Anke Schäferkordt: "Ich will faire Rahmen-Bed...
 

Anke Schäferkordt: "Ich will faire Rahmen-Bedingungen"

Johannes Brunnbauer
Medientage 2017 Tag1 am Erste Campus, am 20.09.2017 | (c) Medientage/Brunnbauer
Medientage 2017 Tag1 am Erste Campus, am 20.09.2017 | (c) Medientage/Brunnbauer

In ihrer Key Note auf den Österreichischen Medientagen spricht RTL-Geschäftsführerin Anke Schäferkordt über den neuen Wettbewerb, die im Steigen begriffene Zahlungsbereitschaft, neue Werbemöglichkeiten und faire Rahmenbedingungen im Wettkampf mit globalen Playern.

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"Die Branche war schon immer vom Wandel geprägt, das Tempo des Wandels hat allerdings neue Dimensionen erreicht", hält RTL-Geschäftsführerin Anke Schäferkordt am Anfang ihrer Eröffnungsrede auf den Österreichischen Medientagen fest. Grund für diesen rasanten Wandel sei die Digitalisierung und Technologisierung unserer Gesellschaft, die "permanent im Netz, permanent verbunden und permanent erreichbar" sei. Dies wiederum habe Auswirkungen darauf, wie Medien konsumiert werden und stelle klassische Medien vor ganz neue Herausforderungen. Ein Kernthema, das die RTL-Geschäftsführerin in ihrer Keynote anspricht ist der neue Wettbewerb. "Die Wettbewerbsintensität ist enorm, viele neue Player haben Video als Treiber ihrer zukünftigen Entwicklung identifiziert. Ob Netflix, Amazon oder Facebook - alle investieren Summen in gigantischen Größenordnungen." Klassische Medien im Allgemeinen und TV-Sender im Besonderen seien daher aufgerufen, sich auf ihre Stärken zu besinnen und sich nicht ausschließlich über die Abgrenzung von anderen zu definieren. Im Wesentlichen gehe es  darum, Antworten auf folgende vier Fragen zu finden: Welche Inhalte wollen wir bieten? Auf welchen Plattformen wollen wir diese Inhalte anbieten? Wie werden diese Inhalte dann auch gefunden? Wie finanzieren wir diese Inhalte? Der Zuschauer will relevante Inhalte, so Schäferkordts These. "Relevante Inhalte heißt, er will das ganze Programm - er will Informationen genauso wie Unterhaltung." Hier lege die RTL-Group ihren Fokus zukünftig verstärkt auf Eigenproduktionen. "Viele Sender sind sehr vom amerikanischen Markt abhängig, hier sind Eingeproduktionen definitiv ein Wettbewerbsvorteil." Schäferkordt betont aber auch, dass Eigenproduktionen "deutlich teurer sind, als fertiges Programm im internationalen Markt zu kaufen". Um dies auch finanzieren zu können, brauche es Events als Reichweitengarant. Weiters werde man auch verstärkt darauf setzen, non-lineare Angebote auf digitalen Plattformen anzubieten. "Uns geht es darum, auf allen Plattformen präsent zu sein und uns auch zu überelgen, wie wir auf diesen Plattformen präsent sind", sagt Schäferkordt. Zudem müsse man in Zukunft verstärkt sicherstellen, dass Inhalte in sozialen Medien und über Suchmaschinen auch aufgefunden werden. Akzeptanz für Werbung sinkt "Wir stellen fest, dass in Europa die Zahlungsbereitschaft für Inhalte nicht so groß wie in den USA ist", sagt Schäferkordt. Sie hält aber auch fest, dass diese für Premium-Inhalte in Europa steigen und die Akzeptanz für Werbung sinken würde. Neben individuellen Werbemöglichkeiten, die sich durch neue Technologien und Big Data im Nischensegment auftun, wolle man auch weiterhin "hohe Reichweiten generieren und an die werbetreibende Industrie entsprechend verkaufen". Neue Technologien wie etwa Addressable TV würden es künftig möglich machen, "das Beste aus beiden Welten zusammenzubringen", sagt Schäferkordt. Damit gemeint sind hohe Reichweiten auf der einen Seite und personalisierte Ansprache von kleineren Zielgruppen auf der anderen Seite. Forderung nach klaren Regelungen Um auch weiterhin im Wettbewerb bestehen zu können, brauche es einen regulatorischen Rahmen, "der es uns möglich macht, mit internationalen Playern Stand zu halten", sagt Schäferkordt und fordert gleiche Wettbewerbsbedingungen für alle. Schäferkordt ruft Regierung und Politik dazu auf, einen "Rahmen zu setzen, der es europäischen Medien erlaubt, wettbewerbsfähig zu sein". Sie sei zwar kein Freund von zu viel Regulierung, "ein paar klare Regeln" müsse es allerdings geben. Von Werbeverboten hält sie nicht viel, werden diese in Zukunft verstärkt, würde dies die Branche weiter reglementieren. "Augenmaß" fordert Schäferkordt im Bereich Datenschutz: Auf der einen Seite sollen Nutzer geschützt, auf der anderen Seite ein fairer Wettbewerb ermöglicht werden. "Ich will faire Rahmenbedingungen und einen Wettbewerb, der für uns möglich ist", schließt Schäferkordt.
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