Auszeichnung: Neuer Gatterer-Preis an Ed Mosc...
 
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Neuer Gatterer-Preis an Ed Moschitz in Sexten verliehen

APA/HERBERT PFARRHOFER
Ed Moschitz
Ed Moschitz

ORF-Journalist wurde für seine beiden "Am Schauplatz"-Reportagen über den Coronavirus-Hotspot Ischgl gewürdigt.

Die neue "Auszeichnung für hervorragenden Journalismus im Gedenken an Claus Gatterer" ist am Donnerstag an den ORF-Journalisten Ed Moschitz verliehen worden. Er wurde in Sexten, dem Geburtsort des Südtiroler Journalisten und Dokumentarfilmers Claus Gatterer, für seine beiden "Am Schauplatz"-Reportagen über den Coronavirus-Hotspot Ischgl gewürdigt. Moschitz forderte in seiner Rede Journalisten im Sinne Gatterers dazu auf, bei den Schwachen genau hinzuhören und hinzuschauen.

Verleihung des Gatterer-Preises

Der Preis ist mit 10.000 Euro dotiert und wird vom Presseclub Concordia sowie der Michael Gaismair Gesellschaft Bozen verliehen. Das Land Südtirol finanziert die Auszeichnung. Gewürdigt werden Arbeiten, die dem Geist aufgeklärter Toleranz sowie der besonderen Sorge um soziale und ethnische Minderheiten verpflichtet sind. Moschitz setzte sich mit den beiden Sendungen "Ischgl im Ausnahmezustand" und "Das große Schweigen" gegen insgesamt 63 eingereichte Beiträge bei der Jury unter dem Vorsitz von Daniela Kraus, Generalsekretärin des Presseclub Concordias, durch.

'Genauer Chronist'

Der Sprecher der Gatterer-Jury, Peter Huemer, bezeichnete Moschitz in seiner Laudatio als "genauen Chronisten". "Er fragt beharrlich, analysiert die wirtschaftlichen Verflechtungen in Ischgl und zeigt, wie es zur Katastrophe kommen konnte", würdigte Huemer den ORF-Journalisten. Für Moschitz gelte jenes Motto, das Claus Gatterer in den Mittelpunkt seiner Arbeit gestellt hatte: "Das Fernsehen verlöre seinen Sinn, wenn es von Ängstlichen für Ängstliche gemacht wird."

Moschitz stieß im Zuge seiner Arbeit für "Ausnahmezustand in Ischgl" auch gegenüber Personen, die ihm kurze Zeit zuvor noch für eine schlussendlich nicht gesendete Reportage zur Verfügung standen, auf Ablehnung. "Der Grund dafür war, dass die Ischgler Bevölkerung nach der Schließung des Paznauntals via E-Mail und Bezirkszeitung angewiesen wurde, nicht mehr mit Medienvertretern zu sprechen", erinnerte sich Moschitz in seiner Rede. Neuigkeiten sollten sich über einen Krisenstab verbreiten.

Kameramann angegriffen

Ischgl funktioniere nicht wie ein idyllisches Bergbauerndorf, sondern sei längst ein professionell agierendes, hochprofitables Unternehmen, das von der perfekten Inszenierung der Alpenregion lebe, meinte er. So soll es auch Interventionsversuche gegeben haben, die allerdings nicht fruchteten. "Ischgl im Ausnahmezustand" wurde von einem Millionenpublikum gesehen.

Monate später kehrte Moschitz nach Ischgl zurück und zeigte das Dorf in der Reportage "Das große Schweigen" in Schockstarre. Nicht ein einziger Hotelier soll seine Türen für ein Interview geöffnet haben. Die Stimmung gegen sein Team sei "durchaus feindlich" gewesen. Ein Kameramann wurde gar tätlich angegriffen.

Da sozial benachteiligte Menschen sich oft in Abhängigkeit anderer befinden, keine PR-Agenturen beschäftigen und schon gar keine Sprechverbote anordnen können, erinnerte Moschitz an ein Zitat von Gatterer: "Im Zweifel auf Seite der Schwachen". In Zeiten der Corona-Krise, die soziale Ungleichheit an vielen Orten verstärkt, aber nicht unbedingt sichtbarer gemacht habe, sei es umso mehr "die Pflicht von Journalisten und Journalistinnen, gerade bei den 'schwachen Leuten' ganz genau hinzuhören und hinzuschauen", so Moschitz, der abschließend seinem Team dankte.

Die Ehrung wurde in Reaktion auf die im Herbst 2019 öffentlich gewordenen Vorwürfe rund um den "Prof. Claus Gatterer Preis", der vom Österreichischen Journalisten Club vergeben wird, initiiert. Der ÖJC soll den Sponsoren ein Vielfaches des Preisgeldes in Rechnung gestellt haben. Die bisherigen Preisträger forderten daraufhin den Rückzug des ÖJC als Organisator der Auszeichnung. Dieser wies die Vorwürfe zurück und hält an der Vergabe des "Prof. Claus Gatterer Preises" fest. Künftig wird es für diesen allerdings kein Preisgeld geben.

Schülerpreis für journalistisches Arbeiten

Im Rahmen der Preisverleihung am Donnerstag wurde auch der "Claus - Schülerpreis für journalistisches Arbeiten im Gedenken an Prof. Claus Gatterer" zum dritten Mal vergeben. Er ging heuer an Maria-Ramona Engl, eine Schülerin der Klasse 3A des Sprachengymnasiums in Sterzing (Südtirol). Die 17-Jährige befasste sich in ihrem prämierten Film "Fast Fashion vs. Second Hand" mit dem Massenkonsum und den Folgen der Fast-Fashion-Industrie in Bayern und Südtirol. Sie erhielt eine Bronzestatuette des Innsbrucker Künstlers Georg Loewit sowie ein einwöchiges Praktikum beim ORF in Wien.

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