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Bertelsmann schließt Druckerei und streicht 1.000 Stellen

Kreise: Druckerei in Itzehoe wird 2014 dichtgemacht - Bertelsmann verordnet Druckereitochter Prinovis Schrumpfkur - Gewerkschaft und Management wollen bald über Sozialplan verhandeln

Die Krise der Druckbranche fordert ihr nächstes großes Opfer. Der deutsche Medienkonzern Bertelsmann schließt seine Druckerei im holsteinischen Itzehoe mit mehr als 1.000 Beschäftigten. Damit fallen bei der Konzerntochter Prinovis - Europas größtem Tiefdruckkonzern - mehr als ein Viertel der 3.800 Stellen weg. Itzehoe, wo der "Spiegel", der "Stern" sowie Kataloge für Ikea und Otto gedruckt werden, arbeite nicht mehr wirtschaftlich, teilte Prinovis am Mittwoch mit.

"Noch nie ist in Deutschland eine so große Druckerei an einem solchen Standort geschlossen worden", sagte Fachbereichsleiter Martin Dieckmann von der Gewerkschaft ver.di dem NDR. Arbeitnehmer und Management wollen nun rasch Verhandlungen über einen Interessenausgleich und eine Sozialplan aufnehmen. Der Betrieb an dem 130 Jahre alten Standort soll in der zweiten Hälfte des kommenden Jahres auslaufen. Itzehoe ist eine der Wurzeln des Bertelsmann-Zeitschriftenverlags Gruner + Jahr.

Auf die Aufträge dürfen sich nun die übrigen Druckereien des Konzerns Hoffnungen machen, die ebenfalls mit schwindender Auslastung kämpfen. Das Unternehmen, an dem auch Axel Springer beteiligt ist, betreibt neben Itzehoe weitere Druckereien im benachbarten Ahrensburg, in Dresden und Nürnberg sowie im britischen Liverpool. Ende 2008 schloss Prinovis bereits seine Druckerei im hessischen Darmstadt.

Prinovis erwartet durch die in der zweiten Jahreshälfte 2014 geplante Schließung nachhaltige Einsparungen von rund 20 Mio. Euro. Dem stünden Restrukturierungskosten in mittlerer zweistelliger Millionenhöhe gegenüber.

In der Druckbranche tobt seit Jahren wegen Überkapazitäten ein harter Preiskampf. Angesichts der steigenden Internet-Nutzung schrumpfen die Auflagen von Zeitungen sowie Zeitschriften und Katalogen. Hochglanzmedien waren traditionell eine Domäne des aufwendigen Tiefdruckverfahrens, auf das der Betrieb in Itzehoe spezialisiert ist. Diese Rolle machen ihm zunehmend Druckereien mit dem billigeren Offset-Verfahren streitig, das in den vergangenen Jahren perfektioniert wurde.

Der Wettbewerb zwang schon einige in der Branche in die Knie. Europas zweitgrößte Druckereigruppe Schlott ging vor zwei Jahren pleite und wurde anschließend zerschlagen. 2008 ging auch der Branchenriese Arquana zugrunde. Unter den Branchenausrüstern sieht es nicht besser aus: Der Druckmaschinenbauer Manroland wurde nach der Insolvenz ebenfalls aufgeteilt. Der Rivale Heidelberger Druck schreibt trotz einer Schrumpfkur seit Jahren Verluste.

(APA/Reuters)
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