Ars Electronica: Interview mit Julius von Bis...
 

Ars Electronica: Interview mit Julius von Bismarck

Daniela Krautsack, Cows in Jackets, sprach mit dem deutschen Künstler Julius von Bismarck.

Daniela Krautsack: Dein Artist-in-Residence Aufenthalt in CERN war sicher eine Wahnsinnserfahrung. Wie wird Dich das bei der Kreation Deiner neuen Arbeiten beeinflussen?

Julius von Bismarck: "Es hat meinen Blick auf die Welt verändert. Und mein Blick auf die Welt ist das, was zu meinen Arbeiten führt. Demnach glaube ich, dass es einen gravierenden Einfluss auf meine Arbeiten haben wird. Vielleicht ist es nicht in jeder Arbeit und in jedem Detail zu sehen. Bei dieser Arbeit hier ist es offensichtlicher - in anderen Arbeiten vielleicht nicht so. Aber es hat mich als Person verändert und hat demnach einen Effekt auf meine Arbeiten". In seiner Installation 'Versuch unter Kreisen', die Julius im OK Center in Linz austellt, lässt er vier Hängelampen in mathematisch berechneten zyklischen Kreisen schwingen. Jedes Licht folgt dabei einer bestimmten Choreografie.

Daniela Krautsack: Wir sehen gerade auf Deine Installation 'Versuch unter Kreisen' - würdest Du uns kurz schildern worum es hier geht
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Julius von Bismarck: Die vier Lampen hängen an unterschiedlich langen Pendeln. Von hier gesehen ist die nächste Lampe die kürzeste - nach hinten werden sie immer länger. Das Resultat ist, dass sie verschieden schnell schwingen: Die Pendellänge ist ausschlaggebend für die Geschwindigkeit. Wenn Objekte in verschiedenen Tempi schwingen, dann können sie nicht synchron schwingen. Wenn man die Geschwindigkeit, beziehungsweise das Timing, allerdings so wählt, dass sie einen gemeinsamen Nenner haben, dann schwingen die Objekte nach einer gewissen Anzahl von Runden kurz gemeinsam. Also wenn die erste Lampe sich 75 mal dreht, dann braucht die zweite 76 Runden, die dritte 77 Runden und die vierte 78 Runden.

Daniela Krautsack: Und was will diese Idee uns zeigen?

von Bismarck: Es geht mir hierbei nicht um eine Sache, sondern darum, was man denkt, wenn kurz diese Harmonie zwischen den schwingenden Lampen eintritt. Es gibt Phänomene, die in der Natur vorkommen - in Form von Zahlen, in Form von Schwingungen, in Form von Musik, in Form von Licht. Hier habe ich probiert, die Phänomene, die normalerweise auf ganz kleiner mikroskopischer Ebene stattfinden, in ganz großer Dimension darzustellen und dies auf einem neuen Weg greifbar zu machen. Eine Schwingung, die wir kennen, sind zum Beispiel die Schallwellen - diese können wir, beschränkt durch unsere menschliche Wahrnehmung, nur beschränkt begreifen und reproduzieren. Die schwingenden Lampen sollen dies visualisieren.

Mehr dazu im Blog auf Cows in Jackets.
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