Apps: Steinzeit statt Paradies
 

Apps: Steinzeit statt Paradies

Apps sind ein Experimentierfeld für Verlage: Selbst die Paid-Content-Strategie ist alles andere als klar.

Bei Rudi Klausnitzer geht's APP: Der Moderator des Arbeitskreises "App ins Paradies" lässt sich von einer App wecken, kocht seine Frühstückseier mithilfe einer App und liest dann noch die wichtigsten Zeitungen - erraten per App. Für die Podiumsdiskutanten Georg Konjovic (Axel Springer Verlag), Andreas Martin (Mobile Marketing Association Austria und Drei), Friederike Müller-Wernhart (Mindshare), Peter Rathmayer (Krone Multimedia) und Bettina Schmid (Kleine Zeitung) ein Konsument, wie man in sich nur wünschen kann.

Denn Sie areiten daran, dass mobile Newsangebote im allgemeinen und Apps für Smartphone und iPad im besonderen ein Erfolg werden. Mit unterschiedlichen Strategien. Während die österreichischen Vertreter - also "Kleine Zeitung" und "Kronen Zeitung" jeweils zwei unterschiedliche Redatkionen beschäftigen um einerseits Print und andererseits Online zu befüllen, wird das bei Axel Springer anders gemacht. Hier ist eine Redaktion einer Medienmark für alle Kanäle zuständig. Warum erklärt Konjovic so: "Unser Geschäftsmodell ist guter Journalismus und nicht Print, Online oder iPad." Denn dies wären letztendlich nur Kanäle.

Konjovic sieht eine Konsolidierung dieser Kanäle auf uns zukommen. Weil etwa die Webseiten, die für statische PCs optimiert sind, unwichtiger werden. Statt dessen wird Mobile immer wichtiger - und Apps spielen dabei eine Schlüsselrolle. 45 Medienmarken hat Axel Springer bereits als App im Angebot - und lediglich eine kostet dem User nichts (App zur Immobiliensuche). Konjovic: "Uns sind nicht die Reichweiten nicht wichtig, sondern wir wollen Vertriebserlöse im Digitalbereich erzielen." Hohe Reichweiten wären angesichts der 800.000 bis 900.000 iPads in Deutschland sowieso nicht zu erzielen. Die Strategie von Axel Springer scheint auch aufzugehen, erzielt das Medienhaus doch schon respektable Verkaufszahlen für einzelne Apps (siehe dazu etwa trend/Bestseller 2011).

Krone und Kleine Zeitung gibt's als App derzeit noch gratis. Warum nicht gleich kostenpflichtig? Rathmayer: "In Österreich fehlt es oft an Selbstvertrauen, wenn es um die Einführung von neuen Technologien geht." Fest steht, dass zahlreiche Studien belegen, dass iPad User derzeit eine hohe Bezahlbereitschaft haben. Konjovic warnt: "Diese Bezahlbereitschaft kann durch zu viele Gratisangebote wieder zerstört werden." Rathmayer will deshalb auch die iPad-App der Kronen Zeitung kostenpflichtig machen. Dies ist wohl auch deshalb wichtig, weil in den nächsten Tagen der Austria Kiosk der APA startet, in der die Kronen Zeitung auch als App zu haben ist. Allerdings für einen Euro pro Exemplar. Das Modell Krone-App in Apples App-Store gratis und eine Krone-App (reines PDF, ohne Multimedia) im Austria Kiosk für einen Euro - kann auf Dauer nicht funktionieren.

Dessen ist sich auch Schmid bewusst: Bei der Kleinen Zeitung arbeite man derzeit an einer Bezahlstrategie. Einen konkreten Zeitpunkt kann sie aber noch nicht nennen. Vom Paradies ist man also noch ein großes Stück entfernt.
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