Bachmann-Preis und Co: Kritik an ORF will nic...
 

Bachmann-Preis und Co: Kritik an ORF will nicht verstummen

Mögliche Einstellung des Wettbewerbs durch den ORF als Hauptthema in Klagenfurt - Österreichische Kultureinrichtungen fordern Sparstift bei "explodierenden Sport- und Unterhaltungskosten"

In der Bachmann-Gemeinde in Klagenfurt summt es aktuell wie in einem Bienenstock. Die ersten Lesungen der 37. Tage der deutschsprachigen Literatur haben heute, Donnerstag, begonnen, dennoch waren vor allem die Sparpläne des ORF das Thema Nummer eins. Kaum eine Stimme vor Ort äußerte Verständnis für die Streichabsichten des Senders im Kulturbereich. Auch ein offener Brief der österreichischen Kunst-, Kultur- und Bildungseinrichtungen erneuerte am Donnerstag die Kritik und richtete einige Forderungen an ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz.

"Nicht viele Literaturpreise mit einem derartigen Bekanntheitsgrad"

Der Juryvorsitzende des Bachmann-Preises, Burkhard Spinnen, postulierte zwei Argumente für eine Weiterführung der Tage der deutschsprachigen Literatur. Zum einen toure er seit 15 Jahren durch deutsche Schulen, und es gebe keine Deutschlehrerin und keinen Deutschlehrer, denen der Bachmannpreis kein Begriff sei. "Es gibt nicht viele Literaturpreise mit einem derartigen Bekanntheitsgrad", sagte Spinnen. Sein zweites Argument: Ein Lektor habe ihm erklärt, warum er so gerne nach Klagenfurt komme. Er könne hier während des Wettbewerbs eine Woche lang Literatur um ihrer selbst willen hören, lesen und diskutieren, ohne bei jedem Satz darüber nachdenken zu müssen, ob sie sich wohl verkaufen werde.

"Das ist ein Schlag ins Gesicht"

Es sei ein Skandal, dass der ORF diesen Wettbewerb als Verhandlungsmasse missbraucht, heißt es immer wieder in verschiedenen Variationen in Klagenfurt. Die Kärntner Kulturschaffenden ärgern sich vor allem über das zeitliche Zusammenfallen des Regierungswechsels in Kärnten mit der in Wien überlegten Abschaffung des Wettbewerbs. "Das ist ein Schlag ins Gesicht all jener, die jahrelang gegen die dumpfe Kulturpolitik in diesem Land gekämpft haben", meinte etwa Verleger Lojze Wieser. Einige jüngere Besucher aus Deutschland wiederum sprachen sich zwar vehement gegen eine Abschaffung aus, würden aber eine Streichung der TV-Übertragung nicht schlimm finden. "Wird ja eh im Internet gestreamt, vor dem Fernseher sitzt doch heute niemand mehr", so ein Nachwuchs-Autor. In der gesamten Diskussionen schwang immer wieder die Hoffnung mit, dass die Streichung letztlich doch nicht kommen werde.

Nicht nur als Hoffnung, sondern als Forderung formulierten unterdessen mehrere österreichische Kulturverbände die Einhaltung des Kultur- und Bildungsauftrags, schließlich sei "der gesamte Kunst- und Kulturbereich betroffen" - von neuen Filmprojekten über den Musikfonds und bis hin zum Bachmann-Preis. "Wir fordern den ORF dazu auf, den Sparstift bei den explodierenden Sport- und Unterhaltungsrechtekosten anzusetzen", heißt es in dem offenen Brief an Wrabetz.

Ob Wrabetz der Einladung von Burkhard Spinnen zum Klagenfurter Wettlesen nachkommt, ist übrigens noch offen: "Wenn es stimmt, dass er nach Klagenfurt kommt, wird er ja wohl nicht mit leeren Händen da stehen", meinte ein Juror. Dass es wirklich die letzten Tage der deutschsprachigen Literatur sein könnten, mochte sich niemand vorstellen. Wrabetz selbst hatte ja zuletzt erklärt, dass das letzte Wort noch nicht gesprochen und der Bachmann-Preis ein "wichtiges Anliegen" sei.

(APA)
stats