ATV droht mit Auslagerung ins Ausland
 

ATV droht mit Auslagerung ins Ausland

Der Privat-TV-Sender fühlt sich von der Regierung allein gelassen und zieht daher eine Auslagerung der Sendeabwicklung nach Deutschland in Betracht.

ATV-Pressesprecherin Alexandra Damms bestätigte heute gegenüber der APA, dass der österreichische Privatsender ernsthaft erwäge, einzelne Bereiche wie etwa die Sendungsabwicklung, nach Deutschland auszulagern. Dort ist ATV-Eigentümer Herbert Kloiber mit seiner Tele München Gruppe stationiert. Die Wirtschaftskrise, Einbrüche auf dem Werbemarkt und vor allem die österreichische Politik, die den heimischen Privatsendern ihre versprochene Medienförderung versage, werden als Gründe für einen möglichen "Abzug von Wertschöpfung aus Österreich" angegeben. In einem Interview gegenüber HORIZONT zu Jahresbeginn (Ausgabe 5 vom 30. Jänner) ließ ATV-Chef Ludwig Bauer bereits anklingen, wie wichtig Medienförderung für den Fortbestand heimischer Privat-TV- und -Radiobetreiber sei.


Detailpläne gäbe es von Seiten ATV aber noch nicht. Damms: "Der Ball liegt bei der Politik." Wenn die Regierung die Privatsender allein lasse, müssten sich diese anderweitig nach Sparpotenzial umsehen. ATV beschäftigt derzeit 110 fix angestellte Mitarbeiter - mittelbar und unmittelbar arbeiten Damms zufolge bis zu 500 Österreicher für den Sender.







Die heimischen Privatsender warten seit Jahren auf eine Medienförderung. Zuletzt wurde diese mit 20 Millionen Euro beziffert. Im Koalitionsabkommen der aktuellen Regierung hieß es, die Medienförderung soll "unter Berücksichtigung neuer Finanzierungsformen" geprüft werden. Spätestens bei der Budgetrede am 21. April dürfte feststehen, ob es demnächst zu einer solchen Subvention kommt.

Den Privaten werde bereits jetzt indirekt geholften, heißt es hingegen aus dem Büro von Medienstaatssekretär Josef Ostermayer mit Verweis auf den Film- und Fernsehfond, der heuer eine "klare und spürbare" finanzielle Aufstockung erhält. Ferner habe Österreich "als eines der ersten Länder in Europa den ersten Teil der Richtlinie für audiovisuelle Medien bereits umgesetzt, um gerade diesem Sektor zu helfen", so Ostermayer-Sprecher Marcin Kotlowski. "Wir helfen den Privatmedien also in dem Rahmen, der uns angesichts der Entwicklung der Wirtschaft mögich ist."

(Quelle: APA)
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