Bezirksblätter recherchieren das "Staatsgehei...
 

Bezirksblätter recherchieren das "Staatsgeheimnis Telefonzellen"

Screenshot meinbezirk.at
Die Bezirksblätter erstellten eine Liste von allen verschwundenen Zellen.
Die Bezirksblätter erstellten eine Liste von allen verschwundenen Zellen.

In 80 Bezirken haben sich Redakteure auf die Suche nach verschwundenen Telefonzellen gemacht

Die zu den Regionalmedien Austria (RMA) gehörigen Bezirksblätter beschäftigen sich seit November 2015 mit einer sehr umfassenden Recherche rund um die Telefonzellen in ganz Österreich. In 80 Bezirken schwärmten die Redakteure aus und fanden mehr als 300 Standorte, an denen seit 1999 Zellen verschwunden sind. Aber warum das Ganze?

In Österreich gibt es, obwohl mittlerweile fast jeder ein Mobiltelefon bei sich trägt, laut der A1 Telekom immer noch 14.000 Telefonzellen. Denn: Die Republik Österreich verpflichtet die A1 Telekom, zumindest jenen Stand an Versorgung mit öffentlichen Sprechstellen aufrechtzuerhalten, der am 1. Jänner 1999 gegeben war. Das Ganze nennt sich "Universaldienstverordnung" und soll die öffentliche Versorgung sicherstellen.

Keine Veröffentlichung der Standorte

Um die Überprüfung dessen sollte sich die staatliche Telekom-Regulierungsbehörde RTR kümmern, diese weiß allerdings – so heißt es in einer Aussendung der RMA – nicht, wie viele Telefonzellen 1999 in Österreich standen und auch nicht, wie viele es heute noch gibt. Die Frage nach den Standorten von Telefonzellen erscheint generell wie ein Staatsgeheimnis, denn auf Anfrage der Regionalmedien Austria teilt die Telekom mit, die Standorte der angeblich 14.000 betriebenen Zellen nicht veröffentlichen zu wollen. Ministerium und RTR erklären sich für unzuständig. Die Regulierungsbehörde verwies gar auf ein "Betriebsgeheimnis" der Telekom.

Liste der verschwundenen Zellen

Daher widmen sich seit die Bezirkszeitungen auch seit acht Monaten der Frage: Wo sind im Bundesgebiet Telefonzellen zu finden? Die Regionalmedien Austria haben diese Rechercheergebnisse in einer Sachverhaltsdarstellung ans Infrastrukturministerium und die Telekom-Regulierungsbehörde mit der Bitte um Prüfung übergeben. All jene, die es interessiert, können indes hier eine Liste der verschwundenen Telefonzellen abrufen.

Vor Kurzem hat das Infrastrukturministerium jedenfalls einen Entwurf zur Änderung der Universaldienstverordnung vorgestellt, laut Berechnungen von Experten soll es zu einem Zellen-Kahlschlag kommen: In ganz Österreich würden von derzeit 14.000 Telefonzellen nur rund 6.000 bleiben.
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