Arbeitsmarkt bleibt volatil
 
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In Österreich leben rund 7.000 Menschen vom Journalismus. Anfang 2020 waren 701 Menschen arbeitslos gemeldet, um 1,3 Prozent weniger als im Vorjahr.
In Österreich leben rund 7.000 Menschen vom Journalismus. Anfang 2020 waren 701 Menschen arbeitslos gemeldet, um 1,3 Prozent weniger als im Vorjahr.

Strukureller Wandel prägt den Arbeitsmarkt. Die Diskrepanz zwischen Angebot und Nachfrage bleibt unter Experten umstritten.

Im Endbericht der Untersuchung „Der Arbeitsmarkt für Journalisten: Trends und Perspektiven“ des Jahres 2015 heißt es: „Seit einigen Jahren sind am Arbeitsmarkt für Journalisten Umwälzungen im Gange, die größere Brüche in der bisherigen Entwicklung von Arbeitskräfteangebot und -nachfrage nahelegen.“ Seither bleibt die Situation – so der Verein Ajour/Arbeit für Journalisten, der seit Mai 2017 insgesamt 250 arbeitssuchende Journalisten betreut hat – volatil. Studien belegen, dass Journalisten kaum mehr mit bruchlosen Karrieren in fester Anstellung bei einem einzigen Medium rechnen können. Zumindest zeitweise gebe es Phasen der unfreiwilligen Freiberuflichkeit.

In Österreich waren laut Statistik des AMS Ende Jänner 701 Journalisten arbeitslos gemeldet, um 1,3 Prozent weniger als im Jahr davor. Auf Wien entfallen mit 65 Prozent die meisten Journalisten. Gemessen an den laut Ajour knapp 7.000 Menschen, die in Österreich vom Journalismus leben, ist der Arbeitslosenanteil hoch. Eike Kullmann, Vorsitzender der Journalistengewerkschaft, findet es zwar „grundsätzlich sehr gut, dass es eine Vielzahl an Ausbildungsangeboten in Österreich gibt. Die Ausbildungsangebote sind gut und werden auch regelmäßig an die ­Veränderungen angepasst. Die Jobchancen sind jedoch leider gering, jedenfalls in den klassischen Medien. Um aus der Spirale nach unten herauszukommen, brauchen wir daher endlich wieder eine personelle Stärkung der Redaktionen“.

Entscheidende Tech-Kompetenzen

Bernhard Krumpel vom Fachverband Werbung und Marktkommunikation der WKO relativiert die prekäre Situation: „Nicht alle Absolventen drängen als Journalisten in den Jobmarkt. Die Frage ist, ob man diese Diskrepanz auflösen soll, da dies für viele andere Berufe auch gilt. Falls zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen ­werden sollen, so sind wir schnell beim Förderwesen angelangt.“ ­Michael Roither, Leiter des Masterstudiengangs „Information Medien Kommunikation“ an der FH Burgenland, bleibt Optimist: „Ich würde nicht unbedingt unterschreiben, dass der Jobmarkt düsterer wird. In der Kommunikationsbranche gibt es seit jeher mehr Angebot als Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt. Wir sehen das anhand von Untersuchungen wie unserer Längsschnittstudie zu den Kompetenzen 4.0 gemeinsam mit der FH St. Pölten, bei der wir Jobprofile analysieren und die Branche und Studierende befragen. Neue, relevante Qualifikationen, die sich in neuen Funktionen wiederfinden, liegen in den Bereichen User Centered Design und Medieninformatik und Webtechnologien. Technisch versierte Kommunikatoren sind überall gefragt und haben auch auf einem kompetitiven Arbeitsmarkt sehr gute Chancen.“•

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