"Call to Action" für Medien in ÖMT-Eröffnungs...
 

"Call to Action" für Medien in ÖMT-Eröffnungsrede

Johannes Brunnbauer

In seiner Eröffnungsrede zu den Österreichischen Medientagen 2019 hat HORIZONT-Chefredakteur Jürgen Hofer nicht nur zum Event willkommen geheißen, sondern auch in einer neuen Medienrealität - in der sich neu hinzugekommene digitale Player nicht an Regeln halten, die klassische Medien lange etabliert hatten. Umso mehr müsse die Kommunikationswirtschaft an den neuen Regeln selbstbewusst mitschreiben, appellierte Hofer an die ÖMT-Gäste. Die Rede im Wortlaut.

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin, geschätzte Ehrengäste, werte Damen und Herren,

„Stunde Null. Die neue Medienrealität“ – so lautet das Motto dieser Veranstaltung. Wir haben es auserkoren im Wissen, dass für viele von Ihnen die Stunde Null bereits eingeläutet wurde; dass die neue Medienrealität und ihre Begleiterscheinungen unser tägliches Wirken bereits fest im Griff hat. Und dennoch: Viele Faktoren deuten auf weiter voranschreitende und teils noch drastischere Veränderungen hin, denen wir als Medienmacher aber auch als Gesellschaft unterworfen sind. Gegebenheiten, mit denen wir uns arrangieren müssen, die wir aber auch selbst prägen können. Sie definieren unsere Realität.

Wir leben an einem permanenten Scheideweg zwischen Etabliertem und Neuem, zwischen Vergangenheit und Zukunft, zwischen Scheitern und Erfolg; ein Scheideweg, an dem wir uns tagtäglich neu überdenken und für uns definieren müssen, ob wir uns den Gesetzmäßigkeiten der Passivität unterwerfen oder aktiv neues Gestalten. Das ist unsere Stunde Null, das ist unsere neue Medienrealität. 

Es ist eine zum Teil düstere Realität – geprägt von Desinformation, Fake News und Manipulation. Politiker, die Medienpolitik als Eingriff und Attacke gegen Medien und ihre Vertreter verstehen, die unabhängigem Journalismus die Lebensgrundlage entziehen wollen, die eine unmündige und uninformierte Masse einer aufgeklärten Gesellschaft vorziehen. Politiker, die die Verantwortung für Ihren Misserfolg bei Medien und nicht bei sich selbst suchen; eine Wirklichkeit, in der Journalisten ausgesperrt und drangsaliert werden. 
Fünf Tage vor der Nationalratswahl sei das Politikern dieses Landes eindringlich klar gemacht: Das ist nicht die neue Medienrealität, die wir meinen. Und das ist keine Medienrealität, die wir hinnehmen werden. Der freie und unabhängige Journalismus ist unantastbar – und muss es bleiben. Dafür müssen wir alle hier Sorge tragen.

Johannes Brunnbauer

Es braucht neue Mechanismen, Selbstverständlichkeiten und vor allem Erlösmodelle, die den Fortbestand unserer Gattung sicherstellen. Es geht um neue Herangehensweisen, Denkansätze, Strategien, Allianzen und Strukturen am Medienmarkt. Wir sind in diesen Zeiten mit einer Realität konfrontiert, die in vielen Facetten primär bedrohlich erscheint, die Dystopie und wenig Optimismus vorgaukelt. Internationale Giganten, die die Disruption nicht scheuen, uns in einem rasanten Tempo nie gesehenen Ausmaßes mit ihrem Business bedrängen. Konkurrenten, die sich den Marktgegebenheiten widersetzen und gemeinsam erzielten Konsens aber auch Regulatorien ignorieren.

Dazu kommen neue Player, die ohne den Mühen der eigenen Historie Angebote schaffen und etablieren und damit einstige Platzhirsche verdrängen. Rezipienten, die dem Bewährten vielfach abschwören und sich völlig Neuem widmen. Vieles von dem, was wir immer vorgelebt und getan haben, ist hinfällig geworden; konnte mit dem Wandel der Zeit nicht Schritt halten.

Veränderung, und das ist die Anregung und Intention hinter dem diesjährigen Motto, ist aber per se nichts Negatives. Neues kann befremdlich und bedrohlich wirken - unbestritten. Neues kann aber auch befreien und Wege eröffnen zu anderen, nicht minder guten Zeiten. Neue Realitäten schaffen auch neue Möglichkeiten. Die „Stunde Null“ ist dabei nur jener Zeitpunkt, an dem wir die Angst des Scheiterns gegen den Optimismus des Erfolgs tauschen.

Die Österreichischen Medientage waren in ihrem Selbstverständnis immer Impulsgeber. Lassen Sie uns diese vor uns liegenden zwei Tage dazu nutzen, nicht nur den status quo unserer Medienrealität zu hinterfragen, sondern aktiv und konstruktiv neue Lösungen erarbeiten. Lassen Sie uns diese neue Medienrealität mit fruchtbaren Ideen beseelen, die einen nachhaltigen Fortbestand der Medien als zentralen und fundamentalen Bestandteil der Demokratie und Gesellschaft sicherstellen.

Herzlich Willkommen in der neuen Medienrealität, Herzlich Willkommen zu den Österreichischen Medientagen.
 

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