‚Bild ist kein journalistisches Produkt‘
 

‚Bild ist kein journalistisches Produkt‘

Otto Brenner Stiftung kritisiert die inhaltliche Marktschreierei eines ‚Leitmediums‘.

Frankfurt Eine „Fehlanzeige“ in Sachen Journalismus, so lautet das Ergebnis einer aktuellen Studie der Otto Brenner Stiftung über die Machart der Bild-Zeitung. Das Boulevardmedium entspreche in keinster Weise irgendwelchen journalistischen Kriterien. Vielmehr werde es geführt wie eine Marke, inszeniert nach Methoden der Werbung und Kampagnenkommunikation.

Die Basis für diesen Schluss liefert die Berichterstattung über die Griechenland- und Eurokrise im ersten Halbjahr 2010. Sie zeigt: Bild wolle nicht mittels differenzierter Fakten informieren, sondern Botschaften senden. Berichtet werde demnach nur über Dinge, die diese Botschaften stützen, alles andere werde ignoriert. So behaupten die Autoren Hans-Jürgen Arlt und Wolfgang Storz, dass Bild die Fragen und Aussagen zur „Linie“ festlege und dann potenzielle Akteure abtelefoniert werden, bis jemand gefunden ist, der sich namentlich mit der jeweiligen Aussage zitieren lasse. Mittels Penetration – eigentlich nur bekannt als Instrument der Werbung – würden diese Botschaften dann über Wochen hinweg wiederholt werden. Auch der Stil und das Design des Blattes ordnet die Studie eher der werblichen Kommunikation zu, da es nur ein einziges Ziel verfolge: die Maximierung der Reize – anstatt, wie im journalistischen Layout üblich, dem Leser zu helfen, sich möglichst schnell zu orientieren.

Passgenau zu dieser These haben die Autoren das „Prinzip der Anstrengungslosigkeit“ herausdestilliert. Alles könne schnell, nebenbei und jederzeit unterbrechbar konsumiert werden – eine Darstellungsform, die nicht selten zur „Vereinfachung der Sachverhalte bis zur Verfälschung“ führe sowie zur „Befreiung der Inhalte von Kontext, Differenzierung und Perspektivenunterschieden“. „Bildbeiträge sind eindeutig Botschaften, und damit das Gegenteil von journalistischen Texten“, so das Statement der Autoren, „Bild will keine Beiträge zur öffentlichen Meinung liefern, Bild will die öffentliche Meinung selbst sein.“ Der Titel lebe von der Verletzung der Grenze zwischen Journalismus und Werbung und verwandle Journalismus in Marktgeschrei. Auch ein Seitenhieb auf andere Boulevardmedien bleibt nicht aus: „Bild ist bereits dort, wo sich andere hinbewegen. So gesehen ist es ein Leitmedium.“ Details dazu unter www.bild-studie.de.
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