Anke Schäferkordt: "RTL wird nicht zum Bezahl...
 

Anke Schäferkordt: "RTL wird nicht zum Bezahlsender"

Bertelsmann
RTL-Geschäftsführerin Anke Schäferkordt ist Keyspeakerin bei den 24. Österreichischen Medientagen.
RTL-Geschäftsführerin Anke Schäferkordt ist Keyspeakerin bei den 24. Österreichischen Medientagen.

RTL-Geschäftsführerin Anke Schäferkordt ist Keyspeakerin bei den 24. Österreichischen Medientagen. Im Interview mit der "FAZ" kündigt sie einen Ausbau von TV Now an, jener Marke, unter der die Mediengruppe RTL Deutschland sein digitales Programmangebot bündelt.

"Eines unserer Hauptziele ist es, abseits des linearen Fernsehens zu wachsen. Wir prüfen daher, wie wir das Angebot unserer Videoplattform TV Now systematisch erweitern", sagt RTL-Geschäftsführerin Anke Schäferkordt im Gespräch mit der "FAZ". Bereits zur Markteinführung von TV Now im Frühjahr 2016 kündigte Marc Schröder, damaliger Geschäftsführer von RTL Interactive, an, dass die Marke TV Now mehr sein soll als Stream und CatchUp-TV.

In Zeiten zunehmender Konkurrenz auch von amerikanischen Videoplattformen wolle die Mediengruppe RTL Deutschland auf "mehr eigene und deutsche Inhalte" setzen und mit "Relevanz, Unverwechselbarkeit und Exklusivität" die Zuschauer binden. Der Anteil an Eigenproduktionen werde kontinuierlich ausgebaut, schon heute würde man 90 Prozent eigene Inhalte auf RTL und 70 Prozent auf Vox senden. RTL lasse etwa gerade fünf neue deutsche Fiktion-Serien produzieren, die Ausgaben dafür seien auch eine Investition ins nonlineare Angebot. "Denn so können wir entscheiden, wann wir eine Sendung in ein Bezahlangebot geben, wann in ein lineares freies Angebot auf einem Fernsehsender und wann zum späteren Abrufen in TV Now", sagt Schäferkordt. Ob auch der Preis von TV Now steigen wird? "An der genauen Gestaltung arbeiten wir noch."

Trend zur mobilen Nutzung

"Einen klaren Trend zur mobilen Nutzung" sieht Schäferkordt in den nächsten Jahren. Daher würde man sich "schon lange nicht mehr als reinen Fernsehveranstalter" definieren, sondern mit Bewegtbildinhalten auf allen Bildschirmen präsent sein. Die Notwendigkeit für einen weiteren klassischen Fernsehsender sehe sie daher im Moment nicht, "wenn sich jedoch der Appetit der werbetreibenden Industrie mit dem Appetit der Zuschauer verbindet, schließe ich das nicht aus".

Bezahlung für technischen Zugang

Ab Juli müssen Millionen Haushalte in Deutschland 69 Euro im Jahr je Gerät für DVB-T2 zahlen, um bestimmte Privatsender, unter anderem auch jene der Mediengruppe RTL Deutschland, zu sehen. Den Begriff des Bezahlsenders weist Schäferkordt dennoch von sich: "RTL wird nicht zum Bezahlsender. Die Zuschauer zahlen nicht für das einzelne Programm, sondern für einen technischen Zugang." Das sei in jedem anderen Land üblich und betreffe viele Privatanbieter. Dennoch: Die großen deutschen Privatsender sind im angestrebten Fernsehstandard HD nur noch gegen Bezahlung zu sehen.

Was das Fernsehgeschäft für sie besonders spannend mache, sei, dass es "nicht vorhersehbar ist". Auch Algorithmen würde nicht gelingen, neue Formate zu erkennen, weil diese auf Daten der Vergangenheit basieren würden. "Heute sind Zuschauer wie scheue Rehe: Ihre Ungeduld hat zugenommen, und sie sind schnell weg, wenn sie sich erschrecken."

Nähere Infos zu Speaker, Programm und Tickets der 24. Österreichischen Medientage gibt es hier.
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