Armutskonferenz: Journalismuspreis 'von unten...
 
Armutskonferenz

Journalismuspreis 'von unten' 2020 vergeben

Armutskonferenz
Die besten Beiträge aller Kategorien werden im Rahmen einer Preisverleihung mit dem "Drachen der Armut" ausgezeichnet.
Die besten Beiträge aller Kategorien werden im Rahmen einer Preisverleihung mit dem "Drachen der Armut" ausgezeichnet.

Zum elften Mal wurde Anfang der Woche im Wiener Presseclub Concordia der Journalismuspreis 'von unten' vergeben. Bewertet und ausgewählt wurden die Beiträge von einer Jury bestehend aus Menschen mit Armutserfahrungen.

Den Hauptpreis in der Kategorie Fernsehen erhielt Rosa Lyon für zwei ORF-ZIB1-Beiträge über „Lockdown – Homeschooling“ und „Familienhärtefonds – Alleinerziehende“. Die Jury würdigte, dass die Beiträge ohne die Protagonisten zu beschämen, auf deren Lebensverhältnisse aufmerksam macht: „Rosa Lyon zeigt mit ihren Beiträgen in der ZIB1, wie man auch kurz und knapp die prekäre Situation von Armutsbetroffenen beschreiben kann, ohne typische Vorurteile und Klischees zu bedienen.“

Der zweite Preis ging an Christoph Bendas und Sonja Hochecker für ihren Beitrag über den Kampf von Heimopfern für Gerechtigkeit (ORF Thema). Besonders beeindruckend empfand die Jury, wie es Bendas und Hochecker durch den Beitrag gelingt zu vermitteln, dass traumatisierende Erfahrungen in der Kindheit ein Leben lang Folgen haben können: „Ohne die Opfer zu beschämen, zeigen sie in ihrem bewegenden Beitrag auf, wie herausfordernd der Kampf um Anerkennung der Missbrauchs- und Gewalterfahrung ist.“

Print

Den Hauptpreis in der Kategorie Print ging an Rike Uhlenkamp und Sascha Montag für ihren Artikel „Länger als neun Monate blieb keiner hier“ über das VinziDorf-Hospiz, erschienen in der Wienerin. Aus der Begründung der Jury: „Rike Uhlenkamp beschreibt auf eindrucksvolle Weise, wie einfühlsam sich die Betreuer*innen auf Augenhöhe um die Menschen kümmern. Ohne auf die Tränendrüse zu drücken, erzählt sie von Menschen, die sonst kaum beachtet werden. Sascha Montag gibt dem Artikel mit seinen aussagekräftigen Bildern, die durch ihre eindringliche Bildsprache bestechen, einen würdigen Rahmen.“

Martina Madner erhielt den zweiten Preis für ihren Artikel in der Wiener Zeitung „Trauer und Wut sind nichts für mich". „Die Autorin führt das Interview auf Augenhöhe, sie gibt der Protagonistin eine Stimme, die gehört wird. So gelingt es ihr aufzuzeigen, dass Bildung nicht vor Armut schützt und als Folge von Armut die physische und psychische Gesundheit gefährdet ist."

Online

In der Kategorie Online erhielt Michaela Ambos die Auszeichnung für ihre Reportage „Mit diesem Einkommen bist du bereits armutsgefährdet“ veröffentlicht auf woman.at. Die Jury würdigte Michaela Ambos für ihr schonungslos offenes aber immer respektvoll geführtes Interview, das nie auf medienwirksame Sensation blickt.

Der zweite Preis ging an Claudia Unterweger für ihren Beitrag „Sexarbeiter*innen kämpfen im Lockdown ums Überleben“ auf der Website von Radio FM4. Aus der Begründung der Jury: „Den Beitrag zeichnet aus, dass er gut recherchiert und informativ ist, er zeigt die Schwachstellen der staatlichen Unterstützung auf, er verweist aber auch auf Hilfsangebote und Vereine, an die sich Betroffene wenden können.“

Radio

In der Kategorie Radio wurde Maria Harmer für ihre Sendereihe "Zuhause bleiben? Obdachlosigkeit in Corona-Zeiten" im Ö1 Journal Panorama ausgezeichnet. In der Sendereihe werden die besonderen Schwierigkeiten, die in Zeiten der Pandemie entstehen, aufgezeigt. Aus der Begründung der Jury: „Mit ihren Beiträgen gelingt es Maria Harmer bei den Zuhörerinnen und Zuhörern Bilder im Kopf zu erzeugen ohne die von Obdachlosigkeit Betroffenen zu beschämen.“

Karl Schönswetter, Fiona Steinert und Vina Yun, erhielten den zweiten Preis für ihre Sendereihe „Arbeiten ohne Papiere – gegen Ausbeutung, für gleiche Rechte“ auf Radio Orange. Aus der Begründung der Jury: „Sie haben eine gründlich recherchierte und informative Sendereihe gestaltet, die nicht nur für Migrantinnen und Migranten nützlich ist, sondern für alle, die mit Schwarzarbeit zu tun haben.“

Lobende Erwähnungen

Weiters auf der Shortlist des Journalismuspreis „von unten“ und lobend erwähnt: Steffen Arora („Kampf gegen die Armen, nicht gegen die Armut“, Der Standard), Saskia Wolfesberger("Wenn 400 Euro zum Leben bleiben", News), Irene Meinitzer ("Kinderrechte", Radio Helsinki).

Die Armutskonferenz schreibt seit 2010 den Preis aus, der "tiefgründige und respektvolle Armutsberichterstattung" prämiert. Der "Journalismuspreis von unten" wird mittlerweile auch in anderen europäischen Ländern vergeben wie Finnland, Kroatien, Ungarn, Serbien oder Island.
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