Austria Video­plattform: Die erste Bilanz
 

Austria Video­plattform: Die erste Bilanz

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Clemens Pig, Vorsitzender der APA-Geschäftsführung, zeigt sich unter anderem mit dem Verlauf der Abrufe zufrieden.
Clemens Pig, Vorsitzender der APA-Geschäftsführung, zeigt sich unter anderem mit dem Verlauf der Abrufe zufrieden.

Neben dem ORF konnten auch Privatsender an Bord geholt werden. Die monatlichen Abrufzahlen könnten noch diesen Monat die Millionengrenze erreichen.

Dieser Artikel ist zuerst in Ausgabe Nr.42 des HORIZONT erschienen. Noch kein Abo? Hier klicken!

Seit neun Monaten ist die Austria Videoplattform im Echtbetrieb. Die Idee der Plattform: Bewegtbildanbieter stellen Videos zur Verfügung, die Onlineportale nutzen können. Finanziert wird die Plattform im Wesentlichen durch Erlöse aus Online­werbung. „Dass über das Gefäß der APA Inhalte der Medien für Medien ausgetauscht werden und die Werbefinanzierung über eine Realtime-Bidding-Plattform erfolgt, ist österreichweit ein einzigartiges Projekt. So etwas braucht Zeit, dass es sich etablieren kann“, sagt Clemens Pig, Vorsitzender der APA-Geschäftsführung. Gegenüber HORIZONT zieht Pig erste Bilanz, kündigt die nächsten Schritte an und verrät, wie viel Zeit er dem Projekt gibt, um sich zu etablieren. Zum Start waren mit dem ORF und autotouring.at zwei Content-Provider und elf Content-Bezieher an Bord. Beide Listen haben sich mittlerweile deutlich erweitert. Die Privatsender winkten noch im Herbst des Vorjahres geschlossen ab und erklärten, keine Videos liefern zu wollen. Heute sieht das bereits ganz anders aus: ServusTV konnte in der Zwischenzeit als Content-Provider gewonnen werden, mit Puls 4 läuft aktuell ein Testbetrieb. Weiters nehmen von den Privatsendern Ländle TV, RTS-Salzburg und Tirol TV teil. Als Grund für ihre Nichtteilnahme führten die Privatsender – allen voran Puls 4, ATV und ServusTV – damals an, dass kein anderer Sender als der ORF die geforderte Fülle an Videos pro Tag liefern könne. „Für Content-Provider, die zum Launch der Plattform eine besonders hohe Zahl an Beiträgen zur Verfügung stellten, gab es eine spezifische Bonifikation, die mit den Werbeerlösen gegenverrechnet wurde. Aber um grundsätzlich an der Plattform teilnehmen zu können, ist keine Mindestmenge an Videos notwendig“, betont Pig. Daneben konnten auch die beiden Styria-Töchter Kleine Zeitung und die Styria Content Creation, Heute, OE24 sowie die Südtiroler Verlagsgruppe Arthesia als Content-Provider gewonnen werden. Im Hinblick auf Content-Bezieher war die Liste bereits von Beginn an fast vollständig. Fast. Die Kronen Zeitung findet sich nach wie vor nicht in der Liste, um diese doch noch zu gewinnen, würden Gespräche geführt. „Wir vertrauen auch hier auf die Dynamik: Je mehr Abrufe die Plattform hat, desto höher werden die Werbeerlöse sein und desto interessanter wird die Plattform auch für jene Player, die sehr auf die eigene Videoberichterstattung und -vermarktung fokussiert sind“, so Pig. Denn ab einem „bestimmten Niveau“ werde man zukünftig nicht an der Austria Videoplattform „als sehr gute Erlösquelle“ vorbeikommen. Zufrieden mit Abrufszahlen Zufrieden zeigt sich der APA-Chef mit dem Verlauf der Abrufe: „Im aktuellen Monat zählen wir bereits zwei Tage mit über 80.000 Abrufen und stehen Mitte des Monats bereits bei gesamt mehr als 650.000. Wir sind also zuversichtlich, dass im Oktober erstmals die Millionengrenze überschritten wird.“ Die mit 49.376 meisten Abrufe hatte bisher das ORF-Video „Erwin Pröll (ÖVP) über die Pröll-Stiftung“. Der ORF stellt der Plattform ausschließlich eigenproduzierte Videos zur Verfügung und ist nach wie vor jener Content-Provider, der die meisten Inhalte bereitstellt. Die Videos sind dort ebenso lange wie in der ORF TVthek selbst verfügbar – derzeit sind das sieben Tage. Auch die Content-Bezieher können die Videos auf ihren Onlineportalen nur in diesem Zeitraum verwenden. Auf Kritik seitens der Content-Bezieher stößt – insgesamt, nicht nur auf den ORF bezogen – dass ausschließlich gesendetes Material bereitgestellt wird, wobei hier zu erwähnen ist, dass es dem ORF aus rechtlichen Gründen gar nicht anders möglich wäre. „Die Entscheidung, ob ungesendetes Material in die Plattform eingespielt wird, liegt ausschließlich beim Content-Provider. Seitens APA gibt es hier keine Einschränkungen.“ An der Weiterentwicklung der Plattform werde permanent gearbeitet: Kürzlich ist es gelungen, ORF-Spezialformate anlässlich der Nationalratswahlen und die Society-Sendung Seitenblicke auf der Plattform verfügbar zu machen. Zudem wurden neue Features ausgerollt – so sind etwa Untertitel bei ORF-Sendungen, bei denen diese verfügbar sind, nun einbindbar. Erlöse aus Onlinewerbung Finanziert wird die Austria Videoplattform im Wesentlichen durch Erlöse aus Onlinewerbung. Die Inhalte werden zentral von der APA über eine Realtime-Bidding-Plattform, auf der alle Marktteilnehmer Werbefläche in Form von Spots einbuchen können. Rahmenvereinbarungen gibt es mit einigen relevanten Mediaagenturen, aber auch direkt mit Großkunden. Der Floorpreis (TKP) liegt bei 35 Euro. Das Modell basiert auf einer Erlösteilung von 50 zu 50 von den Werbeerlösen nach Abzug der Betriebskosten. Die Klickraten der Pre-Rolls liegen seit Beginn bei durchschnittlich sechs Prozent. In Summe werde das Projekt laut dem APA-Chef zwei Jahre brauchen, um sich vollständig zu etablieren. Als Ziele für das verbleibende und kommende Jahr nennt er die Akquise von weiteren Content-Providern und Content-Beziehern, die Verbesserung des Services und das Gewinnen neuer Partner aus der Werbewirtschaft. Auf Sicht werde es auch gelingen, „die betriebswirtschaftlichen Erwartungen an diese Plattform zu realisieren“, die da wären: Die APA soll mit Jahresende 2017 ausgeglichen bilanzieren, die Verlage durch die Plattform eine sinnvolle Erlösquelle erschließen. „Was unsere Aufwände betrifft liegen wir sehr gut im Plan, können von einem sehr zufriedenstellenden erstem Jahr sprechen und mit Jahresende ausgeglichen bilanzieren“, so Pig.
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