundauftrags“

Markus Wache
Medientage 2017 Tag1 am Erste Campus, am 20.09.2017 | (c) Medientage/Wache
Medientage 2017 Tag1 am Erste Campus, am 20.09.2017 | (c) Medientage/Wache

Der APA CEO sprach bei den Österreichischen Medientagen über den Wandel von der Nachrichten- zur News-Tech-Agentur

Sie ist die viertälteste Nachrichtenagentur der Welt. Und laut CEO Clemens Pig war die APA, soweit möglich, schon immer hochtechnologisiert. „Als vor zehn Jahren die globalen Entwicklungen rund um Facebook und Google einsetzten, war für uns diese Technologie nichts Neues.“ Was nun mal zähle, sei Innovation. „Und echte Innovation ist Interpretation des Grundauftrags. In der digitalen Medien-Ökonomie und Medienproduktion leben wir die Renaissance des genossenschaftlichen Innovationsmodells.“ Man dürfte klassische Produktfelder nicht von Innovation unterscheiden, sondern müsse sie verbinden. Jedes Stück Content müsse mit der passenden Technologie verknüpft werden, um für Medien und Kommunikatoren ein vollwertiges Technologieportfolio für Online-Produktion und -Distribution anzubieten.

"Wertschöpfung bleibt bei jenen, denen sie gehört"

Apropos „genossenschaftlich“: Pig gibt zu, dass der Begriff „genossenschaftliches Modell“, auf dem die APA fußt, zu Beginn seiner Karriere für ihn ein eher verstaubtes Image ausstrahlte. Aber, so Pig: „Nein, sie ist Sharing Economy, das modernste Geschäftsmodell überhaupt.“ Die Nachrichtenagentur erbringe schließlich Dienstleistungen, die für die einzelnen Unternehmen zu aufwändig wären. Die Wertschöpfung bleibe bei jenen, denen sie gehört, „und gehe nicht an globale Player ins Ausland, wie sonst“, fügt Pig hinzu.

Bereits heute erwirtschafte die APA mehr als die Hälfte ihres Umsatzes außerhalb des klassischen Geschäftsmodells, wie durch Analysen und Technologien, auch verbunden mit Deutschland und der Schweiz – „wo wir definitiv Entwicklungsraum sehen“.

Monetarisierung, Distribution, Produktion

Mit 2018 starte Pig zufolge eine Innovationsperiode für die APA, basierend auf drei zentralen Begriffen. Erstens Media Intelligence ("Wir als Nachrichtenagentur verstehen Editorial. Und damit auch alle dazugehörigen  technologischen Anforderungen", so Pig, "wir sehen uns als Technologielieferant für Märkte, für die wir auch die journalistische Kernkompetenz haben"). Zweitens Business Intelligence („Wir bilden die Customer Journey in unserem System ab“). Und drittens Artificial Intelligence: Hier gehe es um die Programmierung von Microservices und letzten Endes darum, den Journalisten das Leben leichter zu machen. „AOM muss wissen, ist der, der sich gerade einloggt, Wirtschaftsjournalist oder Presseverantwortlicher eines Unternehmens“. In der APA-IT-Entwicklung seien hundert Mitarbeiter beschäftigt.

Seine Vision der News-Tech-Agentur soll umgesetzt werden durch Monetarisierung, indem vermarktungsgetriebene Erlösmodelle zum Zug kommen wie durch die eigene Videoplattform, den APA-Kiosk, Apps oder Mediapay. Weiters durch Distribution („Videoservices, Personalisierter News-Stream, Power Search, Video Live-Streaming, Liveblog oder durch den APA-Live-Kanal“) sowie Produktion (APA Online Manager, Video Now, Datenvisualisierung et cetera).

Auch die APA sah sich mit der Frage konfrontiert: Innovation auslagern oder in-house schaffen? Die Entscheidung: „Wir setzen auf In-Sourcing von Innovation in unserem Newsroom, durch unser APA Medialab.“ Auch erste Anfragen aus der Bankensegment gebe es bereits, verrät Pig: „Globale Innovationsthemen betreffen nicht nur Medien- sondern auch andere Branchen.“
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