Bewegte Bilder auf allen Channels oder alle C...
 

Bewegte Bilder auf allen Channels oder alle Channels auf allen Plattformen?

Johannes Brunnbauer
Holger Enßlin (Sky), Thomas de Buhr (DAZN), Franz Manola (ORF), Marcus Englert (Solon Management Consulting), Christoph Schneider (Amazon Video) und Andreas Bierwirth (T-Mobile) - v.l.n.r.
Holger Enßlin (Sky), Thomas de Buhr (DAZN), Franz Manola (ORF), Marcus Englert (Solon Management Consulting), Christoph Schneider (Amazon Video) und Andreas Bierwirth (T-Mobile) - v.l.n.r.

Unter der Leitung von Marcus Englert (Solon Management Consulting), diskutierten Andreas Bierwirth (T-Mobile), Thomas de Buhr (DAZN), Holger Enßlin (Sky Deutschland), Franz Manola (ORF) und Christoph Schneider (Amazon Video) über die Zukunft des linearen und non-linearen Fernsehens.

Marcus Englert nützte gleich zu Beginn die Möglichkeit, um Holger Enßlin von Sky zu fragen, was sich mit der Sky-Übernahme von Comcast künftig ändern und welches Potenzial sich daraus ergeben werde. Enßlin: "Jemand, der diesen Preis bezahlt, hat wohl ordentlich darüber nachgedacht, was man damit machen will. Comcast ist einer der größten Medien- und Infrastrukturkonzerne der Welt. Sky ist letztendlich nicht nur Content-Anbieter, sondern in allen Territorien in Europa auch Plattform und in England auch Infrastrukturanbieter. Sky wird das Europa-Geschäft von Comcast in der Zukunft sein”, folgert der Sky-Geschäftsührer. 

“TV-Erlebnis zur Gänze herstellen”

Das eigentliche Thema der Panels war jedoch die zukünftige Form der Bewegtbild-Ausstrahlung. Werden die Plattformen verschmelzen, werden alle alles zeigen und wie können sich die Angebote künftig im Markt differenzieren? Andreas Bierwirth von T-Mobile sieht sein Unternehmen auch mit Hinblick auf die eigene Übernahme mit UPC als Anbieter, "der das TV-Erlebnis zur Gänze herstellt. Wir haben die Netzkompetenz über das Fernseh-Erlebnis, zu Hause, unterwegs aber auch im Auto, wenn man an das autonome Fahren in der Zukunft denkt. Wir sehen uns ganz klar als Aggregator." Dass T-Mobile etwa keine eigenen Rechte, wie etwa an Fußball-Ligen hält, sieht Bierwirth nicht negativ: "Klar, hätten wir die Bundesliga-Rechte, würden wir mehr Kunden haben. Und was machen wir dann, wenn wir das Recht nicht haben, dann verlieren wir wieder viele Kunden. Aber ich will es für die Zukunft auch nicht ganz ausschließen.”

Christoph Schneider von Prime Video (Amazon) ortet eine weitere Verbreiterung der Plattformen, die bereits in den vergangenen Jahren stattgefunden hat: "Prime Video ist eine eigenständige Marke. Aber wir sind heute auch auf anderen Plattformen integriert, wir sind auf AppleTV, etc. Das ist definitiv, was wir weiter ausbauen wollen und werden." Eine Strategie, die auch Sky fährt, und mit den digitalen Angeboten auf vielen Plattformen zu finden ist - und zuletzt auch auf "Sky Q" Angebote der Konkurrenz wie Netflix oder den TV-Theken der öffentlich-rechtlichen Anbietern aufgenommen hat.

Weniger offen gab sich Thomas de Buhr von Dazn. Zwar ist der Sportstreaming-Anbieter auch auf vielen Plattformen vertreten, selbst will man die Plattform aktuell aber nicht für andere Anbieter öffnen. De Buhr: "Das ist zu früh zu sagen, ob das ein Thema werden könnte."

Lokale Produktionen im Trend

Ein Trend, der sich weiter verstärken wird, ist der Anteil der lokalen Produktionen, wie etwa "You are wanted", das auf Prime Video zu sehen war. "Das ist die aktuell erfolgreichste Serie, die wir auf Prime ausgespielt haben", erzählt Schneider stolz. 

Einen ähnlichen Weg ist Sky gegangen mit “Babylon Berlin” oder auch “Das Boot”, das demnächst ausgestrahlt wird. Eine deutsch-österreichische Krimi-Produktion "Die Grenze" wird auch folgen. Ob es österreichischen Content auch auf Amazon geben wird? Schneider schließt es nicht aus: "Warum nicht, das darf halt keine 10 Mio. Euro pro Episode kosten. Wenn ich etwas mache, was auch in Teilen Deutschlands funktioniert, ist das möglich.” Enßlin meinte zum Thema Eigenproduktionen: "Das rechnet sich, ist aber teilweise sicher auch Marketing. Man muss immer neuen Content bieten, damit die Leute bei der Stange gehalten werden. Das ist auch ein Verkaufsbindungsargument."

Die ORF-Player-Pläne

Im Spannungsfeld der neuen Anbieter muss sich auch der ORF mit seinen Angeboten behaupten. Über die Pläne des neuen ORF-Players sagte Franz Manola: "Ich möchte beim ORF-Player die User-Experience in den Mittelpunkt stellen. Es gibt viele Punkte, die mich als User vieler Services nicht zufriedenstellen: Schlechte Bildqualität, oft weiß ich nicht, wo welcher Content zu sehen ist, einmal geht der Stream, einmal nicht", moniert Manola, der die künftige Herausforderung so beschreibt: "Der Seher hat 50 Jahre lang gelernt, dass alles perfekt funktioniert. Auf der einen Seite die neuen Plattformen, wo die User-Experience rein algorithmisch gesteuert ist, im Gegensatz dazu der öffentlich-rechtliche Rundfunk, der journalistisch gesteuert ist."

Wie viele schauen zu?

Launisch wurde es bei der Frage, wie viele Personen die entsprechende Services überhaupt verfolgen. Zahlen wollen Amazon oder Dazn keinen nennen. Manola kritisierte dabei die geringen Zuseherzahlen bei der österreichischen Fußball-Bundesliga, seitdem die Rechte exklusiv an Sky gegangen sind: "Der Zuwachs, der durch Sky gekommen ist, hält sich bisher in Grenzen. Das ist eine Momentaufnahme, aber den jetzigen Zahlen zu Folge hat sich das lineare Fernsehpublikum der Bundesliga auf ein Zehntel reduziert."

Enßlin konterte: "Die österreichische Bundesliga funktioniert.In den vergangenen Tagen haben wir dazu Vieles gelesen, was sehr rückwärtsgewandt war, wir wurden zurückversetzt in die 80er-Jahre”, so der Sky-Chef, der konkretisiert: "Das sind alles falsche Zahlen, die kolpotiert werden, weil man nicht Äpfel mit Äpfel vergleicht. Hier geht es nur um eine Besitzstandwahrung. Wir haben eine große Medienallianz geschmiedet. Die Highlights im ORF erreichen mittlerweile fast so viele, wie damals das Live-Spiel gesehen haben. In Wahrheit erreichen wir zusammen somit mehr Menschen als zuvor. Hier wird ein völlig falsches Bild gezeichnet."

Wie sich die Anbieter künftig überhaupt noch im Markt voneinander abheben können, skizzierte schlussendlich Bierwirth von T-Mobile: "Einer kann seinen Preis über exklusiven Content anbieten, wir machen das über Infrastruktur. In der Mitte trifft man sich bei der Aggregation."

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