Antisemitismus im Netz: Jüdischer Weltkongres...
 
Antisemitismus im Netz

Jüdischer Weltkongress warnt weiter vor rechtsextremen Videos auf TikTok

APA (AFP)

Auf der Plattform TikTok befinden sich weiterhin rechtsextreme Videos. "Die Videos auf unserer Liste wurden nicht gelöscht", teilte Maram Stern, geschäftsführender Vizepräsident des Jüdischen Weltkongresses (WJC), am Montag der APA mit.

Unter den 77 Videos und vier Sounds auf der Liste seien neben antisemitischen Verschwörungstheorien auch Beiträge, die Holocaust-Opfer verhöhnen. "Wir machen eine Reise zu einem Ort namens Auschwitz - Zeit zum Duschen, kleine Kinder", heiße es in einem Song, den die APA am Montagvormittag abrufen konnte. Auch die notorische Roboter-Swastika, deren Original TikTok bereits gelöscht habe, war in einem Video zu sehen. Ebenso wie das Kurzvideo eines Users, der es offenbar geistreich findet zu spielen, wie jemand an einem ersten Arbeitstag in einem Weltkriegsmuseum anstelle von Kakao die Asche von Anne Frank in seine Milch schüttet und trinkt.

Es könnte sein, dass TikTok bereits die in einer Untersuchung des Instituts für Terrorismusbekämpfung (ICT) der Universität Haifa erwähnten Videos entfernt habe, "ohne die weiteren Beispiele von Antisemitismus in Erwägung zu ziehen, die noch zu finden sind", hieß es vom WJC.

Die Organisation hatte Beschreibungen der beanstandeten Videos in einem auf Anfang Juli datierten Brief auch an Justizministerin Alma Zadic (Grüne) weitergeleitet. Das Schreiben liegt der APA vor. Der WJC schrieb darin: "Wir sind erschüttert, dass diese Videos ebenfalls in Österreich und der EU für alle, insbesondere minderjährige Nutzer der TikTok-Plattform abrufbar sind und halten dies für einen unhaltbaren Zustand. (...) Es ist unsere gemeinsame Pflicht, hiergegen unverzüglich mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln vorzugehen."

Die Internetplattform mit Hauptsitz in China hatte in der Vorwoche in einer Stellungnahme gegenüber der APA erste WJC-Vorwürfe bezüglich der Verbreitung rechtsextremer Videos zurückgewiesen. "Unsere Community-Richtlinien machen deutlich, was auf unserer Plattform akzeptabel ist und was nicht. Wir tolerieren keine Inhalte, die Hassreden enthalten", hieß es. Dazu würden auch die erwähnten antisemitischen Videos und Sounds zählen, "die wir bereits entfernt haben", verkündete die Social-Media-Plattform. Außerdem arbeite man kontinuierlich daran, die eigenen Technologien und Richtlinien zu verbessern, um so sicherzustellen, dass TikTok ein positiver und sicherer Ort bleibe, in dem sich die Nutzer kreativ ausdrücken könnten.

Der WJC-Präsident Ronald S. Lauder hatte am vergangenen Montag auf eine Untersuchung des ICT an der Universität Haifa hingewiesen, bei der von Februar bis Mai 2020 viele TikTok-Videos untersucht worden seien. Dabei seien 200 Postings entdeckt worden, "die eindeutig rechtsextreme Inhalte aufwiesen, vor allem durch die Leugnung oder Verhöhnung der Shoah", hatte Lauder betont.
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