Anstoß für Veränderung: Produzent*innentag lo...
 
Anstoß für Veränderung

Produzent*innentag lotete Zukunft der heimischen Filmwirtschaft aus

HORIZONT
Gerhard Zeiler (Präsident Warner Media International) beim Produzent*innentag 22
Gerhard Zeiler (Präsident Warner Media International) beim Produzent*innentag 22

Produzentenverbände orten Feuer am Dach der heimischen Film- und Fernsehindustrie. Das heimische Förderungssystem sei obsolet und nicht mehr handlungsfähig.

Um Anstoß für Veränderung zu geben, veranstalteten der Verband Österreichischer Filmproduzenten (AAFP) und Film Austria am Donnerstag in Wien einen "Produzent*innentag" mit Gästen aus der Branche und der Politik. Dabei wurde erörtert, was zu tun ist, damit Österreich nicht den internationalen Anschluss verliert. Gerhard Zeiler, President International bei Warner Bros. Discovery, eröffnete die Veranstaltung mit der Vorstellung seiner zehn Thesen zur Zukunft der audiovisuellen Industrie. Dabei hielt er zunächst fest, dass der Konsument so mächtig wie noch nie sei, was durch schnelles Internet erst ermöglicht worden sei. Der österreichische Medienmanager prophezeite mehr Streaming, wobei der Markt global unter einigen wenigen Anbietern aufgeteilt werde - alleine schon aus finanziellen Gründen.

Lokal und live

Überzeugt zeigte er sich, dass Abonnementfernsehen künftig auch billigere, dafür mit Werbung versehene Modelle etablieren werde. Nicht nur weil der Bedarf auf Konsumentenseite vorhanden sei, sondern auch weil die Werbewirtschaft das brauche, so der ehemalige ORF-Generalintendant und RTL-Geschäftsführer. Lineares Fernsehen werde zwar weniger, aber in absehbarer Zeit auch nicht aussterben. Allerdings müssten sie sich auf ihre Stärken konzentrieren: lokale Inhalte und Live-Content. Damit müssten sie auf allen Plattformen vertreten sein. Wenn der ORF keine Digitalnovelle bekomme, könne er diese Anforderung nicht erfüllen, merkte Zeiler an. Die Werbewirtschaft sei die Industrie, die den Großteil des privaten und auch öffentlich-rechtlichen Fernsehens finanziert. Diese müsse mit Reichweite und der Möglichkeit von gezielter Publikumsadressierung zufriedengestellt werden.

Veraltete Muster

"Tausendprozentig" sicher sei er, dass Kino überleben werde: "Es ist unverzichtbar." Dennoch werde es weniger Filme geben, wobei diese entweder groß oder klein seien. Mittelgroße Filmproduktionen würden dagegen wegfallen. Der Gewinner der von ihm prognostizierten Entwicklungen sei die Kreativindustrie. Sie könne nicht verlieren. Bereits in der Früh richteten die veranstaltenden Produzentenverbände Bundeskanzler Karl Nehammer (ÖVP) per Inserat in mehreren Medien aus, dass sie mit der gegenwärtigen Lage in der heimischen Filmbranche unzufrieden seien. "Während global die Filmbranche eine noch nie dagewesene Vielfalt erfährt, bleibt man in Österreich veralteten Mustern treu und ignoriert die Trends der Zeit", hieß es.

Am Schluss wird auf eine langjährige Forderung der Branche hingewiesen: eine Filminvestitionsprämie. Unterzeichnet wurde der Brief mit einem Augenzwinkern von "Romy Schneider". "Ich finde, als Namenspatronin des größten Film- und Fernsehpreises des Landes darf ich hoffentlich nicht nur als glamouröses Aushängeschild besserer Zeiten eine gute Figur machen, sondern auch das Wort als "Schirmherrin" ergreifen, wenn unsere Filmwirtschaft in eine Sackgasse gedrängt wird."

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