Bertelsmann spielt Komplettkauf von G+J durch
 

Bertelsmann spielt Komplettkauf von G+J durch

"Manager-Magazin": Bertelsmann verhandelt mit Jahr-Familie über Anteilstausch - Sprecher bestätigt Kontakte - Magazin: CEO Rabe spielt auch Wachstumsmöglichkeiten für Random House durch

Der Bertelsmann-Konzern will Europas größten Zeitschriftenverlag Gruner + Jahr ("Stern", "Brigitte") komplett kontrollieren. Das berichtete das "Manager Magazin" am Donnerstag vorab aus seiner neuen Ausgabe und berief sich dabei auf Unternehmenskreise. Demnach verhandle Bertelsmann-Chef Thomas Rabe mit der Familie Jahr über einen Anteilstausch. Die Gütersloher, die bereits knapp drei Viertel der Verlagsanteile halten, planten, dass die Familie ihr Paket von 25,1 Prozent an Gruner + Jahr abgebe und dafür eine direkte Beteiligung an Bertelsmann erhalte. Die Jahrs verlangten mindestens fünf Prozent an Europas größtem Medienkonzern.

Höhere Einsparmöglichkeiten und bessere Kontrolle

Bertelsmann verspreche sich durch die Übernahme aller Anteile höhere Einsparmöglichkeiten und eine bessere Kontrolle in dem immer schwierigeren Geschäft mit Printmedien. Bis Ende Oktober solle eine Einigung erzielt werden, hieß es weiter. Ein Bertelsmann-Sprecher wollte sich zu dem Bericht nicht konkret äußern, bestätigte aber Verhandlungen. "Bertelsmann und die Jahr-Holding als Gesellschafter von Gruner + Jahr befinden sich aktuell in Gesprächen über die Lage und weitere Ausrichtung des Verlags", sagte er.

Gruner + Jahr sitzt in Hamburg und bringt in mehr als 20 Ländern 285 Zeitungen und Zeitschriften heraus. 2011 fuhr das 12.000 Mitarbeiter starke Unternehmen bei 2,3 Milliarden Euro Umsatz einen operative Gewinn von 233 Millionen Euro ein. Das Geschäft ist allerdings schwierig, da die Printauflagen in vielen westlichen Ländern zurückgehen. Um gegenzusteuern, wagte sich das Unternehmen auf Wachstumsmärkte wie China oder Indien und treibt den Ausbau der Digital-Geschäfts voran.

Auf Wachstum will Rabe nach Jahren des Sparens auch den ganzen Bertelsmann-Konzern trimmen. Im Frühjahr hatte er angekündigt, das familiengeführte Unternehmen für Investoren und Geld von außen öffnen zu wollen. Selbst ein Sprung an die Börse ist für Europas größten Medienkonzern möglich. Damit die von Patriarchin Liz Mohn angeführte Eignerfamilie auch künftig das Sagen hat, wurde die extra die Rechtsform des Konzerns geändert. Mitte September legt Rabe auf einer Strategieklausur in Gütersloh zusammen mit seinen Manager den weiteren Kurs fest.

Das Magazin berichtete, Rabe wolle mit weiteren Maßnahmen die Kapitalkraft des Konzerns stärken. So prüfe der Manager, Partner bei den einzelnen Sparten aufzunehmen, etwa bei Random House, der weltgrößten Buchverlagsgruppe. Hier sei eine Zusammenlegung mit Penguin Books im Gespräch, die zur englischen Pearson-Gruppe gehört. Auch Harper Collins sei eine Option, hieß es. Der Bertelsmann-Sprecher wollte dazu nichts sagen. Bertelsmann machte 2011 mit 100.000 Mitarbeitern 15,3 Milliarden Euro Umsatz und 465 Millionen Euro Gewinn. Größter Geldbringer ist die Fernsehgruppe RTL.

(APA/Reuters)
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