Auf der Spitze des Stephansdoms
 

Auf der Spitze des Stephansdoms

Radio Stephansdom schnappte sich Sebastian Watschinger, Client Service UM PanMedia, und Yvonne Widler, HORIZONT-Redakteurin, und schickte sie auf 140 Meter Höhe, um den Steffl zu besteigen

„Wenn du ins Seil fällst, wirst du dir mindestens einen Knochen brechen“, das waren die letzen Worte vor dem Aufstieg. Gesagt hat Sie der nette junge Herr, den ich einfach als Herrn Steffl bezeichnen werde. Also beschreiten Sebastian Watschinger, Client Service UM PanMedia, Herr Steffl, ein anderer Herr Steffl, beides Stephansdom-Mitarbeiter, und ich das Innere des Südturms. Zuerst – ganz unproblematisch – die 343 Stufen, die die meisten ja kennen. Oben, dann zugegebenermaßen doch etwas außer Atem, kommen wir dahin, wo sonst kein Tourist mehr hinkommt, also nur in Ausnahmefällen wie diesem. Vor uns erstreckt sich eine eiserne, schmale Wendeltreppe, ziemlich filigran und wackelig, in Richtung Turmspitze.

Normalerweise wäre mir hier schon schwindlig geworden, aber wenn man weiß, was noch auf einen zukommt, kann man nicht hier schon die Nerven wegschmeißen. Also rauf. Nach dieser Wendeltreppe gelangen wir durch einen engen Durchgang in einen Raum. Ich wage einen Blick, und ja, wir sind schon sehr weit oben. Ich dachte, dieses “Angstloch“, quasi die Pforte ins Freie, wäre hier irgendwo versteckt. Doch falsch gedacht. Das ist lediglich unsere Garderobe, denn hier legen wir das Klettergeschirr, Helme und Handschuhe an. Ich denke mir: Wie weit kann es denn noch sein, bis wir endlich da oben sind, wo es eigentlich erst anfängt? Genau gesagt noch zwei Holzleitern weit. Eine so ungefähr fünf Meter hoch, festgeschnürt und angenagelt an Brettern im Inneren der Kirchturmwand, ab und zu fehlen Holzsprossen, die durch runde Metallstangen ersetzt wurden, und sich durchdrehen, wenn man darauf steigt.

„Geht das?“

120 Meter über dem Boden geht es draußen weiter. Herr Steffl, der größere der beiden, öffnet eine kleine Eisentüre, die einen halben Meter hoch und vielleicht 40 Zentimeter breit ist. „Da geht’s raus!“ Nun wird mir klar, warum die Öffnung „Angstloch“ heißt. Herr Steffl kniet sich hin, dreht sich seitlich und zwängt sich  kniend und leicht seitlich gedreht durch die kleine Öffnung ins Freie. Sprich, wenn man da durch kriecht, blickt man auf allen Vieren gleich mal in die Tiefe. Ich bücke mich, blicke hinaus und sehe eine kleine Trittfläche. Da ist nichts mehr, das einen schützt. Ein dünner Metallzaun umringt die Mini-Plattform, aber mehr ist da nicht. Mein Herz beginnt zu klopfen und mein Mund wird trocken. Plötzlich höre ich eine Stimme von draußen und sehe durch das Loch eine Hand, die mich auffordert, nachzukommen. Mir entfleucht ein Kraftausdruck. Übrigens nicht der Einzige, aber das würde den Rahmen hier sprengen. Ich gebe mich cooler, als ich bin und mache es Herrn Steffl nach.

Ich wurstle mich durch die Öffnung. „Aufstehen, wir müssen dich anhaken.“ Ich blicke auf die Kirchturmwand und werde an dem Seil angehängt. Der eine Herr Steffl hat mittlerweile auf der kleinen Umrahmung der Trittfläche, die ungefähr auf Hüfthöhe war, Platz genommen, mir wird mulmig, wenn ich ihn da oben stehen sehe. Er fordert mich auf, hinauf zu blicken und fragt: „Geht das? Sie müssen jetzt sagen, ob Sie das machen können.“ Ich sehe eine schmale eiserne Leiter, befestigt am Sandstein der Kirche, schmale Bügel. Ich schaue sie gar nicht wirklich an und sage „Ja“. Er klettert vor, ich blicke ihm nach, sehe ich ihn schon bald nicht mehr. Es sind ungefähr 20 Meter zu erklimmen.

Los geht‘s

Dann plötzlich der Schrei von oben. „Du kannst loslegen“, sagt Herr Steffl neben mir. Und ich weiß gar nicht wie. Denn die Leiter hat erst auf Kopfhöhe begonnen und ich realisiere, dass ich mich nun auch auf diesen Zaun stellen muss, um von dort auf die Leiter zu steigen. Mit jedem Meter, den ich an Höhe zurücklege, wird der Wind etwas stärker, meine Hände verschwitzter und meine Gebete und Selbstgespräche armseliger. Ich stelle fest, dass nach ungefähr fünf zurückgelegten Metern eine sehr unangenehme Stelle auf mich zukommt. „Das glaub ich jetzt nicht“, denke ich mir. Nein, das wäre gelogen, ich  habe es laut gesagt, das und den ein oder anderen Kraftausdruck gleich drangehängt. Die Steigbügel begeben sich nämlich in einen auffälligen Überhang, der mich wenig amüsiert.  Ich stelle mir vor, wie ich mit dem Fuß den Halt verliere, dann dort baumle. Das geht gar nicht - denke ich mir. Weiterklettern und weiterschwitzen. Etwas Zeit vergeht, bis ich fast am Ziel bin und ich höre die Stimme von Herrn Steffl ober mir. „Stehen bleiben“, ruft er aus ungefähr drei Meter Entfernung. Ich blicke zu ihm hinauf. „Lächeln“, und schon hat er ein Foto geschossen. Was sich dieser Herr Steffl immer einfallen lässt.

Ist das nicht schön?

Oben angelangt, zwänge ich mich durch die Gitterstäbe der kleinen Plattform, die die Turmspitze umringt. Ja, wir sind wirklich auf der Spitze des Stephansdoms. Der Wind bläst und ich kann Wien das allererste Mal aus der Vogelperspektive sehen. Während ich mich da oben aklimatisiere und eine sehr verkrampfte Haltung einnehme, gibt Herr Steffl das Startsignal nach unten weiter. Sebastian ist nun an der Reihe. Ich gebe zu, er war weitaus schneller oben als ich, aber es soll an dieser Stelle auch erwähnt werden, dass er begeisterter Sportkletterer ist. Ich hingegen habe es eigentlich nicht so mit Höhen, und vor allem nicht mit Tiefen. Sebastian ist nun oben bei uns angekommen und überwältigt von der Aussicht. Mittlerweile kann auch ich den Blick genießen und ja, es war einfach überwältigend.Nachdem wir ein paar Fotos geschossen haben, folgt der Abstieg, auf den ich mich nicht wirklich gefreut habe, aber die Möglichkeiten, um wieder runter zu kommen, waren rar. 

Als wir nachher noch alle zusammensitzen, frage ich Sebastian Watschinger, warum er hier eigentlich mitgemacht hat. „Das war ein Gewinnspiel von Radio Stephansdom. Die beste Begründung, warum man da rauf will, hat gewonnen.“ Ich frage ihn, was er denn als Argument genannt hätte. „Weiß ich nicht mehr.“
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