Berufsbild Journalist angekratzt
 

Berufsbild Journalist angekratzt

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Die Trenduntersuchung zeigt im Jahresrückblick auf, wie sich die Arbeitsbedingungen verändert haben, was die berufliche Tätigkeit negativ beeinflusst und welche Informationsquellen bevorzugt werden.
Die Trenduntersuchung zeigt im Jahresrückblick auf, wie sich die Arbeitsbedingungen verändert haben, was die berufliche Tätigkeit negativ beeinflusst und welche Informationsquellen bevorzugt werden.

Marketagent.com präsentierte die Ergebnisse seiner fünften Journalistenbefragung "Journalisten-Barometer 2004 - 2015"

Nur drei von zehn Journalisten sind mit den aktuellen Arbeitsbedingungen zufrieden, jeder zweite sieht das Image des Berufsstandes angekratzt und während fast 50 Prozent aller Befragten angeben, mit der Bezahlung zufrieden zu sein, sind es speziell bei den jungen Journalisten, die noch am Anfang ihrer Karriere stehen, lediglich 22,5 Prozent (bis zu 5 Jahre Berufserfahrung), die sehr oder eher zufrieden sind.

Diese und weitere Ergebnisse präsentierte Marketagent.com am 26. Jänner in Wien. Der Online-Marktforscher untersucht seit 2004 die Eigenwahrnehmung des Berufsstandes der Journalisten und führte 2015 die fünfte Welle seines Journalisten-Barometers durch. Dafür wurden zwischen November und Dezember 2015 insgesamt 838 Journalisten aus Österreich und Deutschland via Online-Interviews befragt.

„Unsere Studienreihe 2004 – 2015 zeigt, dass das Berufsbild Journalist mit einigen Schrammen versehen ist – zumindest in der Selbstbetrachtung“, fasst Marketagent.com-Geschäftsführer Thomas Schwabl die Ergebnisse zusammen.

Arbeitsbedingungen schlechter

In der Befragung schneiden vor allem die Arbeitsbedingungen schlecht ab - satte 44,4 Prozent beurteilen diese als „eher weniger gut“, 13,4 Prozent kreuzten „überhaupt nicht gut an“. Mit „sehr gut“ urteilten lediglich 1,3 Prozent und immerhin 28 Prozent meinten, die Arbeitsbedingungen seien „eher gut“. Ganze 83,4 Prozent sind der Ansicht, dass sich die Arbeitsbedingungen für journalistische Tätigkeiten in den letzten Jahren verschlechtert haben. In den Jahren 2004, 2005 und 2006 orteten zwar auch schon jeweils zwei Drittel eine verschärfte Arbeitssituation, 2015 ist der Anteil derer, die von einer Schlechterstellung sprechen, aber nochmals um ein Viertel gestiegen.

Als größter negativer Einflussfaktor auf die journalistische Tätigkeit wird der wirtschaftliche Druck genannt. 2004 sagten das 22 Prozent der Befragten, im Jahr 2015 sind bereits 35,4 Prozent dieser Meinung. Weitere negative Einflussfaktoren sind Überstunden (18,7 Prozent), Angst um den Arbeitsplatz (18,4 Prozent), Mangel an Aus- und Weiterbildung (9,8 Prozent) und politische Einflussnahme auf die Berichterstattung (5 Prozent). Besonders der Zeitdruck hat zugenommen – 88,7 Prozent – also neun von zehn Journalisten - sagen, er ist „deutlich/eher größer geworden“.

Zufrieden mit Recherchemöglichkeiten

Aber es gibt auch Bereiche, an denen die Berufsausübenden wenig auszusetzen haben. So zeigen sich die Journalisten mit den verfügbaren Recherchemöglichkeiten im Großen und Ganzen zufrieden: 78 Prozent bewerten diese als „eher/sehr zufriedenstellend“. Gegenüber 2004 sind die Zufriedenheitswerte in diesem Bereich zumindest nur leicht zurückgegangen (2004: 83,6 Prozent).

40 Prozent wünschen sich bessere Bezahlung

Die persönliche berufliche Perspektive bewerten 40 Prozent rosig. Gegenüber 2004 und 2005 ist der Anteil der Zuversichtlichen um fast ein Drittel gesunken, vor rund zehn Jahren waren es noch zwei Drittel. Eine bessere Bezahlung würden sich 40 Prozent wünschen, immerhin 50 Prozent sind mit ihrem Gehalt aber zumindest eher zufrieden. Speziell in den ersten Berufsjahren zeigt sich hier aber eine deutliche Kluft zwischen Wunsch und Realität. Dennoch würden sich sieben von zehn Befragten (69,3%) rückblickend wieder für den Journalistenberuf entscheiden, wenngleich 2004 noch fast neun von zehn Journalisten so dachten.

Mehr dazu lesen Sie in der nächsten HORIZONT-Ausgabe (4/2016), die am 29. Jänner erscheint.
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