Ars Electronica: Kurz-Interview
 

Ars Electronica: Kurz-Interview

Daniela Krautsack interviewte Mathias Jud und Christoph Wachter, Preisträger "The Next Idea".

Mit dem von der voestalpine gesponserten Preis "The Next Idea" wurden die Schweizer Christoph Wachter und Mathias Jud für ihr Projekt Qual.net - tools for the next revolution ausgezeichnet. Die Arbeit hinterfragt bestehende Kommunikationspfade und zeigt mögliche Alternativen auf. Was passiert, wenn Machtapparate totalitärer Staaten oder schlichtweg Naturkatastrophen zu einem langanhaltenden Stromausfall führen? Darauf wollen die Künstler eine Antwort geben und bedienen sich dabei etwa eines offenen Kommunikationsprinzips, in dem Computer oder WLAN spontane Netzwerke bilden können. Chat- oder Twitterfunktionen wird dann unabhängig von Internet und Mobilfunk möglich. Vernetzung ohne Kontrolle liegt der Innovation  zugrunde.

Daniela Krautsack: Worum geht es bei qaul.net?


Mathias Jud: Wir alle besitzen Laptops und Mobiltelefone, die WIFI fähig sind und sich miteinander verbinden können. Mit der Software, die wir open source anbieten, sollen immer mehr Menschen ohne Kontrolle durch Regierungen kommunizieren können. Die Hoffnung, die wir mit dem Projekt verbinden ist, ist dass es uns als Entwickler nicht mehr braucht. Also, dass es von der Community getragen wird. Wir wissen nicht, wie viele Leute qual.net benutzen, weil alle user, die die Software herunterladen, diese selber wieder weitergeben, dadurch in die Welt hinaustragen und irgendwo weiter entwickeln.

Daniela Krautsack: Wie funktioniert das System technisch betrachtet?

Christoph Wachter: Die Wlan-Karten haben verschiedene Modi. Die haben zum einen den Client-Modus, den wir normalerweise benutzen. Das heißt, wo man sich mit einem Access-Point verbindet. Der Client ist der, der die Verbindung bezieht und man kann dann ausschließlich über diesen Access-Point kommunizieren. Und dann gibt es den ad hock-Modus, wie man das nennt. Das ist eine andere Einstellung in der Karte. Und da kann man sich mit verschiedenen Personen gleichzeitig verbinden. Hier befindet man sich eigentlich in einer so genannten ‚Wolke‘ und kann mit allen gleichzeitig sprechen, die auch in diesem Modus sind. Aufbauend darauf gibt es ein Routing-Protokoll: Das heißt, dass - normalerweise kann man nur mit denen sprechen, die man direkt sieht. Über dieses Routing-Protokoll werden die Daten-Pakete an alle anderen im Netzwerk weitergeroutet. Es genügt, wenn jemand einfach irgendwo Access zu dieser Wolke hat, damit er mit den anderen kommunizieren kann, aber man muss ihn nicht direkt sehen. Dadurch kann man ein flächendeckendes Netz aufbauen.
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