Auszeichnung: Hochner-Preis für Martin Thür
 
ORF / Thomas Ramstorfer
Ein Nachfolger von Robert Hochner wird mit dem nach der "ZiB 2"-Legende benannten Preis bedacht.
Ein Nachfolger von Robert Hochner wird mit dem nach der "ZiB 2"-Legende benannten Preis bedacht.

Nach dem Concordia-Preis zweite Ehrung innerhalb einer Woche. Das ORF-Korrespondentenbüro in Moskau wurde mit einem Sonderpreis  bedacht.

Der Robert-Hochner-Preis 2022 geht an den ORF-Journalisten Martin Thür. Er überzeugte die Jury laut einer Aussendung durch seine akribische Arbeit, persönlichen Mut und konsequent geführte Interviews. Ein erstmals zusätzlich vergebener Sonderpreis geht an die ORF-Journalistinnen und -Journalisten Paul Krisai, Carola Schneider und Miriam Beller für ihre Arbeit im Korrespondentenbüro in Moskau. Die Verleihung findet am 30. Mai statt.


Robert-Hochner-Preisträger sollen sich durch "kritisches Denken, Courage und hohe Fachkompetenz" auszeichnen. Thür habe diese Qualitäten im vergangenen Jahr auf herausragende Weise erfüllt, befand die Jury u. a. mit Hochners Witwe Clarissa Stadler und Presse-Journalistin Anna Wallner. Auf exemplarische Weise habe er dies im Zuge eines "ZiB2"-Interviews mit dem früheren Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) am 6. Oktober nur wenige Stunden nach Bekanntwerden der Ermittlungen gegen den Politiker unter Beweis gestellt. "Thür war gut vorbereitet, ließ sich vom Kanzler nicht ablenken und blieb konzentriert bei den vorliegenden Vorwürfen der WKStA" - rückblickend betrachtet "eine journalistische Sternstunde in politisch turbulenten Zeiten", würdigte die Jury Thür, der erst vergangene Woche mit dem Concordia-Preis in der Kategorie Pressefreiheit ausgezeichnet wurde.

Korrekt trotz Strafandrohung

Der erstmals vergebene Sonderpreis zeichnet journalistische Arbeit unter widrigsten Bedingungen aus. Schneider, Krisai und Beller sei es gelungen, Beiträge und Analysen aus und über Russland zu liefern, die dem Publikum ein besseres Verständnis der Vorgänge in einer kriegsführenden Diktatur ermöglichten - und das trotz Strafandrohung bei korrekter Berichterstattung über den Ukraine-Krieg. Schneider und Krisai blieben in Moskau, obwohl viele internationale Medien wie CNN, BBC oder ARD ihre Berichterstattung zeitweise aufgrund der neuen gesetzlichen Lage ausgesetzt hatten. Das ORF-Büro in Moskau zeichne sich aber schon seit Jahren durch kritisches Denken und couragierten Journalismus aus, womit ein vielschichtiges Bild des Landes und seiner zunehmend autoritären Politik gezeichnet worden sei, so die Jury.

Der mit 7.500 Euro dotierte Robert-Hochner-Preis wird heuer zum 18. Mal vergeben. Benannt nach dem jahrelangen ORF-Anchorman wird die Auszeichnung für politische Berichterstattung in Radio und Fernsehen verliehen. Die Prämierung erfolgt am 30. Mai durch Bundespräsident Alexander Van der Bellen. Auslober ist die Journalistengewerkschaft, Sponsor des Preises ist der Verbund. Im Vorjahr erhielten Puls 4-Moderatorin Alexandra Wachter und Elke Ziegler aus der Ö1-Wissenschaftsredaktion die Auszeichnung. Der Sonderpreis ist mit 5.000 Euro dotiert.

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