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Chef des serbischen staatlichen TV-Senders gestorben

Aleksandar Tijanic: Mitarbeiter und Kritiker des Regimes von Slobodan Milosevic tot vor Belgrader Wohnung aufgefunden

Der 63-jährige Chef des serbischen staatlichen TV-Senders RTS, Aleksandar Tijanic, ist tot. Einer der bekanntesten, aber auch kontroversesten Journalisten des 1991 zerfallenen Jugoslawien ist am Montagnachmittag im bewusstlosen Zustand vor seiner Neu-Belgrader Wohnung aufgefunden worden. Alle Wiederbelebungsversuche schlugen fehl. Die genaue Todesursache bleibt vorerst unbekannt. Tijanic kehrte erst kürzlich nach einer ärztlichen Behandlung aus London zurück und schien, wie es hieß, seinen Krebs bewältigt zu haben.

In den 1980er-Jahren war der aus dem Kosovo stammende Journalist Mitarbeiter etlicher regimekritischer kroatischer und slowenischer Medien. In der bosnischen Hauptstadt Sarajevo leitete er noch kurz vor dem Zerfall des gemeinsamen Staates 1991 eine populäre Sendung bei dem vom damaligen jugoslawischen Premier Ante Markovic gebildeten TV-Sender "Jutel".

Später gehörte der Journalist eine Zeit lang zu den Mitarbeitern des Regimes von Slobodan Milosevic. Er war dessen Informationsminister während der massiven Regimeproteste im Winter 1996-97. Tijanic ließ auch den Belgrader Kleinsender "B-92" schließen, um danach seinen Rücktritt einzureichen und sich den damaligen Milosevic ́ Kritikern anzuschließen.

Auch nach dem Sturz des Regimes von Milosevic blieb Tijanic kontrovers. Als Medienberater von Präsident Vojislav Kostunica (2000-2003) nahm er Premier Zoran Djindjic aufs Korn. Später wurde ihm häufig vorgeworfen, sich der Medienhetze angeschlossen zu haben, die dem Mordanschlag auf den ersten demokratischen Regierungschef vorausgegangen war.

Unter der Regierungszeit des nationalkonservativen Kostunica wurde Tijanic 2006 zum RTS-Chef bestellt und vermochte sich auch nach der Abwahl seiner Regierung im Amt zu behaupten. Der derzeitige Staatschef Tomislav Nikolic hatte im Vorjahr angekündigt, nach dem Wahlsieg der Serbischen Fortschrittlichen Partei (SNS) Tijanic, einen SNS-Kritiker, sofort absetzen zu wollen.

Bei seinem letzten öffentlichen Auftritt hatte der RTS-Chef in der Vorwoche noch energisch für die Aufrechterhaltung des öffentlichen, in tiefster Finanznot steckenden Senders plädiert.

(APA)
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