Aufbau Verlag ist pleite
 

Aufbau Verlag ist pleite

Das 1945 gegründete Traditionshaus geht am 1. September 2008 in Insolvenz – Verleger und Insolvenzverwalte suchen nach einem Investor.

Der Verleger Bernd F. Lunkewitz und der vorläufige Insolvenzverwalter Joachim Voigt-Salus einigten sich auf einen gemeinsamen Verkauf des Aufbau-Verlages. Die Unternehmensberatung Roland Berger sei mit der Suche nach einem Investor beauftragt worden. Der Streit zwischen Lunkewitz und der deutschen Bundesregierung wegen der angeblich unrechtmäßigen Privatisierung des einstigen DDR-Verlags werde nach Angaben des Verlages von der Einigung aber nicht berührt. Der Vergleich sehe nun vor, dass der gesamte Geschäftsbetrieb mit allen Vermögenswerten verkauft wird. Bislang schreckte vor allem die schwierige Rechtslage potentielle Käufer ab. Dies seit laut Verlagsgeschäftsführer Tom Erben nun vorbei.  Weiterhin strittig ist, welche Rechte von der Insolvenzmasse und welche von Lunkewitz als Gesellschafter beansprucht werden können. So vertritt Voigt-Salus die Auffassung, dass die nach 1992 erworbenen Rechte, Haftungsmasse der Gläubiger sei.

Der Aufbau-Verlag war seit der Gründung 1945 durch den Kulturbund der bedeutendste Verlag der DDR.  Lunkewitz hatte 1991 den Verlag von der Treuhandgesellschaft übernommen. Der Bundesgerichtshof hatte nach langem Rechtsstreit im März 2008 entschieden, dass die Treuhand das Unternehmen nicht hätte verkaufen dürfen, weil es nicht dessen Eigentümerin war. Vielmehr sei nach der Wende der Kulturbund im Besitz des Verlags geblieben, bis er 1995 an Lunkewitz verkauft wurde. Dieser verklagte danach die Treuhand-Nachfolgerin BvS, weil sie ihm eine "vermögenslose Hülle" verkauft habe. Diese Auffassung bestätigte auch der Bundesgerichtshof im März 2008. Die BvS und das Bundesfinanzministerium erkannten Forderungen in Höhe von zunächst rund 50 Millionen nicht an. Nachdem Lunkewitz das Verlagsdefizit mit seinem Vermögen nicht mehr decken wollte, stellte die Aufbau Verlagsgruppe GmbH am 30. März 2008 Insolvenzantrag.


(Quelle: APA)

stats