ATV-Verkauf: Das sagen die Vermarkter und Med...
 

Als wahrscheinlichster Käufer gilt die ProSiebenSat.1-Gruppe. HORIZONT hat sich umgehört, was das für die Branche bedeuten würde.

Der neue Eigentümer wird jedenfalls den österreichischen TV-Markt verändern. Schon jetzt ist die ProSiebenSat.1-Gruppe - nach Bruttowerbevolumen - größter Player am TV-Werbemarkt und laut Marktanteilen zweitstärkste Gruppe nach dem ORF in der Zielgruppe 12+. Wird nun auch ATV Teil der Gruppe, würde dies die Marktposition stärken. "Für uns wäre das natürlich ein Szenario, das nicht zu den bevorzugten zählt", sagt etwa RTL-Vermarkter Walter Zinggl und ergänzt: "Das wäre eine Konstellation, die auch für den Werbemarkt etwas vollkommen Neues ist und es wird spannend sein, zu sehen, wie sich der Markt auf diese Konstellation einstellt", so der IP-Österreich-Geschäftsführer. Peter Lammerhuber, Chef der größten österreichischen Mediaagentur-Gruppe GroupM, sieht weniger Player am Markt nicht als zwingend relevant für die Media­planung an. Nicht der Eigentümer, sondern die programmliche Gestaltung sei von Bedeutung. "Es kommt also stark darauf an, was ein allfälliger Eigentümer mit dem Programm vorhat. Es wird weiter nur auf die Performance ankommen. Aber: Die IP hat gemeinsam mit der Mediaprint an einem Angebot gebastelt. Für den Markt wäre es ausgewogener, wenn man mehrere gleich starke Player hätte", so Lammerhuber. Die angesprochene Kronen Zeitung ist 50-Prozent-Eigentümer der IP Österreich, des größten privaten Konkurrenten der ProSiebenSat.1-Gruppe.

Auch Mediacom-CEO Joachim Feher sieht die künftige inhaltliche Positionierung des Senders als maßgeblich an. Bei einem Kauf durch die ProSiebenSat.1-Gruppe wäre eine Veränderung der Spotpreise aus seiner Sicht wahrscheinlich: "Ich glaube, dass es zunächst keine unmittelbaren Auswirkungen geben wird - sicherlich wird dadurch die ProSieben-Gruppe für den Sendermix im TV bedeutender. Aber sowohl IP wie auch der ORF werden sich keinesfalls kampflos Anteile wegnehmen lassen, sodass es sogar zu einem kurzfristigen Sinken der TKP kommen kann. Mittelfristig werden die Preise aber leider sicherlich steigen." Solch ein Zusammenschluss würde auch bedeuten, "dass die IP-Gruppe noch deutlicher hinter ProSieben zurückfällt", so Feher.

Wird ATV an die ProSiebenSat.1-Gruppe verkauft, prognostiziert auch Andreas Weiss, CEO des Dentsu Aegis Network, Veränderungen im Markt: "Weitere Konsolidierung, weniger Wettbewerb, weniger Vielfalt im Programm", umreißt er die Auswirkungen auf den TV-Markt und befürchtet, dass die Spotpreise steigen werden, "da zum einen die Nachfrage grundsätzlich groß ist und zum anderen der Wettbewerb geringer".

HORIZONT hat auch beim ORF nachgefragt. Von Seiten des Öffentlich-Rechtlichen wollte man die Causa allerdings nicht kommentieren, "solange es dazu keine verbindlichen Informationen und Klarheit über allfällige behördliche Auflagen in dem Zusammenhang gibt", lässt die Pressestelle auf eine Anfrage an Generaldirektor Alexander Wrabetz hin ausrichten.
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