Bertelsmann feiert Geburtstag
 

Bertelsmann feiert Geburtstag

Europas größter Medienkonzern wird 175: Ein Jubiläum mit bitterem Beigeschmack.

Bertelsmann in Festtagslaune? Mit einem Mitarbeiterfest in Gütersloh und einem Festakt in Berlin feiert Europas größter Medienkonzern heuer sein großes Firmenjubiläum. „175 Jahre Bertelsmann - das ist eine unternehmerische wie kulturelle Erfolgsgeschichte“, sagte Konzernchef Hartmut Ostrowski am 26. Jänner in Gütersloh. Ein Blick in die Bilanzen des Konzerns spricht allerdings eine etwas andere Sprache. Danach waren die vergangenen zehn Jahre für Bertelsmann ein verlorenes Jahrzehnt. Heute vereint der Konzern unter seinem Dach Europas größten privaten Fernsehanbieter, die RTL Group, den weltgrößten Buchverlag Random House, das Zeitschriftenimperium von Gruner & Jahr (Brigitte, Capital, Geo, Gala) sowie die umsatzstarke Dienstleistungstochter Arvato.

Zurück zu den Anfängen: Am 1. Juli 1835 wurde in Gütersloh der christlich-protestantische „C. Bertelsmann Verlag“ gegründet. Der rapide kommerzielle Aufstieg nahm 1934 mit der Veröffentlichung von Kriegserlebnisbüchern seinen Anfang. Der C. Bertelsmann Verlag wurde zum größten Bücherlieferanten für die Wehrmacht und druckte an Standorten in ganz Europa. Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm Reinhard Mohn das Ruder. Mit dem Bertelsmann-Lesering legte er den Grundstein für den steilen Aufstieg des Unternehmens zu einem der größten Medienkonzerne der Welt.

Doch in den vergangenen Jahren ist der Wachstumsmotor des Gütersloher Familienimperiums ins Stocken geraten. 2008 lag der Umsatz sogar knapp unter dem Niveau des Geschäftsjahres 1999/2000 – im abgelaufenen Geschäftsjahr zeichnet sich wegen der weltweiten Konjunktur- und Werbekrise ein weiterer Umsatzrückgang ab. Erst im Endspurt gelang es dem Konzern wohl noch rote Zahlen in der Bilanz zu vermeiden. Mit Schwierigkeiten kämpft Bertelsmann allerdings schon länger. Einer der Gründe: Die Familie Mohn beschloss 2006, den belgischen Minderheitsaktionär Groupe Bruxelles Lambert für 4,5 Milliarden Euro aus dem Unternehmen herauszukaufen. Damit verhinderte sie einen Börsegang und sicherte sich auch weiterhin uneingeschränkte Macht im Konzern.

Das Problem: Bertelsmann wurde auch eine hohe Schuldenlast aufgebürdet, wodurch die Handlungsmöglichkeiten spürbar eingeschränkt wurden. Darüber hinaus gerieten einst hochprofitable Konzernsparten ins Trudeln und damit auf die Verkaufsliste. So trennte sich Bertelsmann von großen Teilen der kränkelnden Buchclub- und Musiksparte. Neue Wachstumsträger sind bisher rar im Konzern.
Zwar ist Bertelsmann im Begriff zusammen mit dem Finanzinvestor KKR einen neuen Musikrechtevermarkter aufzubauen und übernimmt mit seiner Tochter Arvato für Google und Microsoft wichtige Dienstleistungsfunktionen. Doch reichte dies bisher nicht aus, die durch die Verkäufe entstandenen Umsatzlöcher zu füllen. Trotzdem signalisierte Konzernchef Ostrowski zum Auftakt des Jubiläumsjahres Zuversicht: „Bertelsmann hat in jeder Phase seiner Geschichte die Medien- und Servicemärkte von morgen mitgestaltet und wird dies auch in Zukunft tun“, versprach der Manager.

(Quelle: APA)
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