Aufreger: Impfprivileg für den ORF?
 
Aufreger

Impfprivileg für den ORF?

David Bohmann
Öffentlich-rechtlicher Rundfunk sieht sich besonders schützenswert.
Öffentlich-rechtlicher Rundfunk sieht sich besonders schützenswert.

Laut internem ORF-Mail von Generaldirektor Alexander Wrabetz sollen Mitarbeiter des öffentlich-rechtlichen Senders plus Angehörige in einem frühen Stadium gegen Corona geimpft werden. Das führte zu Empörung im Netz. Der ORF bezieht nun erstmals Stellung zu den Vorwürfen.

Erhält der ORF ein Impfprivileg bei den bevorstehenden Impfreihen gegen Covid-19 oder macht der frühe Schutz der ORF-Mitarbeiter Sinn in einem infrastrukturkritischen Unternehmen? Das Bekanntwerden eines internen Mails von Generaldirektor Alexander Wrabetz u. a. via Zackzack.at, in dem er eine solche Durchimpfung der eigenen Mitarbeiter andeutet, führte zu heftigen Reaktionen in Social Media - wie immer wenn ORF-Privilegien in Diskussion stehen. Konkret formulierte Wrabetz das wie folgt: "Diese allgemeinen Testreihen werden wir in den Betriebsstätten bis zur Terminisierung der 'Covid-19-Impfung' wöchentlich fortführen. Ich beabsichtige, dass alle ORF-Angebote in den Angelegenheiten 'Test und Impfung' auch den im gemeinsamen Haushalt lebenden Angehörigen und ab 7. und 8. Jänner auch unseren Auftragnehmer/innen und Dienstleister/innen angeboten werden und zur Verfügung stehen. Je dichter und enger der 'Schutzring' um unsere Mitarbeiter/innen ist, desto höher ist der Schutzfaktor."

Was übersetzt so viel heißt wie: ORF-Mitarbeiter plus Angehörige könnten früher Schutz erhalten als der Großteil der Bevölkerung, unabhängig von Alter, Risikogruppe oder ihrer Funktion zur Aufrechterhaltung des Sendebetriebes. Der Hintergrund ist klar: Der öffentlich-rechtliche Rundfunk zählt wie rund 400 andere Unternehmen zur kritischen Infrastruktur des Landes (u. a. Telekommunikationsunternehmen), die besonders schützenswert sind. Laut nationalem Impfplan wären Mitarbeiter dieser Unternehmen in Phase zwei ab Februar gegen Covid zu impfen.

ORF: 'Frühe Impfmöglichkeit erstrebenswert'

Im ORF selbst betont man auf HORIZONT-Anfrage, dass die Frage, "wer wann geimpft wird, ausschließlich die Bundesregierung in der nationalen Impfstrategie auf Basis der Empfehlungen des Impfgremiums" festlege. Und: "Nach Aussage der zuständigen Behörden werde derzeit österreichweit eruiert, in welchen größeren Unternehmen man betriebsärztliche Strukturen nützen könnte, um damit die Impfung am Arbeitsplatz anbieten zu können." Als kritische Infrastruktur und unbestrittene Hauptnachrichtenquelle der Österreicherinnen und Österreicher sei der ORF bemüht, sich in den Dienst dieser niederschwelligen und dezentralen Test- und Impfstrategie zu stellen und seine Strukturen dahingehend seinen Mitarbeitern, aber auch Kollegen anderer heimischer Medienbetriebe bereit zu stellen. Und der ORF in seiner Stellungnahme weiter: "Selbstverständlich wäre deshalb auf Basis der nationalen Impfstrategie eine möglichst frühe Impfmöglichkeit für die Mitarbeiter/innen der kritischen ORF-Infrastruktur (Technik, Journalisten, etc) erstrebenswert. In welcher der späteren Impftranchen dies umsetzbar ist, wird jedoch erst der nationale Impfplan zeigen."

Im Gesundheitsministerium will man vorerst nichts von den genauen Absichten des ORF gewusst haben. 
Auf Zackzack-Nachfrage meinte Clemens Auer, umstrittener Covid-Sonderbeauftragter, er hätte nicht mit dem ORF verhandelt. Diese Gespräche hätte der "Logistikpartner", das Verteidigungsministerium, geführt - wo man die Aussage jedoch nicht bestätigen konnte. Eines jedoch wisse Auer: Bei dem ORF-Deal handle es sich lediglich um eine unverbindliche Zusage des Gesundheitsministeriums. Ein Widerspruch in sich. Und: Anders sei das gar nicht möglich, "weil es keine Detailplanung gibt". Die Impfung von Familienmitgliedern von ORF-Mitarbeitern sei in den Gesprächen jedenfalls "kein Thema" gewesen.

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