"Bleiben Sie dem Zeitungsmarkt fern!"
 

"Bleiben Sie dem Zeitungsmarkt fern!"

Mit diesen Worten verabschiedet sich die "Berliner Zeitung" von ihrem Investor David Montgomery.

Die Titel der BV Deutsche Zeitungsholding sind verkauft. Für gut 152 Millionen Dollar hat die britische Mecom-Gruppe des Medieninvestors David Montgomery unter anderen die "Berliner Zeitung", den "Berliner Kurier" und die "Hamburger Morgenpost" an das Kölner Verlagshaus DuMont Schauberg verkauft. Kein schlechter Deal - denn angeblich hat Montgomery, als er 2005 in den deutschen Markt einstieg, allein für die beiden Berliner Titel 180 Millionen Euro bezahlt. Außerdem wird der Zusammenlegung der Häuser ein gewisses Synergiepotenzial bei den Titeln zugesagt. DuMont verlegt unter anderen die "Frankfurter Rundschau", den "Kölner Stadtanzeiger", die "Kölner Rundschau" - Stichwort Mantelredaktion. Und schließlich verdrängen die Kölner mit der Übernahme die WAZ-Gruppe von Platz drei der größten Zeitungshäuser Deutschlands. 2007 hatte DuMont einen Umsatz von 626 Millionen Euro erwirtschaftet, mit einem Gewinn von mehr als neun Millionen Euro. Inklusive der Mecom-Titel kommen verschiedene deutsche Wirtschaftsmedien auf einen geschätzten Umsatz von 750 Millionen Euro, was einem Wachstum von 15 Prozent entspräche.

Das dürfte aber durchaus der Strategie von Familienpatriarch Alfred Neven DuMont (81) entsprechen: Fressen, um nicht gefressen zu werden, wie es die "FAZ" beschreibt.

Montgomery hingegen zieht sich mit dem Verkauf aus dem deutschen Markt wieder komplett zurück und will sich in Zukunft auf seine Kernmärkte Niederlande, Polen, Dänemark und Norwegen konzentrieren. Beliebt bei der eigenen Belegschaft war er nicht, wie die "FAZ" die Vorwürfe des Betriebsrates zusammengefasst hat: keine Investitionen in Marken, Personal und Technik, keine Print- und Onlinekonzepte, stattdessen irrationale Umsatzvorgaben, ständiger Schuldenzuwachs, Rücklagenplünderung und Gewinne abgezogen. Laut der letzten Bilanz hätten die deutschen Zeitungen des Mecom 104 Millionen Euro an Schulden abdecken müssen - der gesamte Schuldenberg von Montgomery beläuft sich auf rund 600 Millionen Euro. Die Belegschaft der "Berliner Zeitung" weint ihrem einstigen Eigentümer deshalb auch keine Träne nach: "Genießen Sie Ihr Ferienhaus in Umbrien, aber bleiben Sie dem Zeitungsmarkt fern", hieß es in einem Abschiedsbrief.
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