Bachmann-Preis: ORF-Kärnten stemmt finanziell...
 

Bachmann-Preis: ORF-Kärnten stemmt finanzielle Hauptlast

Kosten von rund 350.000 Euro - Landesstudio muss 2014 rund eine Mio. Euro einsparen - Protestbrief: "Wir lassen uns die Eliminierung der letzten Reste der Kunst aus den ORF-TV-Programmen nicht gefallen"

Der vom ORF-Sparstift bedrohte Bachmann-Preis (Tage der deutschsprachigen Literatur) wird seit seiner Gründung im Jahr 1977 finanziell hauptsächlich vom ORF-Landesstudio Kärnten getragen. Mit rund 350.000 Euro wurden die Kosten für den ORF zuletzt beziffert. Eine Summe, die das Kärntner Landesstudio bei einem vorgegebenen Sparziel von rund einer Mio. Euro für das Jahr 2014 nicht mehr stemmen kann.

Der Bachmann-Preis fand zwar immer wieder Unterstützer, groß Einsteigen wollte aber in den vergangenen Jahren niemand. Die Landeshauptstadt Klagenfurt richtet etwa alljährlich den traditionellen Bürgermeisterempfang für die Teilnehmer aus und sorgt auch für deren Verpflegung. Das Land Kärnten zog sich vor mehr als zehn Jahren in der Ära des freiheitlichen Landeshauptmanns Jörg Haider völlig vom Wettlesen zurück. Nach der Abwahl der FPK bei der Landtagswahl im vergangenen März kam es jedoch wieder zu einer Annäherung zwischen Literatur und Land. Kärnten beteiligte sich für das Jahr 2013 wieder mit 10.000 Euro am Wettbewerb. Der neue Kulturlandesrat Wolfgang Waldner (ÖVP) kann sich zukünftig auch noch mehr Unterstützung für die Literatur vorstellen.

Beim Wettbewerb gibt es für die Teilnehmer mehrere Preise zu gewinnen. Der eigentliche "Ingeborg-Bachmann-Preis" ist mit 25.000 Euro dotiert und wird von der Landeshauptstadt Klagenfurt gestiftet. Zudem kommt noch der Preis des Kärntner Energieversorgers Kelag mit 10.000 Euro. Der "3sat-Preis" ist mit 7.500 Euro dotiert. Der "Ernst-Willner-Preis" in der Höhe von 5.000 Euro ist von insgesamt 20 Verlagen gestiftet. Zudem kommt noch der Publikumspreis der BKS Bank in der Höhe von 7.000 Euro. Seit 2009 vergibt Klagenfurt noch ein Stadtschreiber-Stipendium in der Höhe von 5.000 Euro, das dem Gewinner des Publikumspreises zusteht.

Warum ausgerechnet der international renommierte Literatur-Wettbewerb den Sparmaßnahmen des ORF zum Opfer fallen soll, blieb vielen ein Rätsel. Proteste dagegen hagelte es jedenfalls aus dem gesamten deutschen Sprachraum. Manch Beobachter meint, dass es der Bachmann-Preis einfach auf die "Geiselliste" des ORF geschafft habe, mit der der Sender gegen die Abschaffung der Gebührenrefundierung kämpft.

Kulturschaffende sehen ORF vor "endgültigem Bankrott"

Österreichische Literaten, Journalisten und Kulturschaffende wollen ein mögliches Ende der Tage der deutschsprachigen Literatur, kurz Bachmann-Preis, nicht hinnehmen. Die vom ORF aus Kostengründen überlegte Abschaffung der Veranstaltung sei eine "unverschämte Provokation und Brüskierung", hieß es am Montag in einer Aussendung von Gerhard Ruiss (IG Autorinnen Autoren) und Fred Turnheim (Österreichischer Journalisten Club). "Wir lassen uns die Eliminierung der letzten Reste der Kunst aus den ORF-TV-Programmen nicht gefallen." Wenn der Sender meine, mit der Übertragung des Opernballs seinen öffentlich-rechtlichen Kulturauftrag zu erfüllen, habe er seinen "endgültigen Bankrott" erklärt.

Die Kosten von 350.000 Euro für den Bachmann-Wettbewerb halten die Kulturschaffenden angesichts von rund 100 Millionen Euro, die der ORF allein für Sportrechte im kommenden Jahr zusätzlich ausgebe, für "lächerlich". Vielmehr gehe es offenbar um quotenträchtigere Programme für andere Zielgruppen und um den Rückzug aus dem Gemeinschaftsprogramm 3sat. Dass sich die ORF-Fernsehdirektorin Kathrin Zechner für "nicht zuständig" erkläre und die Verantwortung dem Kärntner Landesstudio aufbürde, sei "Sparkursmarketing und entspricht nicht der Realität".

"Wir fordern den ORF auf, seine Sport- und Unterhaltungsgelder umgehend auf den Kunst- und Kulturbereich umzuschichten", heißt es in dem Protestschreiben, für das Unterstützer gesucht werden. "Der ORF muss nichts zur noch größeren Bereicherung von internationalen Großveranstaltern im Sport beitragen, er muss keine Ballunterhaltungen lückenlos begleiten, er muss die Grundversorgung mit kulturell hochwertigen Programmen garantieren." Dazu gehöre auch das "musikprotokoll" des "steirischen herbst", aus dem sich der Sender möglicherweise ebenfalls zurückziehen will.

(APA)
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